Rottershausen
Spieler der Woche

Rottershausens Fabio Erhard spürt keinen Druck

Der Rottershäuser Stürmer hat schon so viele Treffer erzielt wie in der vergangenen Spielzeit. Im Match gegen Bayern Fladungen trumpfte der 21-Jährige mit zwei Toren und einem Assist auf.
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Fabio Erhard hat dem FC Einigkeit Rottershausen am Wochenende mit zwei Toren den Sieg gegen Fladungen gesichert. Foto: Steffen Standke
Fabio Erhard hat dem FC Einigkeit Rottershausen am Wochenende mit zwei Toren den Sieg gegen Fladungen gesichert. Foto: Steffen Standke

Eine solche Dramaturgie muss man sich erstmal ausdenken: Das Spiel beginnt mit einem Eigentor. Dann purzeln innerhalb von sieben Minuten fünf Tore. Und schließlich entscheidet ein junger Stürmer die hektische Partie, die von Fouls, gelben Karten und Verletzungspausen geprägt war. Der Name des Matchwinners: Fabio Erhard. Er spielt für den FC Einigkeit Rottershausen. Der 21-jährige Student über das turbulente Spiel gegen Fladungen, die bisherige Saison und ein altes Rottershäuser Problem.

Fabio, euer Heimspiel gegen Bayern Fladungen war außergewöhnlich. Und Du hattest wesentlichen Anteil am 5:3-Sieg.

Fabio Erhard: Ja, ich habe das 3:3 durch Johannes Kanz kurz vor der Pause per Ecke vorbereitet und unsere Treffer vier und fünf selbst erzielt. Das Match war ja ein großes Hin und Her. Wir waren am Anfang durch unser Pressing die aktivere Mannschaft und haben das Eigentor zur Führung erzwungen. Julian Göller machte Druck auf den gegnerischen Spieler; der passte ungenau zu seinem Torwart zurück; der Ball kullerte rein.

Dann läutete der Freistoß zum Fladunger Ausgleich in der 38. Minute ein Torfestival ein? Euer Trainer Alexander sagte, er habe so was noch nicht erlebt. Und Du?

Nein. Wobei man sagen muss, dass die Tore, die wir bekamen, aus individuellen Fehlern resultierten.

Welche meinst Du genau?

Den Freistoß, durch den der Fladunger Ausgleich fiel, hätte unser Torwart vielleicht gehalten. Aber er dotzt so auf, dass er keine Chance hat. Auch das 2:2 gegen uns fällt unglücklich. Julian Göller schießt für uns das 2:1; unser rechter Verteidiger jubelt mit. Bis er zurück in der Abwehr ist, klafft ein Loch, das die Fladunger ausnutzen. Vor dem gegnerischen 3:2 verliert unser linker Verteidiger den Ball. Aber eigentlich hätte wir das Spiel schon in der ersten Halbzeit gewinnen müssen.

Wieso?

Wir waren die bessere Mannschaft, haben aber den Gegner aufgebaut, weil wir das 2:0 nicht gemacht haben. Das Problem, dass wir unsere Chancen nicht konsequent nutzen, hatten wir schon vergangene Saison.

Du meinst die Zeit am Saisonende, als ihr vorm Aufstieg mehrere Matchbälle vergeben habt?

Ja. Das Problem besteht teilweise immer noch - auch wenn es sich gebessert hat.

Dich kann man aber nicht als Chancentod bezeichnen, angesichts Deiner beiden Tore zum Sieg.

Beim ersten hatte ich mit Ball Platz im Mittelfeld. Jeder schrie, ich solle nach vorne laufen. Bis zum 16er war da keine Gegenwehr. Dann habe ich mich irgendwie durchgewurschtelt und allein vor dem Keeper eingeschoben. Eine ähnliche Situation hatte ich eine Woche zuvor in Reichenbach, hab' aber vergeben. Nun dachte ich: "Den machst Du jetzt aber.".

Und in der Nachspielzeit dachtest Du: Ich hab' schon ein Tor geschossen. Jetzt mache ich noch eins?

