Bad Brückenau
Mut und Courage

Schmerzen gehören im Handball-Tor dazu

Im Interview mit Annalena Löser (23) und Larissa Schneider (19) vom 1. FC Bad Brückenau geht es um Mut und Entschlossenheit.
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Annalena Löser. Foto: Sebastian Schmitt
Annalena Löser. Foto: Sebastian Schmitt
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Die sportlichen Vorbilder? Gehören natürlich zu den Besten ihres Fachs. Annalena Löser nennt Andreas Wolff, für Larissa Schneider ist Carsten Lichtlein ein Held. Nationalspieler, die im Tor stehen - wie auch die beiden Bad Brückenauerinnen, die trotz ihrer jungen Jahre bereits einige Erfolge wie den BOL-Aufstieg mit dem Frauenteam vorweisen können. Mut? Der gehört natürlich dazu.

Beim Handball fliegt einer Torhüterin das runde Spielgerät mit bis zu 100 km/h entgegen. Braucht man da nicht eine ganze Menge Mut, um sich überhaupt ins Tor zu stellen?

Annalena Löser: Das würde ich schon sagen, ja. Es gibt viele, die Angst vor dem Ball haben. Das darf man nicht haben, sonst funktioniert das nicht.

Larissa Schneider: Man braucht auf jeden Fall Mut, um sich ins Tor zu stellen, weil es einfach immer das Risiko gibt, dass es mal weh tut, wenn man an einer ungünstigen Stelle getroffen wird.

Habt Ihr schon einmal einen Ball ins Gesicht bekommen oder mit dem Kopf abgewehrt? Absichtlich oder unabsichtlich? Tut das nicht ordentlich weh?

Annalena Löser: Ja, das passiert immer wieder mal. Ich würde sagen, eher unabsichtlich, da es auf jeden Fall nicht das schönste Gefühl ist. Kann ich so aber ein Tor verhindern, nehme ich auch das in Kauf.

Larissa Schneider: Klar, ich habe den Ball schon ein paar Mal ins Gesicht bekommen, das bleibt in unserem Sport leider nicht aus. Es war aber immer unabsichtlich. Im ersten Moment tut es ein bisschen weh, aber das kann man dann ziemlich schnell ausblenden, weil das Spiel ja weitergeht.

Wer hat eigentlich mehr Angst beim Siebenmeter: Der Keeper oder der Spieler am Punkt?

Annalena Löser: Also ich habe keine Angst. Wie es dem Spieler geht, weiß ich nicht.

Larissa Schneider: Schwer zu sagen, weil ich nicht weiß, wie sich der Schütze fühlt. Ich für mich kann aber sagen, dass ich keine Angst vor einem Siebenmeter habe. Da liegt der Druck doch eher auf dem Schützen. Deshalb würde ich einfach mal der Schütze sagen.

Wie lange steht Ihr jetzt schon im Handballtor?

Annalena Löser: Im Tor stehe ich seit der D-Jugend, das heißt circa zehn Jahre jetzt. Handball spiele ich ungefähr seit 15 Jahren. Ich habe mich in der Grundschule mit Freundinnen zum Handball entschieden und meine Eltern standen da auch sofort hinter mir.

Larissa Schneider: Ich spiele seit 2008 Handball und wurde dann auch relativ schnell von meiner damaligen Trainerin ins Tor gestellt, da ich die Einzige war, die keine Angst vor dem Ball hatte. Zum Handball gekommen bin ich durch die EM 2008, die ich im Fernsehen geschaut habe. Das hat mich so fasziniert, dass ich das auch machen wollte.

Torhüterinnen gelten im allgemeinen in allen Sportarten als ein bisschen verrückt. Stimmt das denn?

Annalena Löser: Was soll ich da als Torfrau jetzt antworten. Vergangene Woche hab ich gehört: Linkshänder und Torhüter sind ganz speziell. Naja, ich bin beides.

Larissa Schneider: Die Aussage würde ich so unterschreiben. Kein normaler Mensch lässt sich freiwillig mit Bällen abwerfen oder abschießen.

Welche Position würdest Du gerne mal spielen?

Annalena Löser: Da ich Linkshänderin bin, auf jeden Fall Rechts-Außen. Dort habe ich auch in der Jugend noch gespielt.

Larissa Schneider: Keine Ahnung. Es gibt eigentlich keine Position, die ich gerne spielen würde. Ich bin ganz zufrieden damit, Torhüterin zu sein.

Was zeichnet einen guten Handballkeeper aus?

Annalena Löser: Reaktionsschnelligkeit und ganz wichtig: Spaß am Spiel. Ein Torhüter sollte es aber auch schaffen, seiner Mannschaft in der Abwehr den Rücken zu stärken und den Spielern helfen, wenn etwas mit der Absprache nicht stimmt.

Larissa Schneider: Mut und Entschlossenheit zählen auf jeden Fall dazu. Außerdem darf man keine Angst vor dem Ball haben. Schnelligkeit und Reaktionsvermögen sind aber auch noch wichtig.

Handball ist in der Rhön nie wirklich großflächig zum Breitensport geworden. Was gefällt Euch denn am Handballsport persönlich am besten?

Annalena Löser: Die Schnelligkeit und Wandlungsfähigkeit von einem Handballspiel. Du kannst mit zehn Toren in der Halbzeit hinten liegen und das Spiel trotzdem noch drehen und deutlich gewinnen!

Larissa Schneider: Mir gefällt, dass es immer hin und her geht, die Mannschaften sind ständig in Bewegung und es passiert eigentlich immer etwas auf dem Spielfeld. Da wird es einem, auch als Zuschauer, nie langweilig.

Und was könnte man tun, damit sich noch mehr Menschen für den Handballsport interessieren?

Annalena Löser: Das ist eine schwere Frage. Ich finde, wir hier in Bad Brückenau geben schon echt viel, um den Handball von klein auf bekannt zu machen, vor allem durch die tolle Arbeit von Klaus Sieß direkt bei den Kindern in der Schule. Und ein Besuch im Hexenkessel überzeugt sicherlich auch noch ein paar mehr Leute vom Handball, sei es auch nur als Zuschauer.

Larissa Schneider: Puh, gute Frage, die gar nicht so leicht zu beantworten ist. Ich glaube, man muss die Menschen erst mal in die Halle bekommen. Sie müssen sehen, wie Handball gespielt wird und was ihn so spannend macht.

Was möchtet Ihr im Handball noch erreichen?

Annalena Löser: Als Kind wollte ich immer ins Fernsehen mit dem Handball, aktuell wäre ich superglücklich, wenn wir den Klassenerhalt in der Bezirksoberliga erreichen und wir irgendwann mal dort den Meistertitel schaffen.

Larissa Schneider: Ich würde gerne mal Meister werden.

Können Handballer tatsächlich mehr einstecken als Fußballer? Oder ist das nur ein Gerücht?

Annalena Löser: Ganz klar stimmt das. Ja. Handballer spielen Fußball zum Aufwärmen. Wobei man sagen muss, dass Handball von der Körperbetonung im Spiel eben deutlich intensiver ist.

Larissa Schneider: Ich würde sagen, nein, das ist kein Gerücht. Handballer können auf jeden Fall mehr einstecken als Fußballer.

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