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Staatsforst bei Waldfenster: Junge Eichenkultur gegen Klimawandel

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) besuchte im Wahlkampf den Staatsforst im Landkreis.
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Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), lässt sich vom Hammelburger Forstbetriebsleiter Daniel Zippert (links) und seinem Bad Brückenauer Kollegen Wolfram Zeller (rechts) die junge Eichensaatkultur bei Waldfenster zeigen. Dahinter von links der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Steffen Hörtler, CSU-Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner und Landrat Thomas Bold (CSU) Foto: Sigismund von Dobschütz
Die bayerische Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), lässt sich vom Hammelburger Forstbetriebsleiter Daniel Zippert (links) und seinem Bad Brückenauer Kollegen Wolfram Zeller (rechts) die junge Eichensaatkultur bei Waldfenster zeigen. Dahinter von links der stellvertretende CSU-Kreisvorsitzende Steffen Hörtler, CSU-Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner und Landrat Thomas Bold (CSU) Foto: Sigismund von Dobschütz
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Um den bayerischen Staatsforst in Gegenwart und in weiter Zukunft ging es am Samstag beim Besuch der bayerischen Agrarministerin Michaela Kaniber (CSU) im Forstrevier Stangenroth. Sie war auf Einladung des CSU-Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner gekommen. Die Forstbetriebsleiter Wolfram Zeller (Bad Brückenau) und Daniel Zippert informierten über die heutige Waldsituation "am nördlichsten Rand Bayerns" und darüber, wie hiesiger Wälder trotz Klimawandel für die Zukunft gesichert werden.

"Förster sind Naturschützer", betonte Zeller. Doch hinsichtlich der fortschreitenden Erderwärmung ergänzte er: "Der Klimawandel bringt die Forstwirtschaft in arge Bedrängnis." Um auch in hundert Jahren noch grüne Wälder zu haben, sind jene Bäume vorzuhalten, die Wärme und lange Dürreperioden leichter überstehen. Während Fachkollegen die Buche vorziehen und anderenorts in Bayern mit südländischen Bäumen experimentiert wird, haben sich Zippert und Zeller für die heimische Eiche entschieden. "Während die anderen Laubbäume jetzt schon braun und rot sind, zeigt die Eiche immer noch ein sattes Grün", verwies Zeller auf das frische Laub der kleinen Bäume. Die Eichensaatkultur bei Waldfenster wurde 2012 angelegt.

"Der Eiche muss man immer helfen", sagte Zippert. Damit die jungen Bäume sich unter bereits älteren Nadelbäumen und Buchen durchsetzen können. "Die Eiche braucht Licht, da muss ich oben viel wegnehmen", verteidigte er die Arbeit der Förster gegen Kritik mancher Naturfreunde. Er versichert: "Unsere Förster machen sich Gedanken." Ständig werden neue Pflanzen, Büsche und Bäume gesetzt - nach Wertschöpfung und Klimatauglichkeit. "Wir pflanzen die Zukunft der Wälder."

"Fast die Hälfte der Landkreisfläche ist Waldboden und die Waldwirtschaft ist der drittgrößte Wirtschaftszweig in Unterfranken", machte Landrat Thomas Bold (CSU) der Ministerin die Bedeutung der Wälder deutlich.

Allein 22 000 Hektar sind Staatswald, die von 100 Beschäftigten der beiden Staatsforstbetriebe verwaltet, bewirtschaftet und gepflegt werden. Der Jahresumschlag liegt laut Zippert bei 220 000 Festmetern, wovon knapp 180 000 an Kunden im Umland, aber auch 20 000 Festmeter nach Österreich verkauft werden. Zippert: "Für uns ein wichtiger Kunde." Bis zu 15 000 Festmeter gehen als Brennholz an regionale Privatkunden. Pro Jahr erwirtschaften die Forstbetriebe Hammelburg und Bad Brückenau etwa 15 Millionen Euro, davon 90 Prozent durch Holzverkauf. Nach Abzug der Personalkosten (sechs Millionen Euro) und anderen Aufwands fließt ein jährlicher Gewinn von etwa 1,5 Millionen aus der Region in die bayerische Staatskasse.

Neben der Waldwirtschaft ist der Naturschutz wichtig. Allein 2 600 Hektar Staatsforst liegen in der Kernzone des Biosphärenreservats Rhön, also weit mehr als die Pflicht von zehn Prozent. Zeller: "Wir sind ein Naturschutz-Kür-Betrieb." Im Gegensatz zu der in der Nationalpark-Diskussion von Naturschützern geforderten Trennung von Wirtschaftswald und Natur- oder Urwald, sieht Zeller die bessere Lösung in der Integration von Naturschutz im Wirtschaftswald.

Dieser Meinung stimmte auch Forstministerin Kaniber zu: "Die Biodiversität ist in einem bewirtschafteten Wald viel intensiver ausgeprägt." Die Beendigung der Nationalpark-Debatte findet sie richtig, "da die Emotionen zuletzt die Fakten überlagerten". Sie sei ohnehin eine Befürworterin des Mottos "Schützen und nutzen."

Kaniber versprach, sich für eine bessere Zusammenarbeit von Staats-, Kommunal- und Privatwald-Eigentümern einzusetzen. Gemeinsames Ziel sei, den Wald in Bayern für die Zukunft "klimaresistent" zu machen. Sie erinnerte an den "Waldpakt", den sie und Ministerpräsident Markus Söder mit den bayerischen Forstverbänden im Juli unterzeichnet haben. "Der Freistaat muss als gutes Beispiel voraus marschieren und jetzt viel Geld in die Hand nehmen."

Mit den beiden Forstbetriebsleitern war sich die Staatsministerin einig, die naturschützende und zukunftsgerichtete Arbeit der Staatsforstbetriebe in der Bevölkerung bekannter zu machen.



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