Schweinfurt
Fußball Regionalliga Bayern

Piepers ganz persönliches Derby

Mit dem FC 05 Schweinfurt trifft der Ex-Löwe im Grünwalder Stadion auf die Bayern-Reserve.
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Spaß am Kicken: FC-05-Neuzugang Florian Pieper ist froh, nach sechs Operationen überhaupt noch Fußballspielen zu können. Foto: Simon Snaschel
Spaß am Kicken: FC-05-Neuzugang Florian Pieper ist froh, nach sechs Operationen überhaupt noch Fußballspielen zu können. Foto: Simon Snaschel
FC Bayern München II - FC Schweinfurt (Freitag, 19 Uhr)
Florian Pieper hat Demut gelernt: "Ich muss dankbar sein, dass ich überhaupt noch Fußballspielen kann", sagt der 23-jährige Stürmer des FC 05 Schweinfurt, der mit seinem Treffer zum 4:2-Endstand beim 1. FC Nürnberg II am ersten Spieltag eine anderthalbjährige Leidenszeit endgültig hinter sich gebracht hat. Mit dem Wechsel von Viktoria Aschaffenburg zu den Münchner Löwen im Sommer 2015 sollte und wollte Pieper eigentlich durchstarten. Aber irgendwie ging für den damals 21-Jährigen alles schief, was schiefgehen konnte. Nun kehrt er mit dem FC 05 Schweinfurt an alte Wirkungsstätte zurück, ins Grünwalder Stadion. Allerdings gegen die falschen Münchner, wenn es nach Florian Pieper geht.


Bakterien im Knie

Der gebürtige Dieburger (Südhessen), der im Nachwuchs für Darmstadt 98 und bis zur U23 für den FSV Frankfurt gespielt hat, war mit der Empfehlung von 25 Bayernliga-Toren für die Aschaffenburger zur zweiten Mannschaft der Löwen gekommen. Nach einer durchwachsenen ersten Halbserie mit mehr kleineren Verletzungen als Treffern (nur ein Regionalliga-Tor) erwischte es Pieper beim Winter-Trainingslager in Indien schwer: Kreuzbandriss. Im Krankenhaus fing der Angreifer sich Bakterien ein, musste sechs Mal am Knie operiert werden und sollte das hellblaue Löwen-Leibchen nicht wieder überstreifen. Erst beim Schweinfurter Sieg in Nürnberg bestritt Pieper wieder ein Pflichtspiel - und traf nach seiner Einwechslung: "Toreschießen macht immer Spaß, es gibt nichts Geileres", sagt der Vollblutstürmer mit breitem Grinsen.

So unbeschwert war die gelernte Fachkraft für Lagerlogistik - Pieper hat nach der Ausbildung sein Fachabitur gemacht und bastelt derzeit per Fernstudium am Sport-Betriebswirt - lange nicht mehr. "Ich war zum ersten Mal von daheim weg, alleine in einer Großstadt. Nach der Verletzung war es eine heftige Zeit. In so einer Phase vermisst man seine Familie natürlich. Ich bin froh, jetzt wieder näher an der Heimat zu sein." Nun also Schweinfurt statt München, Main statt Isar und Volks- statt Oktoberfest - wird's da nicht langweilig? "Nein", sagt Pieper, "ich bin hier, um Fußball zu spielen und nicht um Party zu machen. Schweinfurt ist ein beschauliches Städtchen, ich fühle mich sehr wohl." Und immerhin: Statt der 28 Quadratmeter in München hat Pieper jetzt nahe des Willy-Sachs-Stadions fast den doppelten Wohnraum.

Nun steht für den Neu-05er ein ganz persönliches Derby an. "Auf jeden Fall etwas Besonderes", nennt Pieper das Duell mit dem FC Bayern II, die Rückkehr nach München ins alte Wohnzimmer Grünwalder Stadion. In dem "die Roten aber eigentlich nichts verloren" haben - zwei Jahre beim TSV 1860 haben den Angreifen trotz aller Probleme zum Löwen-Fan werden lassen, "zumindest bis zur U21 ein sehr familiärer Verein".
Weit mehr als um persönliche Vorlieben geht es beim Aufeinandertreffen der beiden Titel-Mitfavoriten um eine gewisse Vormachtstellung neben Piepers Ex-Verein. Die Bayern-Reserve hat aus zwei Spielen bislang vier Punkte geholt, der FC 05 einen Traumstart mit der Maximalausbeute von satten zwölf Zählern hingelegt und zuletzt mit dem FC Augsburg II einen der Titelfavoriten von Trainer Gerd Klaus geschlagen.

Die Münchner zählt der Schweinfurter Coach nicht minder zum Kreis der absoluten Spitzenmannschaften. "Wenn sie wollen, werden die Bayern Meister. Weil sie nachlegen können. Finanziell ist das ja kein Problem und sie kriegen jeden Spieler, den sie wollen", so Klaus. Unverwundbar seien die Roten trotzdem nicht: "Sie versuchen es jetzt mit einer gemischten Mannschaft mit vielen Jungen und ein paar Erfahrenen. Von den Talenten her sind sie nochmal besser als Augsburg."


Eine Spur offensiver

In Ehrfurcht erstarren werden die 05er dennoch nicht. Warum auch? "Wir werden sicherlich nicht so defensiv spielen wie in den letzten Jahren in München", verspricht Klaus in Erinnerung an so manche Fünfer- bis Sechserkette in grün-weiß. Diesmal wird sich Klaus auf die gewohnte Vierer-Abwehrreihe beschränken. Wenngleich Rechtsverteidiger Philip Messingschlager angeschlagen und sein Einsatz fraglich ist, während Links-Pendant Herbert Paul nach Gelb-Rot gegen Augsburg sicher fehlen wird. Alternativen bilden Marco Janz und Dominik Weiß, dem Klaus wie auch Marco Fritscher und Michael Schlicht eine starke Leistung in der U23 bescheinigt. "Durch die Bank haben es alle gut gemacht und gerade die Außenverteidiger liegen alle sehr nah beieinander", sagt Klaus zwar. Aber auch, dass der FC 05 "vom Prinzip her nichts ändern" müsse. Messingschlager sei "super drauf und ich würde ihn ungern rausnehmen." Simon Snaschel
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