Bad Bocklet
Bundeswehr

Staatsbad: Letzte Vereidigung Hammelburger Offiziersanwärter

"Mehr als ein Beruf": Auch Berthold Graf von Stauffenberg, Sohn des Hitler-Attentäters, sprach zu den 500 Soldaten
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Hier marschieren die  Offizieranwärter zur Vereidigung. Foto: Sigismund von Dobschütz
Hier marschieren die Offizieranwärter zur Vereidigung. Foto: Sigismund von Dobschütz
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Vor ihren Angehörigen sowie Honoratioren und zahlreichen Zuschauern aus der Region legten am Donnerstag etwa 500 Offizieranwärter im Kurpark des Staatsbades Bad Bocklet ihren Eid und das feierliche Gelöbnis ab, "der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen". Eingeleitet wurde die Zeremonie mit einem Feldgottesdienst und einem Platzkonzert des Heeresmusikkorps Kassel.

"Dieser 19. September wird einen herausragenden Platz in Ihrem Leben und Ihrem Dienst für unser Land einnehmen", begrüßte Bad Bocklets Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU) die 400 Soldaten und 100 Soldatinnen, darunter auch 50 Kadetten aus 18 anderen Ländern. "Schauen Sie nach vorn auf die Verantwortung, die Sie übernehmen."

Festredner: Graf von Stauffenbergs Sohn

Sandwall erinnerte anlässlich des 75. Jahrestages an das 1944 von Claus Schenk Graf von Stauffenberg ausgeführte Attentat auf Adolf Hitler, dessen ältesten Sohn Berthold er als Festredner im Staatsbad willkommen hieß. "Der Name Stauffenberg steht für Mut, Verantwortung und bewusste Selbstlosigkeit." Aufgabe heutiger Bundeswehr-Soldaten sei die Verteidigung der Menschenrechte, der Menschenwürde und der Freiheit. "Dies ist wichtig in einer Welt, die immer intoleranter wird." Die Angehörigen und Gäste bat Sandwall: "Es ist unsere Aufgabe, den jungen Soldaten unseren Respekt zu zollen und sie zu unterstützen." Als Bürgermeister sicherte er den Soldaten die Verbundenheit des Marktes Bad Bocklet zu: "Wir alle sind stolz auf Sie."

Seinen Stolz auf die Offizieranwärter und ihre Ausbilder betonte auch Oberstleutnant Mathias Steiger als Kommandeur des Offizieranwärter-Bataillons 2 in seiner Ansprache. Diese öffentliche Vereidigung sei zwar die letzte eines Hammelburger Offizieranwärter-Bataillons, aber über die Jahre schon zu einer Tradition in Bad Bocklet geworden. Der künftige Weg im Offiziersleben sei spannend und durchaus eine Herausforderung, wandte sich der Kommandeur direkt an seine jungen Soldaten, "aber langweilig wird es nie". Steiger machte ihnen Mut, auf ihrem weiteren Weg Erfahrungen zu sammeln und diese in ihrer Verantwortung über ihnen anvertraute Menschen zu nutzen. "Der Beruf des Soldaten ist kein Beruf wie jeder andere."

Sippenhaft als Zehnjähriger

Dieses Stichwort nahm Berthold Schenk Graf von Stauffenberg (85) in seiner Festrede auf. Zuvor hatte der bereits vor 25 Jahren pensionierte Generalmajor die vor ihm angetretenen jungen Männer und Frauen als "meine jungen Kameraden" begrüßt. Er selbst sei vor 63 Jahren ein solcher Offizieranwärter gewesen, schilderte Stauffenberg seine Anfänge in der 1956 gegründeten Bundeswehr. Der Beruf des Soldaten sei mehr als ein Job. Es sei eine Berufung, deren Ethos und moralischen Grundsätze auch bei Wiedereintritt ins Zivilleben weiter zu bewahren seien.

Als ältester Sohn von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der als Zehnjähriger die Sippenhaft der Nazis erleiden musste, mahnte er die jungen Soldaten getreu ihrem Eid die Bundesrepublik "tapfer zu verteidigen, auch wenn es zum persönlichen Nachteil gereicht". Er erklärte, "Hitler und seine Kumpane" hätten damals dem deutschen Volk die Ehre genommen. Sein Vater und dessen Mitverschwörer hätten sich im vollen Bewusstsein, gegen die damalige Mehrheit der Deutschen zu handeln, gegen das Nazi-Regime erhoben, um diese Ehre zurückzugewinnen. "Es ging ihnen darum, das moralische Ansehen des deutschen Volkes vor anderen Nationen und vor Gott wieder herzustellen."

Zuvor hatte Janka Elisa Oettle (Obergefreite OA) als Sprecherin aller 500 Offizieranwärter gesagt, es sei für sie ein Privileg, für Frieden und Freiheit in Deutschland dienen zu dürfen. "Offizier der Bundeswehr ist mehr als ein Beruf." Man müsse "Vorbild in eigenständigem Denken und Handeln" sein und trage Verantwortung für das Leben anderer und für das ganze Land. "Wir stehen hinter den Werten der Demokratie und stehen für sie ein", versicherte die junge Offizieranwärterin.

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