Ramsthal
Laufsport

Schwere Beine und ein Kavalier bei Saaletal-Lauf

Beim 10. Saaletal-Marathon des SV Ramsthal bleiben die Jubiläums-Rekorde aus. Dafür macht eine unfreiwillige Streckenänderung selbst den Profis zu schaffen.
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365 Sportler nahmen beim 10. Saaletal-Marathon des SV Ramsthal teil - trotz des Jubiläums ein durchschnittlicher Wert.ssp
365 Sportler nahmen beim 10. Saaletal-Marathon des SV Ramsthal teil - trotz des Jubiläums ein durchschnittlicher Wert.ssp
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Drei Grad zeigte das Thermometer am Samstagmorgen, als die Läufer gut gelaunt antraten zu ihren Strecken beim 10. Saaletal-Marathon des SV Ramsthal. Später rieselten gar ein paar Schneeflocken zur Erde. Es war ein kühles Jubiläum ohne sportliche Rekorde. Doch die Geschichten, die so ein Rennen unverwechselbar machen - die gab es wieder.

Die Marathon-, Halbmarathon- und Zehn-Kilometer-Läufer waren schon ein paar Minuten weg, da schauten sich einige Zuschauer verwundert an. Stand da wirklich eine Frau mit Kinderwagen im Pulk für den 4,2-Kilometer-Hobbylauf?

Sie sahen richtig: Es war Martina Schwehla von der TG Kitzingen. Sie lief ihren 20 Monate alten Sohn "spazieren". Wie sie nach dem Rennen berichtete, lag das an einem "Betreuungsproblem": "Die Oma hat schon die ganze Woche gebabysittet. Da wollten wir sie heute mal entlasten." Die Strecke an sich sei auch mit Kinderwagen gut zu bewältigen gewesen. Nur ein Stück Feldweg habe sich als leicht hinderlich herausgestellt. Der kleine Sohn erlebte den Hobbylauf gut eingepackt und schlafend. "Er soll den Bambini-Lauf mitmachen, wenn er ausgeschlafen hat", sagte Martina Schwehla augenzwinkernd.

In etwa zur selben Zeit wie die Schwehla erreichte Verena Ibel vom RV Viktoria Wombach das Ziel - die Siegerin der 10 Kilometer. Die Kälte machte ihr wohl nichts aus; sie trat in kurzen Hosen an. Obwohl sie am Morgen am Fenster Schneeflocken gesehen hatte.

Die unterfränkische Meisterin von 2015 hatte eigentlich den Halbmarathon angepeilt. Doch weil ihr schon der Heuschnupfen zu schaffen macht, wählte sie lieber die kürzere Strecke, verriet Ibel dem Moderator der Veranstaltung, Jürgen Kunkel. "Es ist immer wieder toll, hier zu laufen."

Zum ersten Mal Halbmarathon probierte Timo Kaiser aus, Mittelfeldspieler beim SV Ramsthal in der Kreisliga. Und das, obwohl er tags zuvor noch eine Fußball-Trainingseinheit absolviert hatte. "Ich hatte schon schwere Beine beim Loslaufen; aber die ersten zehn Kilometer lief es gut. Doch als es dann im Wald 50 Meter hochging, haben mir die Oberschenkel gebrannt", berichtete der 26-Jährige, der in der Saisonvorbereitung maximal zehn Kilometer am Stück läuft.

Auf der "Platte" ging es für Kaiser besser. "Doch am Schluss - zwischen Euerdorf und Ramsthal - war es mit Gegenwind wieder sehr schwer. "Ich hätte keinen Kilometer länger durchhalten können. Das war mit das Anstrengendste, was ich je gemacht habe." Trotzdem: Mit seiner Zeit von 1:36:44 war der Fußballer sehr zufrieden. Immerhin wurde er beim Halbmarathon insgesamt Elfter; er will wieder teilnehmen.

