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Münnerstadt
Geschichte im Bild

Zum Aufstieg des FC Schwärzelbach kamen die Haare ab

Der FC Schwärzelbach feierte vor 25 Jahren in der Relegation zur A-Klasse Nord den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte. Gegner TSV Reiterswiesen musste dabei einen besonderen Hammer schlucken.
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Die Entscheidung: Kurz zuvor hatte Ralf Kohlhepp (Mitte, auf dem Rücken liegend) zum 2:1- Endstand eingelocht. Schon zu diesem Zeitpunkt feierten Oliver Scholz sowie Andy Danz (links) und Jürgen Müller (rechts) gemeinsam mit dem Torschützen den Aufstieg.  Foto: Peter Rottmann
Die Entscheidung: Kurz zuvor hatte Ralf Kohlhepp (Mitte, auf dem Rücken liegend) zum 2:1- Endstand eingelocht. Schon zu diesem Zeitpunkt feierten Oliver Scholz sowie Andy Danz (links) und Jürgen Müller (rechts) gemeinsam mit dem Torschützen den Aufstieg. Foto: Peter Rottmann
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Das Jahr 1995 - Steffi Graf holt ihren sechsten Titel in Wimbledon, Christo verhüllt den Reichstag und "Take That" stehen mit "Back for Good" an der Spitze der deutschen Charts. Wenn man die Schwärzelbacher nach diesem Jahr befragen würde, käme ihnen vermutlich ein ganz anderes Ereignis in den Sinn.

Der FC feierte vor 25 Jahren mit dem Aufstieg in die A-Klasse Nord den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte. Spielertrainer Gottfried Gerlach und Stürmer Ralf Kohlhepp erinnern sich an das entscheidende Relegationsspiel gegen den TSV Reiterswiesen.

Spiel um die Meisterschaft

Zu diesem Showdown in Thulba hätte es nicht kommen dürfen. Das glaubt zumindest der heute 52-jährige Ur-Schwärzelbacher Ralf Kohlhepp. "Wir haben die Meisterschaft in den letzten zwei Rundenspielen vergeigt. Ein Punkt hätte uns gereicht."

So ging es ins Entscheidungsspiel um die Meisterschaft gegen den TSV Münnerstadt, in dem die Gerlach-Schützlinge in Eltingshausen mit 1:3 den Kürzeren zogen. Es folgte das erste Relegationsduell mit dem SV Niederlauer in Garitz. Durch einen 2:0-Erfolg per Doppelpack von Angriffsjuwel Andy Danz sicherte sich der FC die Teilnahme am Endspiel gegen den TSV Reiterswiesen, der gegen den Abstieg kämpfte.

"Wir hätten damals vom Leistungsniveau niemals in die Relegation geraten dürfen", blickt Reiterswiesens Spielertrainer Peter Kunkel zurück. Der 65-jährige gebürtige Gerolzhöfer, der seit 25 Jahren in Ebenhausen lebt, ist heute noch emotional geladen angesichts einiger "Disziplinlosigkeiten" und "dummer Fehler" seiner Mannschaft.

Vor 1200 Zuschauern am Thulbaer Sportgelände stellte Schwärzelbach "über 90 Minuten das spielstärkere und technisch versiertere Team", wie diese Zeitung damals berichtete.

Beim Spielstand von 1:1 nach Toren von Schwärzelbachs Armin Wahler und Reiterswiesens Oliver Keidel erfolgte die spielentscheidende Szene. In der 68. Minute packte Schwärzelbachs Spielertrainer Gottfried Gerlach einen seiner gefürchteten Freistoßhämmer aus. "Ich konnte schon ziemlich stramm schießen", schmunzelt der 60-jährige Untererthaler. TSV-Keeper Oliver Vogel konnte den 35-Meter-Strich nicht festhalten. "Da hat er sich vergriffen", bringt es Peter Kunkel auf den Punkt.

Die Heimatzeitung schilderte die folgenden Sekundenbruchteile folgendermaßen: "Wie das Kaninchen auf die Schlange starrte der Torhüter gebannt auf den heraneilenden Ralf Kohlhepp." Dieser konnte per "Bilderbuchabstauber" zum 2:1-Siegtreffer einschieben. "Nach dem Gegentor waren die Jungs konsterniert, da lief nicht mehr viel zusammen", erinnert sich Peter Kunkel.

Kein Friseur mehr nötig

Somit war der größte Erfolg der Schwärzelbacher Vereinsgeschichte perfekt. Die anschließenden Feierlichkeiten sind für Ralf Kohlhepp unvergessen: "Es ging mit Musik durchs Dorf. Vorneweg lief mein Opa, der langjähriger Vorstand des FC war. Dann wurden alle Spieler kurz rasiert." Daran kann sich auch Gottfried Gerlach gut erinnern: "Nur bei der Geburt hatte ich kürzere Haare, danach brauchte ich ein halbes Jahr lang keinen Friseur."

Ralf Kohlhepp kickte bereits als Zehnjähriger für Schwärzelbachs Jugend und bezeichnet die 1995er-Mannschaft als "das Beste, was wir hier je hatten. Einen riesigen Anteil an unserem Erfolg hatte auch Roland Eusemann, der viele Jungs des Teams in der Jugend geformt hatte", so Kohlhepp, dem auch die negativen Folgen des Erfolges klar sind. "Der Fokus lag Mitte der 1990-er eindeutig auf der 1. Mannschaft; die Jugendarbeit wurde vernachlässigt."

Den Weggang von Torjäger Andy Danz nach der Aufstiegssaison konnte die Mannschaft nicht kompensieren, sodass es im Folgejahr direkt wieder runterging. Im Jahr 2001 kam es zur Fusion mit Reith.

Gerne erinnert sich Kohlhepp an ein Benefizspiel der "alten Recken von 1995" gegen die SG Reith/Schwärzelbach: "Das müsste 2009 oder 2010 gewesen sein. 5:0 haben wir Oldies gewonnen. Das war schon beeindruckend." Heute ist Schwärzelbach Teil der SG mit Hassenbach, Reith und Oberthulba II.

Für Peter Kunkel stand vor dem Relegations-Endspiel der Weggang aus Reiterswiesen zum VfR Sulzthal fest. Zehn Jahre später übernahm er den TSV ein weiteres Mal. "2007 habe ich dort meine Karriere als Spielertrainer nach einer schweren Verletzung beenden müssen. Kontakte nach Reiterswiesen habe ich bis heute noch einige."

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