Laden...
Bad Brückenau
Haus Waldenfels

Stadt Bad Brückenau sperrt Hartstraße für Lkw

Der Hang oberhalb der Großbaustelle für das neue Haus Waldenfels hat sich verschoben. Nun leitet die Stadtverwaltung Vorsichtsmaßnahmen ein: Die Hartstraße wird für Lkw gesperrt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Josef Werner ist ein betroffener Hausbesitzer. Seitdem sich der Hang verschoben hat, klemmt seine Tür und die Schlösser im Keller haben sich verzogen.
Josef Werner ist ein betroffener Hausbesitzer. Seitdem sich der Hang verschoben hat, klemmt seine Tür und die Schlösser im Keller haben sich verzogen.
Der Hang ist in Bewegung, so viel ist sicher. Risse in der Hartstraße oberhalb der Baustelle sind dabei nur ein Zeichen von vielen. Auch die Anlieger klagen über Schäden an ihren Grundstücken. Nun greift die Stadt zu Vorsichtsmaßnahmen, um die Bürger zu schützen. Denn die Risse in der Fahrbahn sind eine Sache. Die darunter liegenden Leitungen eine ganz andere.

"Unter der Hartstraße liegen die Versorgungsleitungen für Strom, Gas und Wasser", erklärt Günter Schneider, Chef der Stadtwerke Bad Brückenau. Auch ein Kanal für Abwasser verläuft dort. "Den Kanal haben wir mit der Kamera befahren. Er zeigt keine große Veränderung", berichtet Schneider. Auch um die Stromleitung, die auf der vom Hang abgewandten Seite der Straße liegt, macht sich Schneider keine Sorgen. Ein kurzzeitiger Stromausfall sei das Einzige, das hier passieren könne, falls sich durch die Erdbewegung eine Verbindung lösen würde.

Die Gas- und die Wasserleitung aber verlaufen auf der Talseite der Straße. "Ein Rohrbruch ist das, was wir jetzt am wenigsten gebrauchen können", sagt Schneider. Der Hang hat durch den Dauerregen sowieso schon viel Feuchtigkeit aufgenommen. Wochenlang sammelte sich das Regenwasser auf der Baustelle in einem kleinen See an. "Das ist nur Oberflächen-Wasser", betonte Heiner Schubert vom Ingenieurbüro WSP bei einer Pressekonferenz am vergangenen Freitag. Inzwischen wurde das Wasser abgepumpt. Nun ist dort nur noch ein Schlamm-Loch.

Bauhof holt die Mülltonnen ab

Nun wollen die Stadtwerke eine provisorische Wasserleitung über der Erde einrichten. Schon heute, Freitag, 21. Juni, sollen die Arbeiten dafür starten. "Vorsorglich werden wir die Bürger bitten, ihr Trinkwasser abzukochen", sagt Schneider. Das Gesundheitsamt habe zwar keine Anweisung dazu gegeben, es solle aber kein Risiko eingegangen werden.

In die Gasleitung wurde gestern schon ein Störungsstopp eingebaut, der die Leitung automatisch verschließt, sollte Gas ausströmen. Schneider berichtet weiter, dass auch jeder Hausanschluss kontrolliert wurde - drei sind unmittelbar betroffen. Dort sollen zusätzlich Kompensatoren angebracht werden.

"Bei allen Kontrollen wurde kein Fehler gefunden", stellt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) klar. Es handele sich ausdrücklich um Vorsichtsmaßnahmen. Und noch eine Maßnahme hat die Stadt ergriffen: Seit vergangenem Freitag ist die Hartwaldstraße für Lkw ab 7,5 Tonnen gesperrt. Das betrifft auch die Müllabfuhr. Bis auf Weiteres holen Mitarbeiter des Bauhofes die Tonnen bei den Anwohnern ab und bringen sie bis 7 Uhr zur Ecke Crailsheimstraße. "Es wäre gut, wenn die Bürger ihre Tonnen schon um 6 Uhr an die Straße stellen würden", bittet Kämmerer Leo Romeis um Verständnis.

Wie lange diese Maßnahmen gelten sollen, weiß niemand so genau. "Das werden wir so lange machen, bis wir wissen, was Sache ist", sagt Meyerdierks. Der Bauherr, die Carl-von-Heß'sche Sozialstiftung, hat am Montag Sofort-Maßnahmen gestartet. Auf der Baustelle werden derzeit 3000 Tonnen Baugrund wieder aufgefüllt. Am Mittwoch sind "weitere geotechnische Erkundungen des Geländes" in Auftrag gegeben worden. "Diese beinhalten Raumkernsondierungen und Kernbohrungen", so die Presseerklärung.

Ergebnisse liegen noch nicht vor

Die Ergebnisse der umfangreichen Messungen liegen noch nicht vor. Mit einer Ausnahme: Die Messung vom vergangenen Freitag, 14. Juni, ergab im Vergleich zur vorigen Messung am Dienstag, 11. Juni, eine Verschiebung von unter einem Zentimeter. Am Montag und am Mittwoch dieser Woche wurde erneut nachgemessen. Von einer dramatischen Verschlechterung der Situation geht Marco Schäfer, Vorstand der Sozialstiftung, nicht aus. "Dennoch bleibt es ernst. Das muss man ganz klar sagen", stellte er fest.

Für die Anwohner ist indes keine Besserung in Sicht. "Bei mir hat sich nichts verändert", sagt Josef Werner. Seine Tür zum Garten klemmt weiterhin, die Schlösser im Keller sind verzogen. Inzwischen haben sich drei betroffenen Hausbesitzer zusammengetan und einen Sachanwalt für Bauschäden eingeschaltet. "Natürlich haben auch wir ein Interesse daran, dass die Sache geklärt wird", sagt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks nachdrücklich. Denn auch die Stadt hat einen Schaden davon getragen. "Erste Priorität hat aber erst einmal die Sicherheit der Bürger."

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren