Schlimpfhof
Interview

Rafael Brand ist der Abenteurer von Schlimpfhof

Rafael Brand kam der Liebe wegen nach Schlimpfhof. Im Gespräch verrät er, warum die DJK trotz des besiegelten Abstiegs aus der A-Klasse weiter eigenständig bleiben sollte.
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Rafael Brand ist überzeugter Wahl-Schlimpfhofer und Kapitän der DJK.  Foto: Johannes Wolf
Rafael Brand ist überzeugter Wahl-Schlimpfhofer und Kapitän der DJK. Foto: Johannes Wolf

Die DJK Schlimpfhof, Ende vergangene Saison überraschend in die A-Klasse aufgestiegen, ziert aktuell das Tabellenende. Der eine Punkt vom 26. August 2018 gegen Elfershausen blieb bis heute der einzige. Der Abstieg zurück in die B-Klasse steht fest. Das ist kein Grund zum Frust in dem 350-Einwohner-Ort bei Oberthulba, verrät Kapitän Rafael Brand im Interview. Der 35-jährige gebürtige Hohenröther spielt nicht nur im beschaulichen Schlimpfhof; er hat dort 2009 sein Zuhause gefunden.

Rafael, am Ende der vergangenen Saison standet ihr auf dem Relegationsplatz der B-Klasse. Dadurch dass der Meister Brückenau II verzichtete, durftet ihr direkt aufsteigen. Wie überraschend kam für dich das erfolgreiche Abschneiden letztes Jahr?

Rafael Brand: Ganz ehrlich? Zugetraut, geschweige denn daran geglaubt, hätte das vor der Saison niemand. Allerdings hatten wir das große Glück, mit Markus Schott vom FC Eltingshausen einen mehr als fähigen Spielertrainer verpflichten zu können. Ich selbst war bei den ersten Gesprächen dabei und habe damals gemerkt, dass Markus perfekt nach Schlimpfhof passt. Es war die Mischung zwischen seiner starken Persönlichkeit und der genauen Vorstellung, wohin und mit welchen Mitteln er die Mannschaft dahin bringen will, die uns alle überzeugt hat.

Habt ihr darüber nachdenken müssen, den Aufstieg in die A-Klasse wahrzunehmen?

Das haben wir tatsächlich. In einer Mannschaftssitzung im Sportheim haben wir über alle Eventualitäten gesprochen und uns dann einstimmig für den Aufstieg entschieden. Für mich persönlich stand das niemals zur Diskussion. Ich finde, wer so eine Saison spielt, sollte sich auch dafür belohnen. Schade nur, dass wir das Rennen um die Meisterschaft am Ende verloren haben und uns mit dem Brückenauer Verzicht die Chance auf einen großen Auftritt in der Relegation genommen wurde. Dementsprechend verhalten lief dann unsere Aufstiegsfeier ab. Und man kann uns so einiges nachsagen, aber feiern können wir.

Du selbst warst in der Aufstiegssaison mit 14 Treffern der Top-Torschütze und Erfolgsgarant der DJK. In der aktuellen Runde habt ihr insgesamt erst 19 und du drei Tore erzielt. Worin besteht der größte Unterschied zwischen der B- und der A-Klasse?

