Nüdlingen
Jubiläum

Trainergenerationen: Von Diktatoren zu Fachkräften

Reichlich Fußball-Prominenz war in die Nüdlinger Schlossberghalle gekommen zum Festakt des 50-jährigen Bestehens der Gemeinschaft der Fußballtrainer.
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Unser Bild zeigt den Vorsitzenden der GFT Unterfranken, Bernd Schöpplein (Mitte), mit den Referenten des Abends, Gerhard Bauer (links) und Volker Pöpper.Edgar Hedrich
Unser Bild zeigt den Vorsitzenden der GFT Unterfranken, Bernd Schöpplein (Mitte), mit den Referenten des Abends, Gerhard Bauer (links) und Volker Pöpper.Edgar Hedrich
Reichlich Fußball-Prominenz war in die Nüdlinger Schlossberghalle gekommen zum Festakt des 50-jährigen Bestehens der Gemeinschaft der Fußballtrainer in Unterfranken. Deren Hauptaufgabe ist die Fort- und Weiterbildung der lizenzierten unterfränkischen Fußballtrainer. "Es ist eine Ehre, dass dieser Festakt hier in Nüdlingen stattfindet", sagte Bürgermeister der Gemeinde Nüdlingen, Harald Hofmann. Der Sprecher der bayerischen Trainergemeinschaften und Vorsitzende der Gemeinschaft Mittelfranken, Gérard Morin, hob die Wichtigkeit der Trainergemeinschaften hervor: "Gerade die Fortbildungsmaßnahmen im Bezirk ersparen die Anreise der Trainer in die Sportschule nach München, zum anderen fördern sie auch das Gruppengefühl, weil man sich im kleineren Kreis besser kennenlernen kann und kennenlernt."

"Der Fußball hat sich stetig weiterentwickelt", sagte Gerhard Bauer, Mitglied im Bund Deutscher Fußballlehrer, der die Trainerszene seit mehr als 50 Jahren im Blickfeld hat und Autor diverser Fußballbücher ist. "Wer übte früher schon diagonale Laufwege ein, beschäftigte sich mit der allgemeinen Koordination und Handlungsschnelligkeit oder führte einen Laktattest zur Erfassung der aktuellen körperlichen und physischen Verfassung der Spieler durch?" Völlig unbekannt war auch die Spielanalyse durch Videostudium, Vorreiter waren Anfang der 80er Jahre die DFB-Verbandstrainer Herbert Widmayer und Erich Ribbeck.

Dabei verhehlte Bauer nicht, dass es oft zu Irrungen und Wirrungen der Trainer kam. Trainer hätten im Lauf der Jahre einen Veränderungsprozess in ihren Rollen erleben müssen, neben einem größeren Trainingsaufwand mussten sie sich vermehrt mit sportmedizinischen und sportwissenschaftlichen Erkenntnissen beschäftigen. Der Umgang mit Presse, Medien, Internet sowie mit Sponsoren und Investoren musste gelernt werden.


Eine historische Einordnung

Unter historischen Gesichtspunkten teilte Bauer die von ihm erlebten Trainer seit dem Zweiten Weltkrieg in vier Gruppen ein: "Die Trainer, die am Krieg aktiv als Soldaten teilgenommen hatten, ich nenne da Namen wie Horst Stürze, Rudi Gutendorf, Dettmar Cramer und Herbert Widmayer, sahen den Fußball als eine Art Befreiung vom Erlebten an. Sie sahen ihre Hauptaufgabe darin, den meist ebenfalls vom Krieg betroffenen Spielern die Lust am Spiel zu vermitteln, ein wesentlicher Gesichtspunkt beim Gewinn der Weltmeisterschaft 1954."

Diese Trainergeneration wurde zwischen 1960 und 1980 von den "Schleifern" abgelöst. "Die Trainingsmethoden eines Roberto Herrera, eines Max Merkel und eines Uwe Klimaschefski, der aus Ärger über einen Platzwart diesen an den Torpfosten binden ließ und dann ein Zielschusstraining der Spieler ansetzte, wären heute undenkbar." Zwischen 1980 und 1990 saßen immer mehr ehemalige Spieler wie Felix Magath, Erich Ribbeck und Berti Vogts auf der Bank, diese wurden von den "Konzept- und Teamwork-Trainern", die eng mit sportlichen Leitern und Managern zusammenarbeiten, abgelöst. Beispiele sind Ralf Rangnick, Christian Streich und Daniel Bierofka von 1860 München. Auffällig ist laut Bauer, dass nunmehr etliche Trainer theoretisch hervorragend ausgebildet sind, aber auf keine Profikarriere zurückblicken können. "Diese Entwicklung ist sicher darauf zurückzuführen, dass diese Trainer auf einen Stab von Spezialisten zurückgreifen können. Welcher früher diktatorisch agierende Trainer hatte einen Co-Trainer, einen Torwart- und Konditionstrainer oder gar Ernährungsberater und Psychologen an seiner Seite?"


Einblick in BVB-Juniorenarbeit

Der Vortrag von Volker Pröpper, Junioren-Chefscout von Borussia Dortmund, war ein weiterer Höhepunkt. Pröpper schilderte die umfangreiche Juniorenarbeit bei den Westfalen, die ab 2000 mit der Errichtung eines Nachwuchs-Leistungszentrums intensivere Formen annahm. Das Einzugsgebiet der Spieler, die teilweise noch für ihren Heimatverein kicken, beträgt maximal 120 Kilometer, wobei die Spieler ab der U12 viermal und die ab der Altersklasse U16 fünfmal in der Woche trainieren. "Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Schulausbildung der Spieler nicht zu kurz kommt, es ist klar, dass nicht jeder unserer Junioren später eine Profikarriere einschlagen kann", sagte Pröpper. "Es wird deswegen auch viel Wert auf eine gute Zusammenarbeit mit den Eltern und den Schulen gelegt." Ab der U18 werden die Spieler von Vereinsseite auch in Sachen Interview-Technik und Rhetorik geschult, um den Umgang mit Medien zu verbessern. Etwas Erstaunen rief hervor, dass die Spieler ab der U16 leistungsfördernde Verträge mit Prämien erhalten, "was sie zum einen an den Verein bindet, zum anderen für eine finanzielle Ausstattung der Junioren sorgen soll."
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