Bad Kissingen
Eröffnungskonzert

Sternstunde für den Kissinger Winterzauber

Die Stimmakrobaten von Viva Voce und die Russische Kammerphilharmonie St. Petersburg überzeugten im Max-Littmann-Saal das Publikum.
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Viva Voce traten im Max-Littmann-Saal auf. Foto: Werner Vogel
Viva Voce traten im Max-Littmann-Saal auf. Foto: Werner Vogel
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"So muss ein Eröffnungskonzert sein", sagte Kurdirektorin Silvie Thormann: Im Parkett kein Platz frei, der Balkon voll, eingeschobene Stühle im Grünen Saal, in der Loge, lokale und überörtliche Prominenz. Schöner kann der Winterzauber kaum beginnen, ergänzte Oberbürgermeister Kay Blankenburg. Da hat Bruno Heynen von der der Staatsbad GmbH zum 20. Jubiläum des Winterzauber mit Viva Voce tatsächlich in den Glückstopf gegriffen, denn auch die Vokalartisten aus Ansbach feiern ihr 20. Bühnenjubiläum und haben nicht nur ein eigens für diesen Abend konzipiertes Programm einstudiert, sondern auch die Russischen Kammerphilharmonie St. Petersburg mit Enrique Ugarte mitgebracht.

Eine a-capella Formation, die allein mit ihren fünf Stimmen orchestrale Klangfarben zu zaubern vermag, dazu ein Symphonieorchester, das diese außergewöhnlichen Klänge zudeckt? Hätte schiefgehen können, hätten da nicht mit Enrique Urgate ein einfühlsamer Dirigent und Arrangeur am Pult gestanden und auf der der Vokalseite Jörg Schwartzmanns. Die zurückgenommene orchestrale Begleitung des Musikkabarettprogramms war der Farbtupfer auf der Klangpalette, der dieses Konzert in Erinnerung bleiben lässt. Selten hat man ein so exakt aufeinander abgestimmt und austariertes Zusammenwirken erlebt. Selten auch ein so hingerissenes Publikum.

Eigentlich braucht eine A-cappella Band keine Instrumente. Aber so ausgefeilte Klangfarben gelingen nur, wenn sich außergewöhnliche Stimmen mit Perfektion zusammenfinden. Bei all der frechen Herangehensweise an bekannte Songs, bei allem komödiantischen Talent, der choreographischen Performance, der ausgefeilten Licht und Tontechnik: Jeder einzelne singt einfach großartig und zusammen sind sie ein Erlebnis.

Da kommen fünf top gestylte junge Männer auf die Bühne, jeder Einzelne nicht nur stimmlich ein Original. Da schafft es der 1. Tenor David Lugert als eloquenter Entertainer mühelos, das Publikum in seine Moderationen einzubinden, da ist Bastian Hupfer ein verschmitzt lustiger 2. Tenor mit Hang zu Slapstick. Bass Heiko Benjes gibt mit Stimme und Frisur eine schmälere Ausgabe eines Iwan Rebroff. Mit einer Stimme, mit der selbst das Verlesen von Gebrauchsanweisungen zum Hörerlebnis wird.

Bariton Matthias Hofmann wagt sich an die schwierigen Aufgaben. Er brilliert, wenn es gefragt ist, mit Kopfstimmakrobatik. Jörg Schwartzmanns ist als perfekter Vokal-Perkussionist eine Ausnahmeerscheinung, der eine komplette Schlagwerkbesetzung effizient hörbar macht. Sein "Drummer Solo" löst frenetischen Beifall aus. Ihr exakter Groove und ihre ausgecheckten Beats aber machen sie zu den Pop-Stars der a Cappella Szene.

Pop, Rock, Heavy Metal, Klassik, Schlager, Oper - Viva Voce singen alles, natürlich auch die Instrumente. Aber geht auch Weihnachten? "Ich steh an Deiner Krippe hier", und "Du bist da", das klingt nach fränkischer Dorfkirche, aber sie wären nicht so ausgemacht Schelme, könnten sie's nicht auch ganz anders. Da kommen sie nach der Pause im Smoking und mit Lackschuhen und beginnen mit Humperdincks gehauchtem "Abends, wenn ich schlafen geh". A capella, wie es sich gehört, ohne Orchester. Es ist fränkische Lebensfreude, die auf Weihnachten einstimmt, wenn ein Lied aus ihrer eigenen Feder erklingt: Von Plätzchen wird da gesungen und "...vom Weihnachtsspeck, der kommt sehr schnell und geht schwer weg".

Das Publikum darf sich wünschen, wie Helene Fischers "Atemlos" interpretiert werden soll. Jazz, Reggae und Helenes Text zu Frank Sinatras New York, New York sind im Programm. Da bringt Matthias Hofmann als Entertainer das Publikum zum Toben. Mit einem "Winter Wonderland Medley" kriegen die Sänger nochmals die Weihnachtskurve. Standing Ovation zum Schluss. Da greift sich nach der zweiten Zugabe "Showmaster" David Lugert das Mikro: "Für uns war das heute eine Sternstunde". Für den Winterzauber auch.

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