Allen voran muss ich sagen, dass diese A-Klasse der Hammer ist. Über die Hälfte der Mannschaften in unserer Gruppe haben in den letzten Jahren Kreisklasse oder sogar Kreisliga gespielt. Zu deiner Frage gibt es eine ganz einfache Antwort: Fußball ist ein Mannschaftssport und man spielt immer besser, wenn die eigenen Mitspieler auf dem gleichen Niveau spielen. In der vergangenen Saison hatten wir einen super Kader. Wir waren über 20 Mann, von denen sich circa 15 annähernd auf Augenhöhe begegneten. Dadurch gab es einen natürlichen Konkurrenzkampf, den ich in Schlimpfhof so nicht kannte. Natürlich profitierte nicht nur die Mannschaft, sondern auch der Markus als Trainer davon. Er erkannte das Potenzial und strukturierte uns zur Viererkette. Ich persönlich hatte das Glück, mit einem kongenialen Partner und Motivator wie Andi Winkler vom FC Bad Kissingen auf der Sechs zu spielen. Er hielt mir immer den Rücken frei und so konnte ich viel mehr Impulse in der Offensive setzen. Leider verletzte er sich in der Rückrunde schwer und hat seitdem eine große Lücke in unserem Mittelfeld hinterlassen. Wir hoffen alle sehr, dass er irgendwann wieder mit uns auf dem Rasen steht.

Euch war wahrscheinlich klar, dass das Abenteuer A-Klasse kein einfaches wird. Aber dass der Punkt gegen Elfershausen der einzige bleiben würde, ist frustrierend, oder?

Das ist richtig. Allerdings muss man bedenken, dass von der Aufstiegsmannschaft vom letzten Jahr regelmäßig nur fünf Mann oder weniger auf dem Platz stehen. Uns fehlen insgesamt acht Mann, davon vier Abgänge, zwei berufsbedingte Pausen und zwei Langzeitverletzte. Dazu kommen die ständigen Verletzungen während der Saison, mit denen sich jeder Verein herumschlagen muss, und der Verlust unseres Trainers vor der Winterpause. Da wird in so einem Dorfverein die Hose ganz schön eng. Zum Glück haben wir eine Hand voll AH- Spieler, die uns, wenn es richtig eng ist, aushelfen. Und wenn man das alles betrachtet, ist es fast ein Wunder, dass wir jeden Sonntag trotzdem eine Truppe zusammen bekommen. Und wenn es nur elf Mann sind. Genau das ist der Grund, warum ich dieses Team Woche für Woche voller Stolz als Kapitän auf den Platz führe: Weil wir nie aufgeben!

Am letzten Sonntag hat euch nicht viel zum zweiten Punktgewinn der Saison gefehlt - und das gegen den Tabellenzweiten aus Machtilshausen. Am Ende hieß es 1:2. Wie hast du die Partie erlebt?

Das war ein ständiges Auf und Ab der Emotionen. Erst das unglückliche Gegentor a la Olli Kahn, was unseren Jonsi wohl am meisten ärgern wird. Dann der Ausgleich und damit die Hoffnung und dann der erneute Rückschlag, der mehr als kurios war. Die Mannschaft hat gefightet bis zum Schluss. Ich weiß nicht, wie viele Bälle genau wir vor unserem Keeper geblockt haben; aber es waren einige. Spielerisch war Machtilshausen besser und der Sieg geht in Ordnung, aber allein wegen des aufopferungsvollen Kampfes wäre ein Punkt verdient gewesen.

Du stammst ursprünglich aus Hohenroth und hast lange für den SV Niederlauer gekickt. Wie hat es dich nach Schlimpfhof verschlagen?

Die Liebe. Wobei mir die Stephie damals allerdings auch nicht viele Möglichkeiten zur Auswahl ließ (lacht).

Was macht für dich die DJK Schlimpfhof aus? Man hört ja von vielen Vereinen, dass der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft und im Verein super sei. Aber in Schlimpfhof ist gerade das Geschehen abseits des Spielfeldes was Besonderes, oder?

Schlimpfhof ist ein Traum für jeden, der gerne auf dem Land lebt. Ein kleines Dorf, in dem fast jeder jeden kennt und man alles hat, was zum Glücklichsein wichtig ist. Ich bin hier von ganz vielen Menschen mit offenen Armen empfangen worden und fühle mich nach knapp zehn Jahren fast so, als wäre ich hier aufgewachsen. Diese Gemeinschaft ist für mich zur zweiten Heimat geworden und ich bin sehr stolz darauf, ein Teil davon zu sein. Dies gilt auch für den Sportverein. Das und natürlich ein überragender Vorstand sind das Erfolgskonzept der DJK.

