Aus Holz. Schon fast eine Rarität. "Die können schon 30 Jahre oder mehr alt sein", sagt Elmar Röhlinger. Überkreuz hängen zwei betagte Schläger über der Eingangstür des Münnerstädter Vereinsheimes. Wer die Schläger einst in Händen hielt, weiß Elmar Röhlinger nicht. Der Münnerstädter benutzt selbstverständlich ein zeitgemäßes Modell. Elmar Röhlinger ist 62 Jahre alt. Und steht vielleicht wie kein Zweiter für Tennis in Münnerstadt.
Montagnachmittag. Die gut gepflegten Plätze machen Lust auf eine Partie. Denkt sich auch Röhlinger, der sich mit Alexander Koch auf ein Match verabredet hat. Einfach so. Weil's Spaß macht. Platz ist auf dem Gelände. Quasi im Hinterhof des schmucken Sportzentrums auf dem Karlsberg. Von dort kommt Lärm. Die Fußballjugend trainiert. Mehrere Gruppen teilen sich den Platz. Auch die Leichtathleten drehen ihre Runden. Hochbetrieb.
Der Belegungsplan im Vereinskasten der Tennis-Abteilung ist eher dünn mit Namen und Zeiten versehen. Lothar Herbst und Guido Rose kennen das. Beide sind Teamkollegen von Röhlinger, spielen ebenfalls locker ein paar Bälle. Team-Training ist eigentlich am Freitag. Aber es ist ja Platz.

"Das Ende des Tennis-Booms hat sich natürlich auch in Münnerstadt bemerkbar gemacht. Vor allem an Nachwuchs mangelt es. Für viele steht nur noch das Gemütliche im Vordergrund" , sagt Guido Rose. Für den 47-Jährigen ist Tennis ein Ausgleich. Aber der Ehrgeiz wird nicht weniger, was Lothar Herbst gerne bestätigt. "Ich spiele gerne. Aber wenn ich spiele, will ich auch gewinnen." Sagt ein 57-Jähriger. Das Alter spielt irgendwann keine entscheidende Rolle. "Oft sind die älteren sogar die besseren Spieler. Zwischen 40 und 50 gibt es im Leistungsvermögen keinen großen Unterschied", spricht Rose auch aus eigener Erfahrung. Lothar Herbst ist die Nummer eins im Team, Röhlinger die Nummer zwei.

Sonst war Röhlinger die Eins. Was nicht verwundert. Der 62-Jährige spielt seit über 30 Jahren Tennis, hat die Figur eines Athleten, ist durchtrainiert. Hat früher auch Fußball gespielt. In Altersteilzeit ist der gebürtige Münnerstädter mittlerweile, auf dem Court aber zu 100 Prozent da. Röhlinger schließt sich Rose an. Vermisst Stars wie Becker, Stich und Graf, die den weißen Sport auch in die Tennis-Diaspora brachten. Auch dank der Medien. Heute läuft Wimbledon in Sparten- oder Bezahlsendern.

Früher hatte die Tennis-Abteilung in Münnerstadt über 200 Mitglieder, aktuell sind es immerhin noch etwa 150. Aber nur 37 davon sind Kinder. "Zwei Mürschter Talente spielen jetzt in Schweinfurt", bedauert Röhlinger. "Dabei haben wir eine wunderbare Anlage mit vier Plätzen und einem tollen Vereinsheim." Röhlinger erinnert sich noch an die Anfänge, als ein Blech-Container als Regenschutz und Umzieh-Möglichkeit diente. Geschafft wurde viel in all den Jahren. Eigenleistung wird groß geschrieben. Jedes aktive Mitglied hat im Jahr sechs Arbeits-Stunden abzuleisten. Parallel zum Vereinsbeitrag wird ein Abteilungsbeitrag erhoben. Man will dem Hauptverein nicht auf der Tasche liegen. Ist stolz darauf, autark zu sein.

Simona weiß von alldem nichts. Simona ist neun Jahre alt. Und steht für die neue Generation. Die Tochter von Guido Rose schaut natürlich gerne dem Papa zu. Aber viel lieber schwingt sie selbst den Schläger. Wie auch ihre Schwestern Alicia und Patricia. "Die Kinder sind vom Training ganz begeistert. Die Trainer vorher haben das auch gut gemacht. Aber von neutralen Personen nimmt man doch eher mal was an. Es haben sich jedenfalls viele Kinder angemeldet." Erzählt mit Sabine Rose die Mutter. Und spricht von den neuen Coaches, die auch unten in Maßbach Stunden anbieten. Der Marokkaner Rachid Kossih und die Argentinierin Belen Salvatierra, ehemalige Nr. 19 ihres Landes, üben mit dem Münnerstädter Nachwuchs. Die Verständigung funktioniert trotz der Sprach-Barriere.

"Ich spiele hier mit meiner Zwillingsschwester, mit Schulkameraden und meiner besten Freundin. Die Trainer sind sehr nett. Wir haben uns alle schnell angefreundet", verrät Simona. Die Kinder haben einmal die Woche Teamtraining mit maximal vier Kindern, unterteilt nach Alter und Leistung. Auch Einzeltraining ist möglich. "Die Eltern sind sehr angetan. Aber zugeschaut wird eher selten. Das macht die Kinder doch nur nervös", weiß Sabine Rose, die Tennis in Münnerstadt auch für sich entdeckt hat, auf Hobby-Basis. "Hier macht es Spaß. Die Plätze sind gut in Schuss und das Gemütliche kommt auch nicht zu kurz."

Drei Trainingseinheiten hatte Simona erst. Tennis spielt die Neunjährige seit vier Jahren. Und will sich möglichst schnell verbessern. "Wir üben jetzt den Aufschlag. Und ich würde gerne die Bälle besser treffen und so schnell laufen können wie meine ältere Schwester." Motivierte Kinder und Jugendliche braucht der TSV Münnerstadt. Es darf ruhig etwas lauter zugehen auf dem Hinterhof des Sportzen trums. Die Holz-Schläger über dem Vereinsheim erinnern an die Vergangenheit. Die Zukunft ist aus Fleisch und Blut.