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Volleyball

Moritz Karlitzek: von der italienischen in die deutsche Quarantäne

Im Gespräch erzählt der Volleyball-Profi und Nationalspieler aus Hammelburg, warum er mit der aktuell schwierigen Situation gut zurecht kommt.
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Wann Moritz Karlitzek (im Bild) wieder für seinen italienischen Verein jubeln kann, steht aufgrund der Corona-Pandemie in den Sternen.  Foto: Paola Libralato
Wann Moritz Karlitzek (im Bild) wieder für seinen italienischen Verein jubeln kann, steht aufgrund der Corona-Pandemie in den Sternen. Foto: Paola Libralato

Mit seinen 23 Jahren hat Moritz Karlitzek schon eine Menge erlebt. Der Hammelburger hat es schließlich bis in die Volleyball-Nationalmannschaft geschafft. Und spielt seit dieser Saison für den italienischen Erstligisten Top Volley Latina. Die Küstenstadt südwestlich von Rom ist etwa so groß wie Würzburg. Die Corona-Pandemie hat aber auch das Leben des Vize-Europameisters gehörig durcheinander gewirbelt.

Wo erreiche ich Sie gerade telefonisch?

Moritz Karlitzek: Bei meinen Eltern in Hammelburg. Noch in Quarantäne. Mein Bruder Lorenz ist auch da, und unsere Freundinnen. Vorhin war ich mit Gartenarbeit beschäftigt.

Wie und wann sind Sie nach Deutschland gekommen?

Vor etwa einer Woche bin ich von Rom nach Frankfurt geflogen, das war alles eigentlich ganz normal. Kompliziert war, überhaupt zum Flughafen zu kommen. Das hatte mein Verein vorher mit der Polizei abklären müssen.

Wie ist die Situation in Ihrem Verein und in der Liga?

Unsere Saison ist nicht abgesagt, sondern nur unterbrochen. Vier Spiele hätten wir noch zu absolvieren, in denen wir den Klassenerhalt klar machen wollten.

Und dann veränderte Corona alles...

Die letzten etwa zehn Tage in Italien war ich schon in Quarantäne. Aufgrund der Ausgangssperre durfte ich lediglich zum Einkaufen raus. Zunächst hatte es geheißen, in drei Wochen geht es mit dem Ligabetrieb weiter. Daher blieb ich in Latina. Als sich die Lage immer mehr zugespitzt hat, bat ich den Verein um eine Pause. Dafür musste ich ein Dokument unterschreiben, das mich verpflichtet, wieder nach Italien zu kommen, sobald es mit Training und Spielbetrieb weitergeht. Da geht"s natürlich auch um finanzielle Sachen.

Wie schaut der Kontakt zum Verein/den Kollegen aus?

Alle zwei Tage haben wir über eine App eine Art Livemeeting, bei dem unsere Fitnesstrainer ein Krafttraining anbieten. Mit einigen Spielern schreibt man sich.

Sind Sie der einzige Deutsche im Team?

So ist es, aber die italienische Sprache beherrsche ich inzwischen gut. Nach drei bis vier Monaten habe ich flüssig italienisch gesprochen. Was übrigens auch nötig ist, weil das im Verein so verlangt wird.

Wie umfangreich verfolgen Sie die Berichterstattung zur Corona-Pandemie?

Im Moment verfolge ich eher, wie die Situation in Italien ist, lese und höre italienische Nachrichten und spreche natürlich mit den Teamkollegen. Ich will aber nicht, dass meine Gedanken ausschließlich um dieses Thema kreisen.

Besitzen Sie eine Gesichtsmaske?

Nein. Ich wüsste auch gar nicht, wo ich aktuell eine herbekommen sollte. Mir geht es aber gut und ich zeige keinerlei Corona-Symptome.

Können Sie etwas machen, was Sie sich schon länger vorgenommen hatten?

Schön ist, dass ich Zeit mit meinem Bruder verbringen kann, den ich ein halbes Jahr nicht gesehen habe. Ich war ja auch nicht an Weihnachten daheim, weil wir am 26.12. gespielt haben. Am Abend des 25. Dezembers sind wir nach Perugia gefahren, dort war ich dann allein im Hotelzimmer. Mit der Familie nur über Skype in Verbindung zu stehen, war schon etwas traurig.

Haben Sie Sorge, dass Ihr Verein die Krise nicht übersteht?

Nein, gar nicht. Unser Verein hat gute Sponsoren. Da sind einzelne Privatpersonen mit viel Geld, die uns unterstützen.

Wie viele Fans kommen denn so zu Euren Spielen?

Das ist unterschiedlich. Gegen Spitzenteams wie Modena oder Perugia ist die Halle ausverkauft mit bis zu dreieinhalbtausend Fans. Gegen kleinere Vereine kommen so etwa 1000 Zuschauer. Wir sind für italienische Verhältnisse ein eher kleiner Verein, aber in einer sehr starken Liga. Nach Fußball ist Volleyball die Sportart Nr. 2 im Land.

Würden Sie über die Saison hinaus gerne in Italien bleiben?

Ich weiß noch nicht, was kommt, auch wenn die Tendenz zu Italien geht, weil die Liga unglaublich gut und finanziell attraktiv ist. Ich werde betreut von einer großen, internationalen Spielervermittlungs-Agentur und habe einen italienischen Manager, der aktuell Angebote einholt und Gespräche führt.

Gibt's was Neues aus der Nationalmannschaft zu berichten?

Auch da gibt es große Fragezeichen, wann wir trainieren und oder spielen können. Die Nations League wurde ja auch auf unbestimmte Zeit verschoben.

Haben Sie das Schicksal der Heitec Volleys aus Eltmann verfolgt?

Mein Bruder Lorenz spielte bislang beim Ligakonkurrenten Rottenburg (Anm. der Redaktion: Der Verein wird zur neuen Saison keine Lizenz beantragen), daher verfolge ich schon die Bundesliga. Und habe mitbekommen, dass in Eltmann die Türen wohl endgültig zugehen. Das ist bitter, weil es schon die zweite Insolvenz ist. Und es ist schade für die Region.

Wenn die Welt wieder die alte ist: Auf was freuen Sie sich am meisten?

Meine Freunde zu treffen, die ich länger nicht gesehen habe.

Person Moritz Karlitzek spielte bis 2014 bei seinem Heimatverein TV/DJK Hammelburg und wechselte dann zum damaligen Bundesligisten VSG Coburg/Grub. Nach weiteren Erstliga-Stationen beim TV Rottenburg und United Volleys Frankfurt spielt der 23-Jährige seit dieser Saison für den italienischen Erstligisten Top Volleys Latina.

Erfolge Nach 40 Einsätzen in der Junioren-Nationalmannschaft gab Moritz Karlitzek im Jahr 2016 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft und wurde mit dieser ein Jahr später in Polen Vize-Europameister. In der Weltliga spielte der Außenangreifer auf verschiedenen Kontinenten, unter anderem vor 15 000 Zuschauern im volleyballverrückten Iran.