Oberthulba
Arbeitsplätze

Streit bei Pressel bis zum Schluss

Zum 31. Dezember hat der Büroartikelversender Pressel die Arbeit in der hiesigen Niederlassung eingestellt. 39 Mitarbeiter sind betroffen, ein Teil hat bereits eine Anstellung gefunden. Für manche Kollegen dauert der Ärger noch an.
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Mit einer Demonstration und Streikankündigungen haben sich die Pressel-Beschäftigten einen Sozialplan erstritten.  Foto: Wolfgang Dünnebier/ Archiv
Mit einer Demonstration und Streikankündigungen haben sich die Pressel-Beschäftigten einen Sozialplan erstritten. Foto: Wolfgang Dünnebier/ Archiv
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Aus und vorbei. Seit diesem Monat ist die Niederlassung des Büroartikelversenders Pressel geschlossen. 37 Mitarbeiter und zwei Auszubildende haben ihre Arbeitsplätze verloren. Hinter ihnen liegt eine nervenaufreibende Zeit, in der sie gegen ihren Arbeitgeber für eine faire Behandlung gestritten haben. "Ich fahre nach den ganzen Strapazen jetzt erst einmal in den Urlaub", meint der Betriebsratsvorsitzende Timo Karch am Telefon.

Die Belegschaft hat demonstriert, öffentlich Druck aufgebaut, Streiks angedroht und im Eilverfahren einen Betriebsrat gegründet. Höhere Abfindungen und ein Sozialplan wurden erkämpft. "Wir sind zufrieden damit, was am Ende rausgekommen ist, auch wenn es die Arbeitsplätze nicht ersetzen kann", sagt Karch.
Er berichtet, dass die beiden Auszubildenden von anderen Betrieben übernommen wurden und dort ihre Lehre fortführen. Viele Mitarbeiter fürchteten anfangs, in der Region keinen Job mehr zu bekommen. Das hat sich etwas relativiert. "Manche Kollegen haben auch schon wieder eine Anstellung gefunden. Ich selbst suche noch", sagt Karch.
Eine Pressel-Mitarbeiterin ist im Rathaus der Marktgemeinde untergekommen, berichtet Bürgermeister Gotthard Schlereth (Freie Wählergemeinschaft). Dass die Niederlassung aufgegeben wurde, bedauert er nach wie vor. "In einer strukturschwachen Region tut jeder Arbeitsplatz, der wegfällt, weh", sagt er. Und: "Ich freue mich aber, wenn die Leute sozialverträglich ihr Arbeitsverhältnis beendet haben." Für die Gemeinde sei es in erster Linie wichtig, dass sich auf dem Gelände wieder ein neuer Betrieb ansiedelt. Zur Zukunft des Geländes kann Schlereth keine Auskunft geben. Die Gemeinde ist nicht an Verhandlungen zwecks Verkauf oder Verpachtung beteiligt.


Nachfolger in Berlin einarbeiten

Verdi-Sekretär Peter König hat die Belegschaft unterstützt. "Wir hatten erst zu spät versucht zu retten, was noch zu retten ist", sagt er. Wenn es schon vor Bekanntgabe der Schließung einen Betriebsrat gegeben hätte, hätte man andere rechtliche Möglichkeiten gehabt, etwa um die Schließung hinauszuzögern oder ganz abzuwenden. Den Umständen entsprechend sei aber ein gutes Ergebnis erzielt worden. Trotzdem gab es bis zuletzt Ärger: "Es hat noch Streitigkeiten gegeben, wegen zwei Mitarbeitern, die bis zum 31. Januar weiter beschäftigt wurden", berichtet König. Sie sollten in Berlin ihre Nachfolger einarbeiten. Betriebsrat und Gewerkschaft drohten deshalb vor Weihnachten rechtliche Schritte an. "Eine Versetzung geht nicht so einfach, wie Konzerne sich das wünschen", sagt König.

Zur Info:
Niederlassung Das österreichische Unternehmen hatte seit dem Jahr 1992 einen Sitz in Oberthulba. Im Jahr 2004 wurde die Firma vom US-Konzern Staples übernommen. In Oberthulba waren zuletzt 37 Mitarbeiter und zwei Azubis beschäftigt.

Schließung Nur wenige Tage nach der Weihnachtsfeier im Dezember 2014 gab der Konzern bekannt, dass er die Niederlassung zum 31. Dezember 2015 aufgibt. Seit Anfang Januar ist der Standort schließlich geschlossen.

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