Der unumstrittene Sieger dieser Disziplin hieß Markus Unsleber. Erstaunlich: Auch der Langendorfer, der schon mehrfach beim Ironman auf Hawaii teilnahm, hatte unerwartet Schwierigkeiten mit dem Kurs. Der für den TV/DJK Hammelburg startende Athlet hatte den Streckenrekord von Matthias Krah (1:16:47) im Kopf, als er loslief.

Doch die Organisatoren hatten eine Streckenänderung eingebaut, weil bei Arnshausen eine Holzbrücke gesperrt ist. Und der steile fiese Anstieg kurz vor Ende des Rennens kostete Unsleber Körner. "Ich habe es dann auslaufen lassen, als ich gemerkt habe, dass es mit dem Rekord nichts wird." Unsleber kam mit 1:18:25 fast zwei Minuten hinter dem Rekord an.

Nichts zu tun mit derartigen Zeiten bekam Edeltraud Wiesenhütter. Die 75-Jährige machte sich mehr oder weniger allein auf die Zehn-Kilometer-Strecke. "In meiner Altersklasse startet ja kaum einer mehr." Doch mitten auf der Strecke stieß ein unerwarteter Begleiter zur Arnshausenerin. Klaus Kemmer war als Streckenposten eingeteilt. Er hatte quasi die Rote Laterne für den 10er-Lauf inne, sollte darauf achten, dass keine Läufer auf der Strecke zurückbleiben.

Kemmer kennt Wiesenhütter von einem Lauftreff. Er fing die 75-Jährige auf der Route ab, begleitete sie die letzten 7,5 Kilometer ins Ziel. "Das Wichtigste für mich ist anzukommen. Schade, dass in meinem Alter nur noch wenige bei so einem Lauf mitmachen."

Den Marathon gewann Frank Steinbrenner. Er freute sich "wie ein Schnitzel". Denn für den 42-Jährigen war es der Premierensieg in der Königsdisziplin. In einer Zeit von 3:15:27 Stunden, die zwar weit weg war vom Streckenrekord von Markus-Kristan Siegler (2:41), was den Baden-Württemberger aus Möckmühl in der Nähe von Heilbronn nicht störte. Zumal die Bedingungen mit Wind und kühlen Temperaturen keine einfachen waren. "Vor allem der zweite Teil der Strecke war mental sehr fordernd. Und ich bin einfach nicht gewohnt, soweit vorne zu laufen. Das hat mich aus dem Rhythmus gebracht, weil ich teilweise viel zu schnell gelaufen bin und das Denken über einen möglichen Erfolg angefangen habe."

Zum fünften Mal startete Frank Steinbrenner als Vorbereitung auf den Rennsteiglauf in Ramsthal, "weil ich hier immer gute Bekannte treffe und die Veranstaltung sehr familiär ist. Ich wollte gut durchkommen; mit einem Sieg habe ich überhaupt nicht gerechnet."

Von 365 Startern berichtete Organisatorin Karin Schmitt nach der Anmeldung, die Bambinis nicht mitgezählt. Ein über Jahre gesehen durchschnittlicher Wert; vergangenes Jahr seien 500 Teilnehmer angetreten.

Was Schmitt enttäuschte, waren die nur 37 Sportler, die auf die Marathon-Distanz gingen. In den Vorjahren waren es stets 70 bis 100. Einen Grund für die geringe Teilnahme konnten weder sie noch einige befragte Laufprofis nennen. Sowohl beim Mühlfelder Grenzlauf als auch beim Würzburger Residenzlauf seien die längsten Strecken zehn Kilometer lang. Und Marathonläufer planten ihre Teilnahme wegen der langen Vorbereitungszeit selten kurzfristig.

Schmitt überlegt nun, die Marathonstrecke künftig nicht mehr anzubieten. Bedeute sie doch einen großen Aufwand an Organisation und Personal. Da stimme das Verhältnis zum Nutzen nicht mehr.

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