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Burkardroth
Kommunalpolitik

Sternenpark Rhön: Himmelsschauplatz soll am Waldfensterer entstehen

Der Gemeinderat Burkardroth genehmigte den Plan, am Wanderweg Waldfensterer einen Himmelsschauplatz zu errichten. Die Pflege soll vom Landratsamt übernommen werden. Ärger gab es in der Sitzung bei Bauanträgen.
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Die Rhön gehört zu den wenigen Gebieten mit einem fast natürlichen Nachthimmel. Foto: Archiv: Dr. Andreas Hänel
Die Rhön gehört zu den wenigen Gebieten mit einem fast natürlichen Nachthimmel. Foto: Archiv: Dr. Andreas Hänel

In der jüngsten Gemeinderatssitzung beschäftigten sich die Gremiumsmitglieder mit einer höheren Sphäre - dem Sternenhimmel. Denn die Rhön ist ein anerkannter internationaler Sternenpark. Um den Blick zum Nachthimmel möglichst angenehm zu machen, sollen in der Region mehrere Himmelsschauplätze entstehen. Im Landkreis Bad Kissingen wird es zwei dieser Orte geben. Einer befindet sich in der Nähe des Berghaus Rhön in den Schwarzen Bergen, der andere direkt am neuen Wanderweg "Waldfensterer" im Markt Burkardroth.

"Damit soll den Gästen und Bürgern die Möglichkeit geboten werden, sich kundig zu machen", erklärte Bürgermeister Waldemar Bug (ödp) den Gemeinderatsmitgliedern. Zunächst sei im Jahr 2017 geplant gewesen, das Vorhaben als länderübergreifendes Leader-Projekt zu behandeln, was jedoch nicht möglich gewesen sei. "Das Ergebnis war, dass jedes Land das für sich koordiniert." Die Ausstattung der Plätze soll jedoch einheitlich sein.

Am Himmelsschauplatz oberhalb von Waldfenster ist eine Infotafel vorgesehen, außerdem soll ein Fernglasstativ den Sternenfans den Blick in den Himmel erleichtern. Zudem gibt es eine drehbare Wellenliege und einen Polarsternfinder. "Wenn man da über Kimme und Korn peilt, lässt sich der Polarstern schnell finden", sagte Bug. Zudem gibt es eine bewegliche Himmelskarte. Die komplette Ausstattung für den Schauplatz beträgt etwa 15 000 Euro brutto. Für das Projekt können Leader-Mittel durch den Projektträger beantragt werden. Damit lassen sich 60 Prozent der förderfähigen Nettokosten finanzieren.

Gemeinderat Mario Urschlechter warf die Frage auf, ob eine Zufahrt zum Himmelsschauplatz mit Parkplätzen angedacht sei. "An eine Anfahrt mit dem Auto ist partout nicht gedacht - wenn, dann heißt es rauflaufen", sagte Bug. Der Weg sei auch in der Nacht gut begehbar. Ein anderer Standort, beispielsweise an der Hermannsruh sei nicht geeignet. "Es muss in der freien Fläche sein", betonte Bug.

Für Fragen sorgte außerdem die Pflege, welche die Kommune für den Platz übernehmen soll. Am Berghaus Rhön übernimmt diesen der Landkreis. "Es ist ein schönes Projekt, aber: Warum nimmt das Landratsamt das nicht einfach mit? Am Berghaus geht's ja auch?", fragte der Stralsbacher Gemeinderat Bernd Müller. Das Gremium beschloss die Projektübernahme und die Cofinanzierung einstimmig unter der Bedingung, dass die Pflege - zum Beispiel das Mähen - an den Landkreis geht. "Es ist eine nochmalige Aufwertung der Extratour", meinte Bug.

Auf der Tagesordnung fanden sich außerdem noch mehrere bauliche Aspekte. Ein in Stangenroth ansässiger Unternehmer bekam vom Gremium zunächst seinen Antrag für die Nutzungsänderung einer Abstell-Halle bewilligt. Nun darf seine Firma dort CNC-gefräste Präzisionsteile fertigen. Der Antragsteller war Thema weiterer Tagesordnungspunkte.

In diesem Zuge wurde der Gemeinderat aus dem Zuschauerbereich als "Muppetshow" bezeichnet. Bürgermeister Bug musste mehrfach zur Ruhe mahnen.

Der Mann wollte im Stangenrother Gewerbegebiet neben der oben erwähnten Halle ein Einfamilienhaus mit Doppelgarage bauen. Im Markt Burkardroth ist so etwas allerdings nicht gewollt. "Das ist ein reines Gewerbegebiet", sagte Bug. Bereits im März 2019 veranlasste der Gemeinderat eine Veränderung des Bebauungsplan, um das zu verdeutlichen. Von Behörden kam Zuspruch für das Vorgehen des Marktes. Eine solche Änderung ist im Markt Burkardroth kein Einzelfall: Ähnlich verhielt es sich in den 90er Jahren im Zahlbacher Gewerbegebiet "Am Endweg".

"Der Wohnbau verhindert eine gewerbliche Nutzung", sagte Bug. "Man muss noch berücksichtigen, dass Ausnahmen möglich sind." Denn eine Wohnung innerhalb des Betriebs kann durchaus möglich sein. Aber: "Die Baunutzungsverordnung spricht in dem Zusammenhang allerdings von Wohnungen und nicht von Wohnhäusern." Eine Bauvoranfrage lehnten die Räte im Vorjahr unter anderem wegen obiger Gründe ab.

Im aktuellen Bauantrag lehnte sich das Gremium an den damaligen Beschluss an. Bei der Fläche handele es sich um die momentan letzte Gewerbefläche im Markt. Ein genehmigter Hausbau auf dieser Fläche würde die weitere Entwicklung der Fläche behindern, und das obwohl sich heuer durch den Abbau der 20 KV Freileitung neue Perspektiven für das Gebiet öffnen. Außerdem gebe es in Stangenroth mit der oberen Dick 2 ein neu erschlossenes Baugebiet. Die Argumentation des Unternehmers, dass die Nähe zu seinem Betrieb aus verschiedenen Grünen vorteilhaft sei, änderte nichts an der Grundstimmung des Gremiums, das letztlich den Antrag ablehnte.

Grünes Licht gaben sie dem Firmeninhaber dagegen beim Bau einer Lagerhalle. Auch die restlichen Anträge, wie etwa der Bau einer Terrassenüberdeckung und einer Absauganlage oder einem Wohnhausneubau in Wollbach fanden bei den Räten Zustimmung.

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