Bad Kissingen
Infrastruktur

Stillstand beim Radweg

Seit eineinhalb Jahren tut sich nichts im Saaletal. Berlin hat die Brücke am Golfplatz abgelehnt, die Kommunen wurden aber nicht informiert.
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Das Saaletal ist fast durchgehend mit Radwegen erschlossen, lediglich unterhalb von Bad Kissingen klafft eine Lücke: Aufgeschwemmter Schotter und der Umweg um den Golfplatz führen dazu, dass immer wieder Radler auf die Bundesstraße zwischen Euerdorf und Bad Kissingen ausweichen.Ralf Ruppert
Das Saaletal ist fast durchgehend mit Radwegen erschlossen, lediglich unterhalb von Bad Kissingen klafft eine Lücke: Aufgeschwemmter Schotter und der Umweg um den Golfplatz führen dazu, dass immer wieder Radler auf die Bundesstraße zwischen Euerdorf und Bad Kissingen ausweichen.Ralf Ruppert
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Seit gut einem Jahr ist Rüdiger Köhler beim Staatlichen Bauamt für den Landkreis Bad Kissingen zuständig. Auf die Frage nach dem Radweg von Bad Kissingen nach Euerdorf muss er aber erst einmal Akten wälzen. Ergebnis: "Im Februar 2017 gab es ein Treffen, danach sollte es weitere Abstimmungsgespräche geben, aber die haben nie stattgefunden." Das Thema liegt auf Eis. "Es hat aber auch niemand nachgefragt", betont Köhler. "Ich bin bei dem Thema immer hinterher", widerspricht die Euerdorfer Bürgermeisterin Patricia Schießer (CSU).

Aus den Akten liest Köhler, dass sich zumindest das Bundesverkehrsministerium mit dem Radweg beschäftigt hat: "Die Saale-Querung ist zu teuer", fasst er das Ergebnis zusammen. Sprich: Die Brücke unterhalb des Golfplatzes ist gestorben. Köhlers Vorgänger Matthias Wacker hatte die Idee, auf halber Strecke die Saaleseite zu wechseln (siehe Grafik).

Kosten um die 5 Millionen Euro

Auf einen "mittleren einstelligen Millionenbetrag" wäre diese Lösung laut Köhler wohl gekommen. Also irgendwas rund um 5 Millionen Euro, wobei die 130 Meter lange Brücke sicher ein großer Posten geworden wäre. "Dafür fahren dort zu wenige Radfahrer", lautet die Begründung aus Berlin. 38 Radler am Tag im Schnitt seien zugrunde gelegt worden. Woher die Zahl stammt, kann Köhler nicht sagen. Zumindest im Sommer sind dort deutlich mehr Pendler und Touristen unterwegs.

Die Brücke war während eines Behördentermins als Lösung präsentiert worden, auch der bisherige Leiter des Staatlichen Bauamts, Holger Bothe, hatte sich dafür ausgesprochen. Ein Problem: Bothe ist seit kurzem in Ruhestand.

"Wir haben noch keine offizielle Mitteilung", ist Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) überrascht von der neuen Entwicklung. "Um die Lösung haben wir ja lange gerungen", erinnert er an Gespräche unter anderem mit der CSU-Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär, die ja lange als Staatssekretärin um Bundesverkehrsministerium saß. "Ich würde die Brücke nach wie vor begrüßen", kündigt Blankenburg an, möglichst bald Kontakt mit dem Staatlichen Bauamt aufzunehmen.

Noch offene Fragen

Laut Köhler ist jetzt wieder der bestehende Weg als Trasse aktuell, aber: "Aktuell wird nicht weiter geplant." Zunächst müssten nämlich etliche Fragen geklärt werden: Laut Köhler würde der Bund den Bau zwar grundsätzlich zahlen. "Ein Radweg muss die Bundesstraße entlasten, deshalb muss er vorne und hinten angeschlossen sein, aber zwischendurch kann er durchaus abrücken", nennt er als Grundsatz. Aber: Bezahlt werde nur ein 2,50 Meter breiter Weg. Wenn bestehende Feldwege ertüchtigt, also breiter und mit breiterem Randstreifen gebaut werden sollen, müssten sich die Kommunen beteiligen. Was das für die Stadt Bad Kissingen und den Markt Euerdorf genau bedeutet, kann oder will Köhler auf Nachfrage aber nicht sagen.

Außerdem ist der bestehende Weg auch nicht komplett in öffentlichem Eigentum: Ein Abschnitt verlaufe über Privatgrund. Das weiß auch die Euerdorfer Bürgermeisterin Schießer, allerdings kennt auch sie die genauen Grenzen nicht, und: "Soweit ich weiß, ist die Hospitalstiftung Schweinfurt noch gar nicht gefragt worden." Bisher gebe es jedenfalls keine Nutzungsvereinbarung, Schießer vertraut auf die uralte Duldung, denn: "Wir haben ein gutes Verhältnis." Bürgermeisterin Schießer ist von der Nachricht, dass die Brücke vom Tisch ist, enttäuscht. "Die Schleifchen machen den Radweg uninteressant", kommentiert sie die Rückkehr zur aktuellen Trasse. Mehrfach habe sie versucht, Details zur Planung zu erfahren. Allerdings seien sogar die Zuständigkeiten unklar gewesen.

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