Hammelburg
Volleyball

Oscar Benner will nicht der letzte Hammelburger Mohikaner sein

Oscar Benner ist als einziger echter Hammelburger im Volleys-Team übrig. Warum der neue Kapitän sich mehr seiner Art wünscht.
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Der "Häuptling" und seine "Indianer": Mannschaftskapitän Oscar Benner (2. von rechts) mit (von links) Luca Dierks, Moritz Zeitler sowie (rechts) Moritz Rauber. Foto: Jens Feistel
Der "Häuptling" und seine "Indianer": Mannschaftskapitän Oscar Benner (2. von rechts) mit (von links) Luca Dierks, Moritz Zeitler sowie (rechts) Moritz Rauber. Foto: Jens Feistel

Hammelburg Volleys - L.E. Volleys (Samstag, 20 Uhr)

Nein, gelesen hat Oscar Benner das Buch "Der letzte Mohikaner" von James Fenimore Cooper nicht. Und keinen der Filme gesehen. Immerhin: Die Romanfigur sagt ihm etwas. Dabei könnte der Titel - abgewandelt - gut auf den 21-Jährigen passen. Tatsächlich ist Benner "Der letzte Hammelburger" im Zweitliga-Team der Volleys. Und seit kurzem ihr "Häuptling". Eine Aufgabe, die auszufüllen nicht einfach ist.

Natürlich geht es bei den Hammelburg Volleys nicht, wie bei Coopers Roman von 1820, um durch weiße Siedler existenziell bedrohte nordamerikanische Indianerstämme. Doch so mancher Fan fragte sich im Sommer schon: Wie sollen die Abgänge der Ur-Hammelburger Henning Schulte, Lukas Spachmann und Felix Bendikowski aufgefangen werden? Würde der Verein schlagkräftige Neuzugänge verpflichten? Wären die in der Lage, gemeinsam mit den gebliebenen Spielern die 2. Liga erneut zu halten?

Erfolgreiches neues Team

Die Antwort nach den ersten vier Ligaspielen heißt: definitiv! Die Volleys grüßen mit elf Punkten von Platz 2. Unter ihrem neuen "Oberindianer" Cornel Closca zeigen die "Krieger" nicht spektakuläre, aber erfolgreiche Teamleistungen. Mit dabei Oscar Benner als Hauptangreifer.

Dass die Teamkollegen ihn eindeutig zu ihrem "Anführer"auf der Platte erklärten, verwundert nicht. Bestach der gebürtige Hammelburger doch schon vergangene Saison mit tollen Angaben und Schmetterbällen. Zudem spielt Benner, seit er acht Jahre alt ist, für den TV/DJK. Sein Vater Matthias Benner füllt als Abteilungsleiter eine wichtige Position im Verein aus.

Sohn Oscar überraschte seine Wahl zum Kapitän nicht wirklich. Und auch nicht, dass Moritz Rauber zu seinem Stellvertreter bestimmt wurde. "Ich habe mich auf diese Aufgabe gefreut und auf die Verantwortung vorbereitet", sagt der 21-Jährige. Wobei er für sich in Anspruch nimmt, erst noch komplett in diese Rolle hineinzuwachsen zu müssen. "Ich bin nicht der Kapitän, der alles zu sagen hat. Ich gebe keine Anweisungen."

Keine One-man-Show

Manchmal muss ein Anführer kräftig aufstampfen, wenn es in seinem Stamm nicht so richtig läuft. Oscar Benner ist froh, dass er das in dieser Spielzeit noch nicht tun musste. Eben, weil er noch mehr ins seine Führungsrolle reinwachsen muss. Er ist froh, dass seine Mitspieler fast durchweg als Team auftraten und keiner "als One-man-Show Spiele gewinnen" musste. Sich selbst bezeichnet er nicht als den Lautstärksten auf dem Feld. "Ich bin eher der abgeklärte, der die Nerven nicht verliert." Seine Mitspieler Moritz Rauber, Moritz Zeitler und Luca Dierks würden ihm helfen, in die neue Rolle hineinzukommen.

Wer Leistung bringt, weckt Begehrlichkeiten. Oscar Benner bestätigt, dass er "ein paar Angebote aus der 1. Bundesliga" gehabt habe. Von welchen Vereinen - darüber möchte der 21-Jährige auf Nachfrage lieber nicht berichten.

Den Wunsch, mal in der 1. Liga zu spielen, hegt der Diagonalangreifer schon. Doch erst möchte er sein Bachelor-Studium der Wirtschaftsinformatik in Würzburg zu Ende bringen. Das wird wahrscheinlich in knapp zwei Jahren sein. Dann wäre der Hammelburger 23 oder 24 - ein gutes Alter, den nächsten Schritt zu gehen.

Natürlich fühlt sich Benner als Kapitän auch als Vermittler zwischen den Spielern und als Bindeglied zu Trainer Cornel Closca. Das gelte nicht nur auf dem Feld, sondern auch drumherum. "Ich will auch da sein, wenn es jemandem nicht gut geht.

Übrigens: Eine gewisse Reserviertheit im Umfeld hat der 21-Jährige schon festgestellt vor Saisonbeginn. Viele hätten moniert, dass überhaupt keine Hammelburger mehr im Team stehen würden. Auch sei gezweifelt worden, ob die Mannschaft zweitligatauglich sei. "Spätestens nach dem ersten Spiel war die Skepsis meist verflogen."

Oscar Benner wünscht sich nun, dass die Neuen noch mehr ins Team hineinwachsen - und vielleicht bald als "echte Hammelburger" gesehen werden. Dann wäre er zumindest nicht wie bei J. F. Cooper der Einzige und Letzte seines Stammes.

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