Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

"Weltpremiere" und ein Sieg in der Saaletalhalle

Die Hammelburg Volleys vergeben gegen den VC Gotha gleich acht Matchbälle, aber immerhin zwei Punkte bleiben an der Saale nach einem Spiel mit Überlänge.
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So geht Block: Eine Wand bilden die Hammelburger (von links) Moritz Rauber, Nils Rehmeier und Golden-MVP Laurentiu Vinatoru gegen den Gothaer Robert Werner. Foto: Jens Feistel
So geht Block: Eine Wand bilden die Hammelburger (von links) Moritz Rauber, Nils Rehmeier und Golden-MVP Laurentiu Vinatoru gegen den Gothaer Robert Werner. Foto: Jens Feistel

Hammelburg Volleys - VC Gotha 3:2 (23:25, 25:15, 25:18, 30:32, 15:8).

Der Trainer in kurzen Hosen und im Trikot. Mehr symbolische Nähe zur Mannschaft geht ja eigentlich nicht. Dieser Cornel Closca ist ein Übungsleiter, der den Gemeinsinn vorlebt. Gerne von "Familie" spricht, weil zu einer funktionierenden Mannschaft eben nicht nur die Spieler gehören. Ein sympathischer Ansatz, der an der Saale ankommt. Und eine gesunde Basis ist für starke Leistungen. Diese wird es brauchen im Kampf um den Klassenerhalt.

Umso verblüffender, was die neu formierte Truppe da auf dem Feld abliefert. Nach dem Sieg in Kriftel gab es mit dem unerwarteten Tiebreak-Erfolg über den VC Gotha zwei weitere Zähler fürs Punktekonto. Deren drei hätten es sogar sein müssen, denn im vierten Satz vergaben die Hammelburger unglaubliche acht (!) Matchbälle. "Wir haben eine junge Mannschaft. Die angestoßenen Prozesse dauern. Aber es hat sich schon jetzt ausgezahlt, dass wir viele Spiele in der Vorbereitung hatten und Wert auf Homogenität legen", sagt Closca.

Das Publikum ist sofort da

Eine Aufwärm-Phase braucht dieses Hammelburger Publikum nicht. Von den ersten Ballwechseln an, wurde jeder Punkt von den knapp 600 Zuschauern abgefeiert. Und davon gab es reichlich. Oscar Benner zum 8:6, Moritz Rauber zum 10:7. Der Weg zum ersten Satzgewinn schien bereitet, aber die Thüringer sind halt auch keine Laufkundschaft. Beim 18:17 führte erstmals Gotha, das ab dem 22:22 nicht mehr zu stoppen war. Übrigens angefeuert von einigen mitgereisten Fans, was das Stimmungsbarometer zusätzlich steigen ließ.

Der zweite Satz geriet zur Hammelburger Demonstration der Stärke. Auf den Rängen wurde gestaunt und um die Wette geklatscht ob dieser Performance. Über 8:5 und 16:9 wurde der erste Heimspiel-Satzgewinn eingetütet. Mit einigen Sahnestücken wie dem Trickball von Laurentiu Vinatoru. Eine coole Socke ist der neue Zuspieler - und ein exzellenter Anführer für die Hammelburger Rasselbande.

Jung sind die Spieler immer noch, aber eben auch ein Jahr älter und damit erfahrener geworden. Wie die beiden Mittelblocker Luca Dierks und Niels Rehmeier, die ihre Körpergröße immer selbstverständlicher zu Punktgewinnen nutzen. Oder Moritz Zeitler, der an diesem Abend mit gewitzten Bällen, aber auch starkem Blockspiel überzeugte. Selbstbewusste Burschen um ihren neuen Kapitän Oscar Benner, der nicht nur als "local hero" eine Schlüsselposition in diesem Team einnimmt zusammen mit Moritz Rauber. Auf deren Schultern aber eben nicht die alleinige Verantwortung liegt.

Mit der Verpflichtung von Adrian Zych als Abwehrchef haben die Saalestädter ebenfalls einen guten Fang gemacht. Die Verteidigungskünste des Polen machten das Spiel der Gastgeber auch im dritten Satz rund. Der vierte Abschnitt geriet zum Nervenspiel. "Letztendlich muss man sagen, dass wir einen Punkt gewonnen haben bei den vielen Matchbällen gegen uns. Für die Zuschauer war das sicher ein tolles Spiel, in dem beide Teams kämpferisch überzeugt haben, aber sicher auch besser spielen können", bilanzierte Jonas Kronseder, der ebenfalls ein sehr junges Team anleitet. "Unser ältester Spieler ist 31, der zweitälteste 23", so der VC-Coach. Stärkster Angreifer der Thüringer ist sicher Erik Niederlücke. Der 2,05 Meter-Mann mit Erstliga-Erfahrung war der verlässlichste Punktesammler der Gothaer, die im vierten Satz bei den vielen abgewehrten Matchbällen eine erstaunliche Abgeklärtheit an den Tag legten. Freilich auch Glück hatten, dass der Gegner zu viel liegen ließ. "Danach war es fast klar, dass die Energie runter geht", analysierte Kronseder den Tiebreak, den sich die Hammelburg Volleys in souveräner Manier sicherten.

Eine "Weltpremiere"

"Ich vertraue meinen Spielern. Wir gehen weiter Schritt für Schritt auf unserem langen Weg. Und ich kann unseren Fans versprechen, dass auch jene Spieler noch kommen werden, die diesmal nicht zum Zug kamen", sagte Cornel Closca. Die Familie, sie hält zusammen in Hammelburg. Und zeigt all denen eine lange Nase, die hinter den Kulissen schon den Abgesang auf Zweitliga-Volleyball an der Saale anstimmten. Stattdessen gab es eine von Hallensprecher Olly Wendt angekündigte "Welt-Premiere" vor dem Spiel mit einem eigens für die Volleys komponierten Hiphop-Track, produziert von Raphael Stibor (Oberthulba) und kurz vor dem ersten Ballwechsel live vorgetragen von Tim Lennon (Hammelburg) und Niklas Reichenbach (Elfershausen). Langweilig wird's im "Wohnzimmer Saaletalhalle" wahrlich nicht.

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