Bad Kissingen

Stimmt´s? "Bauchtraining lässt den Bauchspeck gezielt schmelzen."

Mit genügend Sit-ups klappt's auch mit dem Sixpack? Falsch gedacht. Unser Fitness-Fachmann Holger Klemm erklärt, wieso.
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Foto: Przemyslaw Koch - stock.adobe.com
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D ie meisten Fitness-Einsteiger wollen von uns Trainern viele Übungen für den Bauch in ihrem Trainingsplan haben. Leider hält sich hartnäckig der Mythos, dass man durch viele Sit-ups ganz schnell einen Waschbrettbauch bekommt. Schließlich ist die Hauptproblemzone des Mannes - und mittlerweile auch die vieler Frauen - nicht nur nachgewiesen gesundheitlich bedenklich. Sie ist außerdem unter ästhetischen Gesichtspunkten - vor allem am Strand, im Schwimmbad oder in der Sauna - äußerst unbeliebt.

Die Erwartungshaltung an uns Fitnesstrainer: Der lästige mittlere Ring soll möglichst rasch durch einen Waschbrettbauch ersetzt werden. Millionen Menschen quälen sich täglich mit sogenannten Crunches und anderen instagram-gehypten "Bauch-Tune-ups" hin zu einem flacheren, straffen Bauch. Das Problem: Dass in dem Ergebnis wochenlange Anstrengungen stecken, vermuten die wenigsten.

Unsichtbarer Waschbrettbauch

Viele, die anfangs noch voller Elan und Motivation gestartet sind, geben frustriert wieder auf. Woran liegt das? Ganz einfach: Bauchübungen trainieren ausschließlich die Bauchmuskulatur, aber nicht die Fettschicht darüber. Das Unterhautfettgewebe, das über der Bauchmuskulatur liegt, verliert man so nicht. Beim Bauchtraining wird viel weniger Fett verbrannt als man denkt. Was nützt es, einen Waschbrettbauch zu haben, den keiner sieht? Die Muskeln sind verborgen unter einer dicken Schicht Fett, die einfach nicht weichen will. Den Bauch einziehen und den Gürtel enger schnallen ist keine Dauerlösung. Damit der Waschbrettbauch überhaupt sichtbar wird, ist eines entscheidend: der Körperfettanteil. Nach meiner Erfahrung müsste der unter 14 Prozent liegen, damit der sogenannte "Sixpack" zum Vorschein kommt. Was also tun?

Leider ist es unmöglich, Problemzonen gezielt zu bekämpfen. Auch wenn man Muskeln durch entsprechendes Training an der gewünschten Stelle stärken kann, das Fett wird über einen anderen Weg abgebaut. Erst ein ganzheitliches Kräftigungsprogramm mit einer zuckerreduzierten und eiweißreichen Ernährung bringt langfristig auch das Bauchfett zum Schmelzen. Wir müssen den Körper mit einer clevere Ernährungsauswahl und einem ganzheitlichen Sportprogramm dazu bringen, deutlich mehr Fett zu verbrennen - und darauf hoffen, dass er sich hauptsächlich am Bauch bedient.

Bei Männern funktioniert das deutlich leichter als bei Frauen. Männer mit der klassischen "Apfelkörperform" tragen die größte Fettansammlung fast ausschließlich am Bauch. Im Gegensatz zu den Frauen: Evolutionsbedingt weisen die Damen oft eine "Birnenform" auf. Außer am Bauch speichern sie das Fett vorwiegend in den Regionen um Hüfte, Beine und Po. Dass allein Bauchtraining das Bauchfett schmelzen lässt, ist somit nicht haltbar.

Abspecken: gute Chancen

Kleiner Tipp: Die Reihenfolge der Fetteinlagerung wird durch die Erbinformationen, die in unseren Körperzellen gespeichert sind, festgelegt. Meist baut der Körper dort Fett zuerst ab, wo er zuletzt an Umfang gewonnen hat. Überprüfen Sie, an welchen Stellen Sie zuletzt zugelegt haben. Die Chancen, dass es Ihnen gelingt, durch ein gutes Sport- und Ernährungsprogramm dort wieder abzuspecken, sind groß.

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