Johannes Kanz machte Druck auf den Verteidiger, sodass der den Ball an Frank Seufert verlor. Der schickte mich steil; ich habe mich durchgesetzt und den Ball ins lange Eck geschoben. Die Teamkameraden kamen zu mir und haben mich gefragt, woher ich die Luft habe, in der 90. Minute plus noch so abzugehen. Als das Spiel abgepfiffen wurde, waren alle ziemlich fertig.

Nach zwölf Saisonspielen zieren sieben Tore Dein Konto. Und das eine Liga höher als zuvor. Es scheint bei Dir zu laufen.

Die sieben Tore hatte ich vergangene Spielzeit insgesamt. Ich habe das Ziel, im Abschluss konsequenter zu werden und dem Team dadurch zu helfen. Wir wussten, dass in der Kreisliga ein anderes Niveau herrscht. Da musst Du die Chancen nutzen, wenn Du sie bekommst.

Das scheint Dir zu gelingen, nicht nur gegen Bayern Fladungen. Gegen Herbstadt hast Du dem FCE mit Deinem 1:1 in der 89. Minute das Unentschieden gerettet.

Ich merke schon, dass ich inzwischen mehr Sicherheit in den Abschlüssen gewonnen habe, auch bei den beiden Treffern zuletzt. Letzte Saison war ich zu hektisch.

Und warum ist das jetzt anders?

Mein Trainer Alexander Schott hat mir unheimlich geholfen. Er hat gesagt, dass ich mir vorm Tor nicht so viele Gedanken machen, sondern den Ball einfach reinschieben soll. Ich hoffe, dass ich mit noch mehr Toren der Mannschaft helfen kann.

8. Platz mit 18 Punkten. Über den Saisonstart der Mannschaft kann man auch nicht meckern, oder?

Mit dem Platz sind wir ganz zufrieden; darauf kann man aufbauen. Wenn wir bis zum Ende der Saison im vorderen Mittelfeld mitspielen und am Ende zwischen Platz 5 und 8 einkommen, ist alles in Ordnung.

Warum, glaubst Du, klappt es beim FC Einigkeit im Moment so gut?

Uns allen ist bewusst, dass wir in den Kreisliga-Spielen einen Ticken mehr geben müssen und nicht so fahrlässig sein dürfen wie am Ende der vergangenen Spielzeit. Der Trainer sagt, wir müssen arbeiten und jede Partie mit 100 Prozent angehen. Sonst kann es passieren, dass wir abrutschen.

Mit Julian Göller, Fabian May und Johannes Kanz habt ihr erfahrene Spieler in euren Reihen. Inwiefern können die euch puschen?

Julian, Fabian und Johannes sind essenziell wichtig für die Mannschaft. Sie machen den Mund auf und sprechen ein Machtwort, wenn es nötig ist. Mit ihrer Erfahrung treiben sie uns an in Spielen, in denen es nur um und mit Kampf geht.

Wie bewertest Du als Aufsteiger die neue Liga?

Insgesamt ist die Kreisliga gut und ausgeglichen aufgestellt. Jede Mannschaft versucht, spielerisch ein Tor zu machen. Wir wollen uns auch durchkombinieren. Spielerisch müssen wir einige Prozente mehr geben als in der Kreisklasse.

Fällt bei euch im Team auch mal das Zauberwort "Bezirksliga"?

Da denkt man schon manchmal drüber nach. Aber in dieser Saison geht es für uns darum, nicht wieder in die Kreisklasse abzusteigen. Wir wollen in der Kreisliga ankommen und möglichst gut abschneiden. Mit Riedenberg, Ramsthal und Großbardorf II hatten wir schon Gegner, die eher die Aufstiegschance ergreifen könnten, als wir. Aber vielleicht ist ja nächste Saison etwas nach oben möglich.

Hast Du Dir eine persönliche Bestmarke gesetzt?

Da habe ich kein Ziel. Es wäre ja wieder viel Druck vor dem gegnerischen Tor dabei, wenn ich mir sagen würde: Der muss jetzt fürs Trefferkonto unbedingt drin sein. Es ist eigentlich egal, wer die Tore schießt. Hauptsache, sie helfen der Mannschaft. Das Gespräch führte Steffen Standke

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