Was gehört für dich zu einer zünftigen Kabinen-Party?

Die ganze Mannschaft Oberkörper frei und ganz viel Bier und Asbach. Super Stimmung, aber die ist in Schlimpfhof fast garantiert und dann ein Selfie vom Ganzen, egal ob Winner oder Loser.

Wirst du der DJK trotz des bevorstehenden Abstiegs nächstes Jahr die Treue halten?

Grundsätzlich ja. Ich bin ein Vereinsmensch, das sieht man ja an meiner Historie und jeder der mich kennt, weiß das. Allerdings bin ich von Kopf bis Fuß Fußballer und ich weiß, dass meine aktive Karriere irgendwann ein Ende hat. Ein Leben ohne diesen Sport ist für mich nicht vorstellbar; deshalb wird mein Weg wohl über kurz oder lang als Trainer weiter gehen. Das ein oder andere Angebot habe ich bereits erhalten, bisher allerdings alles dankend abgelehnt.

Trotz der Knappheit eures Kaders seid ihr - als Verein in einem Ort mit circa 350 Einwohnern - immer noch eigenständig. Habt ihr darüber nachgedacht, euch einem anderen Verein anzuschließen und eine SG zu bilden?

Mit diesem Gedanken werden wir jedes Jahr aufs Neue konfrontiert und hier gab es schon einige Anfragen. Die Vereinsführung um Klaus Täuber und Christoph Kleinhenz wehrt sich seit Jahren erfolgreich dagegen. Ich bin der Meinung, dass das die einzig richtige Entscheidung ist. Wenn wir eine SG eingehen würden, wären wir nicht mehr 'Die DJK Schlimpfhof' und das ist doch das, was uns so besonders, ja fast einzigartig macht.

Wenn du einen Wunsch frei hättest: Wen würdest du dir - angesichts der Personalknappheit - in eurem Team wünschen und warum?

Einen Namen zu nennen, ist schwer. Dafür gibt es zu viele gute Fußballer in unserer Region. Jeder Verein wünscht sich einen Knipser - am besten einen, der die Liga allein abschießt. Mir ist der Grundstock meines Teams am wichtigsten. Wenn das passt, kommt der Rest mit etwas Geduld von allein. Außerdem haben wir mit dem Mike "Magic" Löschner einen Stürmer im Team, der fast alle Voraussetzungen zum Knipser hat. Also würde ich mir für die DJK wohl jemanden wünschen, der mit mir die Fäden ziehen würde, der menschlich ein Fels ist, der aufbaut und motiviert und vor allem in die Mannschaft passt. Ich wünsche mir den Andi Winkler zurück.

Du warst bereits als Trainer tätig. Aktuell bist du bei der DJK "nur noch" Kapitän. Fällt es dir schwer, dich wieder unterzuordnen?

Auf keinen Fall. Ich arbeite als Kapitän immer ganz eng mit den Trainern zusammen. Das ist mein Job. Da fühlt man sich manchmal wie ein Co-Trainer.

Du hast zwei Kids im Alter von acht und fünf Jahren. Haben die beiden schon den Mitgliedsantrag bei der DJK unterschrieben?

Ich glaube, wir haben eine Familienmitgliedschaft. Meine Tochter Mia hat mit dem Sportverein in sportlicher Richtung nicht so viel zu tun. Meinen Sohn Tom bilde ich in der U7 mit 23 weiteren Talenten zum Profi aus.

Wir stehen hier am vor einem Haus in mitten von Schlimpfhof. Warum hast du dir diesen Ort als Fotomotiv ausgesucht?

Das ist das Elternhaus meiner Frau. Hier begann mein "Abenteuer" Schlimpfhof.

Das Gespräch führte Johannes Wolf

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