Elfershausen
Bogensport

Stefan Heinickel besiegt den Weltmeister

Beim Weltcup in Luxemburg besiegt der Compoundschütze aus Elfershausen sein großes Idol aus den USA.
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Der Elfershäuser Stefan Heinickel (links) im Duell mit dem mehrfachen Weltmeister Braden Gellenthien. Foto: Ralf Kohn
Der Elfershäuser Stefan Heinickel (links) im Duell mit dem mehrfachen Weltmeister Braden Gellenthien. Foto: Ralf Kohn
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Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den deutschen Meisterschaften im Sommer (wir berichteten), endet das Wettkampfjahr für Stefan Heinickel mit einem weiteren Höhepunkt - diesmal sogar mit internationalem Renommee. Bei den "Guillaume Tell Open" in der luxemburgischen Gemeinde Strassen traf der Elfershäuser nicht nur auf europäische Schwergewichte der Bogensport-Szene. Zu diesem Weltcup der "Indoor Series" waren auch Vollprofis aus den USA und anderen Teilen der Welt ins Großherzogtum gekommen. "Ich habe das zweite Mal an diesem dreitägigen Turnier teilgenommen. Jeder kann sich hier anmelden und mit den ganz Großen messen. Die Startplätze sind für alle offen, jedoch in der Anzahl auf etwa 520 Teilnehmer begrenzt", sagt der 29-Jährige, der mit seinem Paradegerät, dem Compoundbogen, an den Start ging.

Ein Start nach Maß

Weil selbst die eigene Bestleistung nicht für die Endrunde reichen würde, war die Erwartungshaltung bei Stefan Heinickel und seinem Coach und Trainingspartner Andreas Kolb entsprechend niedrig. Frei von Druck, lief die Qualifikation allerdings unerwartet gut für den Unterfranken, der im ersten Durchgang mit den 30 Pfeilen auf einer Entfernung von 18 Metern persönliche Bestleistung schoss mit sensationellen 297 von 300 möglichen Ringen. Die "10" als Maximum für die Compounder ist dabei lediglich zwei Zentimeter breit. "Nur um eine Relation zur Spitze zu geben, das bedeutete nach dem ersten Durchgang den zehnten Platz", so Heinickel, der im zweiten Durchgang 292 Ringe nachlegte und die Qualifikation auf Platz 27 abschloss, damit das Finale der Top 32 erreichte. Der Spitzenreiter aus Dänemark, Stephan Hansen, hatte 599 Ringe geschossen.

"Alleine dadurch war es für mich schon ein absolut gelungenes Turnier, weil ich meine Bestleistung in der Halle von 581 auf 589 von 600 möglichen Ringen steigern konnte", sagt Stefan Heinickel, der kurz nach den nationalen Titelkämpfen vom SSV Nüdlingen zu den Klosterschützen Wechterswinkel in den Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld gewechselt war, weil dort deutlich mehr Compoundschützen aktiv sind.

Der erste Finalgegner des Hotelbetriebswirt war kein geringerer als Braden Gellenthien, mehrfacher Weltmeister und Weltrekordhalter, hochdekoriert mit unzähligen Medaillen von Weltcups und Weltmeisterschaften - und ganz nebenbei die aktuelle Nummer Eins der Welt.

Zwei wilde Neuner

"Braden ist ein supernetter Kerl, mit dem ich mich vor den Finalansetzungen unterhalten hatte. Als wir dann aufeinander trafen, mussten wir beide grinsen", sagt Heinickel, der der festen Überzeugung war, "dass man mein Herz hatte schlagen hören" vor diesem Duell mit 15 Wertungs-Pfeilen. Zwei wilde Neuner im Warm-Up unterstrichen die Nervosität des Elfershäusers, auf die Trainer Andreas Kolb mit ein paar lockeren Sprüchen reagierte. "Immer gut zu wissen, jemanden hinter sich zu haben, auf den man sich verlassen kann", sagt Heinickel, der dem 33-jährigen Favoriten ein Duell auf Augenhöhe abringen sollte. Das Match lief wie gemalt für den Underdog. Beide begannen mit einer 10-10-9-Serie. "In der zweiten Passe habe ich eine 30 und Braden eine 29 geschossen. Die dritte Runde endete 30 zu 30. In der vierten Runde konnte ich erneut 30 Ringe erreichen, Braden nur 28. Damit hatte ich vor den letzten drei Pfeilen einen Vorsprung von drei Ringen."

Weil die letzte Passe mit einem 29:29 endete, war die Sensation perfekt: Stefan Heinickel hatte sein Idol und Vorbild im Wettkampf besiegt. "Das ist einfach unglaublich. Und der Höhepunkt in meiner Bogensport-Karriere, den ich nie und nimmer für möglich gehalten habe", schwärmt Heinickel, der einen besonderen Dank an die Familie richtete: "Ohne die Unterstützung meiner Frau und meiner Tochter könnte ich solche Erinnerungen nicht sammeln."

Der in der Nähe von Boston geborene Braden Gellenthien ärgerte sich über die Niederlage, erwies sich aber als fairer Sportsmann und verschenkte sein Scheibenschild mit Widmung und Unterschrift. "Ein besonderes Stück, das einen besonderen Platz finden wird", so Heinickel, für den der Wettkampf ja weiter gehen sollte. "Ich stand unter den Top 16 beim Indoor Weltcup. Nicht zu glauben."

Noch ein Champion

In der nächsten Runde tags darauf wartete mit Sebastian Pieneau ein zweifacher Weltmeister und die Nummer 22 der Welt. "Ich war top motiviert und auch sehr ruhig, da ich bereits mehr erreicht hatte als ich jemals zu träumen gewagt hätte. Aber im Match hat mich die Nervosität eingeholt und ich musste mich mit 143 zu fast perfekten 149 Ringen geschlagen geben", sagt Heinickel, der den Wettkampf auf einem hervorragenden elften abschloss. Und immer noch darüber staunt, an der Schießlinie gemeinsam mit 15 international bekannten Schützen gestanden zu haben, "die ich normalerweise nur über die sozialen Medien verfolge."

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