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Einbußen bei der Apfelernte: Steigen jetzt die Preise?

In den deutschen Anbaugebieten und auf den heimischen Streuobstwiesen gibt es enorme Einbußen bei der Apfelernte. Das bleibt nicht ohne Folgen.
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Äpfel sind beliebt. Im Jahr 2014 hat jeder Deutsche durchschnittlich rund 25 Kilogramm Äpfel verzehrt. Pro Jahr werden in Deutschland insgesamt etwa zwei Millionen Tonnen Äpfel verbraucht. Ob es heuer weniger sind, bleibt abzuwarten.  Foto: Inga Kjer/dpa
Äpfel sind beliebt. Im Jahr 2014 hat jeder Deutsche durchschnittlich rund 25 Kilogramm Äpfel verzehrt. Pro Jahr werden in Deutschland insgesamt etwa zwei Millionen Tonnen Äpfel verbraucht. Ob es heuer weniger sind, bleibt abzuwarten. Foto: Inga Kjer/dpa
Die Obstbauern der Region sind zufrieden mit der diesjährigen Apfelernte. Ihre Einbußen wegen der Frostschäden vom Frühjahr halten sich in Grenzen (). Bei Familie Schmitt in Reichenbach fällt die Ausbeute sogar besser als in den beiden Vorjahren aus. "Es gibt eine richtig gute durchschnittliche Ernte", fasst Seniorchef Claus Schmitt zusammen. Lediglich die Streuobstwiesen bieten Anlass zur Sorge. "Wir haben im Maintal ziemliche Ausfälle", weiß Martin Degenbeck. Der Fachmann von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Veitshöchheim ist auf der Versuchsplantage der Familie Schmitt in Reichenbach unterwegs. "Wir wollen herausfinden, welche neuen Sorten sich für den Anbau auf einer Streuobstwiese eignen", sagt der Experte. Schließlich gehören solche zum Landschaftsbild in der Region und sollen erhalten werden.

Doch momentan zeigen sich die Streuobstbäume recht unterschiedlich. Manche hängen voller Äpfel. Andere nicht. Als Ursache dafür gelten die Spätfröste vom April. Diese haben viele Blüten zerstört. "Auch könnte es sein, dass wegen der Kälte zu wenige Bienen unterwegs waren, um die Blüten zu bestäuben", fügt Claus Schmitt hinzu. "Es gibt heuer eine relativ schlechte Ernte", bestätigt LWG-Fachmann Degenbeck.

Auch Martin Hofmann, Geschäftsführer der gleichnamigen Kelterei in Nüdlingen, geht davon aus. Sein Betrieb verarbeitet zur Fruchtsaftherstellung Äpfel von Streuobstwiesen aus ganz Unterfranken. Ob nun der Apfelsaft teurer wird, dazu hält er sich bedeckt. "Wir wollen erst die Ernte abwarten", sagt er. Allerdings räumt der Kaufmann ein: "Wenn der Markt in Bewegung kommt, wirkt sich das auch auf die Preise aus."

Deutlich dramatischer als in Franken stellt sich die Situation in den großen Obstanbaugebieten Deutschlands dar. Am Bodensee gehen die Betriebe von einer Ausfallquote von bis zu 90 Prozent aus. "Dort ist die Blüte etwa zehn bis 14 Tage weiterentwickelt als bei uns", sagt Obstbauer Jochen Müller aus Modlos. In Mecklenburg-Vorpommern berichten die Experten von einem Rückgang der Apfelernte um etwa 50 Prozent, in Sachsen rechnen sie mit einem Drittel Verlust. Das ist auf der Internetseite www.proplanta.de des Informationszentrum für Landwirtschaft nachzulesen. In Brandenburg fallen die Schäden ähnlich wie in Franken unterschiedlich aus. In Summe ist nun davon auszugehen, dass die Verbraucher in den Supermärkten und Discountern mit einem kleineren Angebot von Äpfeln aus Deutschland rechnen müssen.

Bei Edeka in Rottendorf ist man zuversichtlich. Zwar sei die Apfelernte 2017 generell deutlich schwächer als in früheren Jahren. Jedoch sind die Anbauregionen unterschiedlich betroffen, schreibt Meike Marschall auf Nachfrage dieser Zeitung. Sie ist Mitarbeiterin im Vorstandssekretariat von Edeka Nordbayern-Sachsen-Thüringen. Das Unternehmen pflege langjährige Lieferantenbeziehungen und könne eine ausreichende Versorgung seiner Kaufleute mit Äpfeln aus Deutschland sicherstellen, versichert Marschall.

In Franken bezieht das Handelsunternehmen Äpfel von verschiedenen Betrieben in und um Dettelbach. "Zur Preisentwicklung können wir jetzt noch keine konkreten Prognosen abgeben", fügt die Vorstandssekretärin hinzu. Auch beim Handelsunternehmen Tegut ist man entspannt. "Derzeit sind wir ausreichend versorgt mit Äpfeln", schreibt Anne Biendara von der Unternehmenskommunikation.

Die ersten Früchte des neuen Erntejahres seien eingetroffen. Lieferanten sind Landwirte aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands und Italiens. Zwar seien sie von Ernteausfällen betroffen. Jedoch fielen diese ja nach Landstrich unterschiedlich aus, so dass Tegut insgesamt mit ausreichend Äpfeln beliefert werden konnte. "Derzeit gehen wir davon aus, dass wir die Preise stabil halten können", blickt Biendara voraus.

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