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Problem

Stralsbach: Gemeinsam gegen den Gestank

In Stralsbach sammelte eine Interessengemeinschaft Informationen über die Lärm- und Geruchsproblematik der Abwasserdruckleitung.
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Am Stralsbacher Kanal sollen Schwefelwasserstoffe und die Strömung des Abwassers gemessen werden. Foto: Johannes Schlereth
Am Stralsbacher Kanal sollen Schwefelwasserstoffe und die Strömung des Abwassers gemessen werden. Foto: Johannes Schlereth
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In den vergangenen Monaten sorgte das Kanalproblem in Stralsbach für Aufmerksamkeit. Vermutlich wegen der neuen Abwasserdruckleitung litten die Stralsbacher unter einer massiven Gestank- und Geruchsbelästigung. Dagegen gingen die Bürger vor und erweckten die Interessengemeinschaft Stralsbach zu neuem Leben. Die IG vertrat bereits vor einigen Jahren die Interessen der Bürger in Sachen des geplanten Gewerbegebiets. Die IG und ihre Unterstützer fertigten in den vergangenen Wochen Gestank- und Lärmprotokolle an. Ihre Ergebnisse und Recherchen übergaben sie jüngst mit einem Anschreiben und einer Unterschriftenliste an Waldemar Bug (ödp), dem Bürgermeister des Marktes Burkardroth. In einem Gespräch fassten beide Seiten den Beschluss zu kooperieren. Außerdem finden neue Messungen und Berechnungen statt.

Fast das ganze Dorf unterstützt die IG

"Insgesamt haben wir rund 320 Unterstützer-Unterschriften gesammelt", sagte Berthold Kröckel, von der IG. Hinzu kämen noch die Unterschriften der Betroffenen. "Das sind 26 Haushalte mit etwa 70 Personen." Stralsbach selbst hat nach Angaben des Marktes Burkardroth am 31. Dezember des vergangenen Jahres 491 Einwohner. Schuld an Gestank und Lärm, vor dem die Stralsbacher selbst nachts nicht sicher sind, ist nach Meinung der IG die Abwasser-Druckleitung. Mit ihr wird das Abwasser von Waldfenster, Lauter und Katzenbach durch Stralsbach nach Großenbrach in die Kläranlage es Abwasserzweckverbands gepumpt. Die IG vermutet unter anderem bauliche Fehler an der Leitung.

"Das System passt nicht zum bestehenden Stralsbacher Kanal", meinte Waldemar Straub, Mitglied der IG. Das zeige sich besonders am Einleitungsschacht "in der Strütt". Dort prallt das Wasser mit hohem Druck an die Kanalwand, stürzt in die Tiefe und verwirbelt sich. Durch den Lufteintrag gasen die Schwefelwasserstoffe durch den Gullydeckel aus.

Die Folgen waren massive Einschränkungen für die Stralsbacher durch Gestank und Lärm. Besonders ärgerlich war das für junge Familien. Darunter beispielsweise Andreas Schlereth, der ein bestehendes Haus gekauft hat, und dieses nun zum Eigenheim umbaut: "Mit dem jetzigen Wissen über das Problem würde ich das Haus nicht noch mal kaufen."

Geruchsverschlüsse machten es besser

Erst als die Kommune Geruchsverschlüsse einbaute, die auch die Geräuschkulisse dämmten, habe sich die Lage etwas verbessert. Für eine langfristige Lösung halten allerdings weder Bug noch die IG die Abdichtungen, müssen sie doch regelmäßig erneuert werden. Hilfreich war auch die Inbetriebnahme des Kompressors, der zwei Monate nicht lief. "Dabei hat es sich um Anlaufschwierigkeiten gehandelt", betonte Bug.

"Dem Planer hätten die Auswirkungen auf die Bürger bewusst sein müssen", meinte Straub. "Man hätte sich damals mehr Gedanken darüber machen müssen, was passiert, wenn ich ein hochkomplexes System wie eine Druckleitung in ein bestehendes System einleite." Viele funktionierende Druckleitungen seien in sich geschlossen und ließen sich deshalb nicht mit der in Stralsbach gebauten Variante vergleichen. Auf die Gefahren einer solchen Druckleitung habe man bereits während der Planung im Jahr 2016 hingewiesen.

"Es ist nicht die erste Druckleitung im Markt Burkardroth. Wir sind davon ausgegangen, dass es - wie bei den anderen auch - ohne Probleme funktioniert", sagte Bug. Das Ingenieurbüro ProTerra aus Knetzgau, das mit der Planung beauftragt war, sei auf derartige Projekte spezialisiert. Außerdem habe die Kommune bereits gute Erfahrungen mit dem Ingenieurbüro gemacht. Für die IG war dagegen klar, dass die bestehenden Druckleitungen des Abwasserzweckverbands nicht als Vergleich dienen können. "Bei Steinach und Hohn haben wir ganz andere Höhenverhältnisse als in Stralsbach", führte IG Mitglied Berthol Kröckel an.

Denn die Topographie sorgt für Probleme an der Druckleitung. Durch das Gefälle in Stralsbach erreicht das Abwasser in Stralsbach eine hohe Geschwindigkeit. Um das zu verhindern, wurden damals vier Kanalschächte eingebaut, die das Abwasser bremsen sollen. Das Problem daran: "Wenn das Wasser an einem Schacht langsamer geworden ist, hat es beim nächsten schon wieder die gleiche Geschwindigkeit", brachte Straub es auf den Punkt. Zum selben Schluss kam Bug, als er selbst einen Blick in die Schächte warf. Bug: "Es stellt sich ja auch die Frage, wie lange eine Schachtwand das mitmacht." Um zu überprüfen, ob die Strömungsverhältnisse im Kanal passen, hat der Markt Burkardroth bereits ein Büro engagiert.

Die Stabilität des Kanals ist aber auch durch die Schwefelwasserstoffe im Abwasser in Gefahr. "Bakterien setzen die Schwefelwasserstoffe zu Schwefelsäure um", führte Straub an. Als Folge korrodiert letztlich der Kanal, was eine teure Sanierung nach sich zieht. "Wir haben deshalb ein Büro aus Baden-Württemberg beauftragt, im Kanal Messungen vorzunehmen", sagte Bug. An verschiedenen Stellen soll nun laut Bug langfristig gemessen werden, "wo Schwefelwasserstoffe auftreten". Als abgeschlossen nannte Bug die Sulfatmessung, die die Kommune am Stralsbacher Kanal durchgeführt hat. Diese wies keine Auffälligkeiten auf. "Wir müssen sehen, wo der Wurm drin ist." Dafür wollen die Gemeindeverwaltung und die IG außerdem zusammenarbeiten. Neue Informationen sollen dann beispielsweise über Bürger- oder Anliegerversammlungen und die Ortsschelle publik gemacht werden.

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