Bad Kissingen
Eishockey

Semjon Bär: Ein Nordlicht ist angekommen

Der Wölfe-Stürmer hatte bislang ausschließlich für norddeutsche Vereine gespielt, ehe ein Anruf seines Trainers die Abenteuerlust des 28-Jährigen weckte.
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Kann sich nach langer Verletzungspause endlich wieder in den Vordergrund spielen: Semjon Bär (Nr. 91).Hopf
Kann sich nach langer Verletzungspause endlich wieder in den Vordergrund spielen: Semjon Bär (Nr. 91).Hopf

Das hört sich jedenfalls richtig gut an, wenn die Kissinger Wölfe (3./9) am Freitag (20 Uhr) beim SC Riessersee (1./11) antreten und am Sonntag (18 Uhr) im Wolfsbau auf den EV Füssen (5./6) treffen - zwei Schwergewichte im deutschen Eishockey, mit reichlich nationalen Titeln dekoriert. Beide Vereine gehören zu den Favoriten im Kampf um einen der beiden freien Oberliga-Plätze. Schade für die Unterfranken, dass der für Freitag geplante Fanbus abgesagt werden musste, dennoch wollen sich reichlich Privatfahrer auf den Weg nach Garmisch-Partenkirchen machen, um ihre Mannschaft im traditionsreichen Olympia-Eissport-Zentrum zu unterstützen, welches Platz für 7000 Zuschauer bietet. Gut für die Unterfranken, dass der Oberligist in diesem Spiel wohl nicht auf die besten seiner Förderlizenzspieler des Champions-League-Finalisten EHC München zurückgreifen kann.

Die Oberbayern sind der erklärte Favorit dieser Aufstiegsrunde. Die Truppe um Trainer George Kink hatte die vergangene Oberliga-Runde als Vierter abgeschlossen, muss aufgrund eines Insolvenzverfahrens aber wie Waldkraiburg um den Klassenerhalt spielen gegen die acht besten Teams der Bayernliga. Der Verein, der Eishockey-Legenden wie Ignaz Berndaner und Franz Reindl hervorgebracht hatte, stand in der Saison 2017/2018 sogar noch im DEL2-Finale, ehe der Zwangsabstieg erfolgte. Der bislang einzige Punktverlust resultierte aus dem 5:4-Sieg nach Verlängerung gegen Klostersee, als der Schiedsrichter die Overtime irrtümlich auf zehn statt der üblichen fünf Minuten angesetzt hatte. Ein Regelverstoß, der folgenlos bleibt, weil beide Vereine auf keine Neuansetzung beharren.

Nicht allein aufgrund der prominenten Gegnerschaft freut sich Semjon Bär auf das Wochenende. Schließlich hatte der 28-Jährige vier Monate verletzungsbedingt pausieren müssen nach einem üblen Knie-Check im Spiel gegen Erding, der eine komplizierte Meniskusverletzung zur Folge hatte. Erst seit Beginn der Aufstiegsrunde steht der Stürmer wieder im Kader. "Das ist echt schwierig, nach so langer Zeit wieder seinen Rhythmus zu finden. Bei hundert Prozent bin ich sicher noch nicht, aber länger zu warten hätte ich echt nicht ausgehalten, auch wenn ich bei jedem Training und jedem Spiel vor Ort war. Ohne den Kontakt zu den Jungs wäre ich eingegangen", plaudert Semjon Bär mit norddeutscher Sprachfärbung. Im heutigen Kasachstan geboren, kam der Linksschütze schon als Zweijähriger mit der Familie nach Bremerhaven, spielte in der Jugend Fußball und kam erst als 13-Jähriger über einen Fitnesstrainer sowie einen Kumpel zum örtlichen Eishockey-Verein.

In der Saison 2008/2009 spielte Semjon Bär mit den Fischtown Pinguins sogar in der DEL2. Weitere Stationen waren Nordhorn, die Weserstars aus Bremen sowie die "Crocodiles" aus Hamburg, bei denen der Angestellte bei einer Nüdlinger Firma, der sich selbst um einen Arbeitsplatz vor Ort gekümmert hatte, in den vergangenen fünf Jahren unter Vertrag war. "In Hamburg hat es mir sehr gut gefallen, mit ganz viel Wasser wie zu Hause in Bremerhaven. Aber dann war die Lust geweckt auf eine neue Erfahrung, weshalb ich nach einem Telefonat mit 'Nemo' das Angebot aus Bad Kissingen angenommen habe, der hier etwas aufbauen will."

Nach all den Verletzungen in der Mannschaft, freut sich Mikhail Nemirovsky über die Genesung seiner '91'. "So lange verletzt zu sein, ist natürlich frustrierend. Und das Comeback fällt umso schwerer, weil es jetzt nur noch starke Gegner gibt. Aber Semjon ist ein super Typ mit einer guten Technik, den ich auf verschiedenen Positionen und in verschiedenen Reihen einsetzen kann", sagt der Spielertrainer der Kissinger Wölfe. In Sachen Ehrgeiz steckt Semjon Bär jedenfalls nicht hinter seinem Coach zurück. "Wir können noch viel erreichen, in der Aufstiegsrunde kann jeder jeden schlagen. Und wir sind ein verschworener Haufen, der auch privat einiges unternimmt." Gut möglich übrigens, dass der demnächst um eine Person anwächst. Jedenfalls steht Mikhail Nemirovsky in engem Kontakt mit einem 17-Jährigen mit deutschem Pass, der zuletzt in Kanada spielte, aber mit seinem Team in den Playoffs ausgeschieden ist.

Blick in die Abstiegsrunde

In der Abstiegsrunde wurde dem ESC Haßfurt vom Bayerischen Eishockeyverband wie erwartet auch der 10:3-Erfolg über Dorfen aberkannt und in ein 0:5 zu Gunsten des Gegners umgewandelt, weil die "Hawks" wieder ihre vier statt der vom Verband erlaubten zwei Kontingentspieler eingesetzt hatte. Während die Haßfurter also punktlos am Tabellenende stehen, sieht es für die Mighty Dogs des ERV Schweinfurt weitaus erfreulicher aus als Tabellenführer der Parallelgruppe mit zehn Punkten aus vier Spielen. Am Freitag gastieren die Mainstädter beim ESV Burgau, am Sonntag steht ein weiteres Gastspiel an mit dem Topspiel gegen Verfolger Passau.

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