Hammelburg
Volleyball

Zuspieler Krochmann hat großes Potenzial

Der 19-jährige Hannes Krochmann hat bei den Hammelburg Volleys eine tragende Rolle übernommen. Für Trainer Kaden ist seine Entwicklung lange nicht am Ende.
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Hannes Krochmann ist als Zuspieler ein zentraler Teil des Teams der Hammelburg Volleys. Hier serviert er für den zum Sprung ansetzenden Mannschaftskameraden Luca Dierks, der gemeinsam mit ihm vor der Saison aus dem Frankfurter Volleyball-Internat kam.Jens Feistel
Hannes Krochmann ist als Zuspieler ein zentraler Teil des Teams der Hammelburg Volleys. Hier serviert er für den zum Sprung ansetzenden Mannschaftskameraden Luca Dierks, der gemeinsam mit ihm vor der Saison aus dem Frankfurter Volleyball-Internat kam.Jens Feistel

Regisseur, Dirigent, Strippenzieher: Die Synonyme für den Ballverteiler im Offensivzentrum sind vielfältig; im Regelwerk steht Zuspieler. Wie wichtig die Position ist, zeigte ein Meister beim Auswärtsspiel der Hammelburg Volleys eindrucksvoll: Torben Tidick-Wagner. Der Mainzer war Garant für den deutlichen Erfolg seines Teams. Doch auch die Volleys besitzen einen Denker und Lenker: Hannes Krochmann. Der trägt selbstbewusst die Nummer 1 auf dem Rücken.

Zugegeben: Ein Vergleich beider Spieler würde hinken. Krochmann ist keine 35, sondern gerade mal 19 Jahre alt und gehört sicher noch nicht zur Elite seiner Zunft. Noch nicht.

Doch gemein haben beide, dass sie als Zuspieler in der Regel mehr Ballkontakte haben als ihre Mitspieler, den größten Laufweg absolvieren und auf dem Feld am meisten taktisch kommunizieren. Krochmann tut dies mit Handzeichen,versteckt hinter dem Trikot, so dass es der Gegner nicht sehen kann.

Krochmann übernahm das Zuspielzepter vor der Saison von den beiden Routiniers Bruno Simunic und Aldin Dzafic. Letzterer zog drei Jahre die Fäden im Hammelburger Offensivspiel. Groß war sie also, die Verantwortung, der sich der gebürtige Oldenburger gegenüber sah. Allzugroßer Respekt war für den 19-Jährigen ein Fremdwort, vielmehr war es Vorfreude auf die Herausforderung, erstmals ein Bundesligateam zu führen. "Ich freue mich auf die Verantwortung und dem Offensivspiel meines Teams wichtige Impulse geben zu können", so Krochmann vor der Saison. Beim Volleyball-Internat Frankfurt, von dem er gemeinsam mit Luca Dierks und Nils Rehmeier an die Saale kam, war er "halb Zuspieler, halb Libero". "Als Zuspieler lenkt man das Spiel und kann größere Impulse setzen als beispielsweise der Libero. Da ich selbst sehr lange Libero gespielt habe, kenne ich das Gefühl, mehr Einfluss auf das Spiel haben zu wollen, aber es einfach nicht zu können", erklärt der Steller, der das Kreativ- dem Defensivsein vorzieht. 

Dass dem so ist, sehen die Hammelburger Zuschauer bei jedem Heimmatch. Krochmann brennt für das Spiel und durchlief in der Rolle des Dirigenten eine bemerkenswerte Entwicklung. Sein Trainer Karl Kaden hat daran großen Anteil: "Karl vertraut mir und genauso vertraue ich ihm. Er ist super kompetent und die Art, wie er mit uns Spielern umgeht, ist klasse. Zudem akzeptiert er - oder besser erträgt geduldig, dass ich eben jemand bin, der gerne auch mal diskutiert", sagt Krochmann schmunzelnd.

Sein Trainer sieht die Entwicklung seines Schützlings positiv, aber noch lange nicht am Ende: "Hannes ist ein großes Talent und ein Zuspieler mit sehr viel Entwicklungspotenzial. Was er noch lernen muss, ist akribisch an sich zu arbeiten. Zusammen mit einer kleinen Portion mehr an Disziplin, kann aus Hannes ein sehr guter Zuspieler werden. Der Weg dahin ist geebnet". 

Wenn Krochmann nicht trainiert und das tut er viermal pro Woche, ist er im Fitnessstudio oder lässt sich im Würzburger Gesundheitszentrum durchchecken - regelmäßig. Wie viele seiner Mitspieler wohnt er in Würzburg, "eine geile Stadt, in der du überall mit dem Fahrrad hinkommst".

Sportwissenschaft und Pädagogik studiert Krochmann dort. "Ob ich wirklich Lehrer werden möchte, weiß ich nicht, da ich selbst aus einer Lehrerfamilie komme", fügt er augenzwinkernd hinzu.

Krochmann ist angekommen in Hammelburg, fühlte sich vom ersten Probetraining an pudelwohl. "Die Fans, die Mannschaft und der Trainer haben genau dafür gesorgt". Der Wohlfühlfaktor ist ihm auf dem Feld zumindest anzusehen. Vielleicht ist er nicht der lauteste Spieler, aber einer, der durch positive Körpersprache auffällt. Immer mit einem Lächeln, oft ein motivierendes, für seine Mitspieler.

Am heutigen Samstagabend freut sich Krochmann auf Meister Grafing, sagt forsch, dass "es in den Tie-Break geht" und bleibt doch bescheiden und dankbar, das Volleys-Trikot als Zuspieler tragen zu dürfen: "Ich schätze mich glücklich, dass mein Weg mich nach Hammelburg geführt hat."

Der Gegner Mit dem TSV Grafing (2./23) kommt der Meister in die Saalestadt. Ihr Motto "Fighting bayrisch" untermauern die Jungs von Trainer Alexander Herzareh bisher eindrucksvoll. Auch wenn man als Meister traditionell zu den Gejagten gehört, sind die Grafinger Bären noch immer hungrig und alles andere als titelmüde. Dass sie den Titel verteidigen möchten, unterstrichen die Grafinger personell und verpflichteten mit Benedikt Doranth, Michael Wehl und Jan Wenke gleich drei erstligaerfahrene Spieler vom TSV Herrsching.

Die Lage vor dem Spiel Den einzigen Ausrutscher in der laufenden Saison erlaubten sich die Grafinger vor Wochenfrist gegen die TG Rüsselsheim. "Warum auch immer", rätselt Hammelburgs Headcoach Karl Kaden über die Niederlage, der für das heutige Spiel jedoch eine eindeutige Prognose hat: "Grafing muss gegen uns eigentlich mit 3:0 gewinnen; alles andere wäre eine große Überraschung".

Der Kader der Volleys Ärgern möchten die Volleys (6./13) den Meister natürlich trotzdem, zumal man wieder ein grandioses Heimpublikum im Rücken haben wird. Bei den Saalestädtern werden erneut die beiden Jugendspieler Lukas und David Baden auflaufen, die in den Bundesligakader aufgerückt sind.



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