Bad Brückenau
Behindertensport

Maximilian Jäger ist doppelter Vize-Weltmeister

Der 19-jährige Bad Brückenauer hat bei der Para-Radsport-WM gleich zwei Silbermedaillen geholt. Was für diesen Riesenerfolg nötig war.
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Stolzer Sohn: Maximilian Jäger mit Mutter Barbara. Thomas Jäger
Stolzer Sohn: Maximilian Jäger mit Mutter Barbara. Thomas Jäger

Es war sein größter Wettkampf und er hat ihn erfolgreich gemeistert: Maximilian Jäger aus Bad Brückenau hat bei seiner ersten WM der Para-Radsportler im niederländischen Emmen zweimal den Titel des Vize-Weltmeisters errungen. Besser als der 19-Jährige war jeweils nur der Chinese Jianxin Chen.

Jäger, der von Geburt an unter einer halbseitigen Lähmung leidet, setzte sich am zweiten Zeitfahrtag in der Klasse T1 (besondere Schwierigkeiten in der Koordination) in einem Teilnehmerfeld von zehn qualifizierten Athleten in 37:16,45 Minuten durch. Beim Zeitfahren der Dreiradklassen absolvierten die Radsportler zwei Runden eines 10,4 Kilometer langen Kurses.

"Die erste Runde war in Ordnung. Auf der zweiten Runde habe ich dann noch mal alles aus mir rausgeholt; mehr ging nicht", sagte der Silbermedaillengewinner am Mikrofon der ARD. "Ich habe mir eine Medaille ein bisschen ausgemalt, weil mir das Zeitfahren sehr gut liegt. Dass ich bei meiner ersten WM Vize-Weltmeister werde, ist trotzdem unglaublich."

Beim Massenstart des Straßenrennens zwei Tage später wurde Jäger in seiner Klasse erneut Zweiter, wieder hinter Jianxin Chen. Das Rennen war geprägt von Stürzen. "Im Park habe ich noch mal angezogen und bin zu schnell in die letzte Kurve gefahren. Fast wäre ich in die Absperrgitter geraten; ich musste bremsen, und da ging leider der Chinese vorbei. Trotzdem bin ich glücklich. Zweimal Silber bei meiner ersten WM - besser kann es nicht laufen." Insgesamt gewannen die deutschen Para-Radsportler bei der WM acht Gold-, acht Silber- und drei Bronzemedaillen - Platz 2 der Nationenwertung.

Maximilian, der vor seiner Geburt einen Schlaganfall erlitten hatte, begann eigentlich mit vier Jahren mit dem Skifahren. Mit elf fuhr er sein erstes Rennen, feierte nationale und internationale Erfolge.

Vergangenes Jahr wechselte der Bad Brückenauer nach einer Sichtung am Paracycling-Olympiastützpunkt Cottbus zum Radsport. Damals überzeugte er seinen heutigen Trainer Reneé Schmidt. Die Entscheidung pro Radsport war für Max "eine seiner schwersten", berichtet sein Vater Thomas Jäger.

Offensichtlich war sie richtig. Für den Skisport fuhr der Bad Brückenauer fast jedes Wochenende zum Trainieren oder für Wettkämpfe nach Oberbayern. Unter der Woche besuchte er in der Heimat eine Montessori-Schule. Die "Eliteschule des Sports" in Cottbus, in die Jäger im August 2018 aufgenommen wurde, vereint vorbildlich Bildung, Training und Wettkämpfe an einem Ort - auch wenn der 500 Kilometer von daheim entfernt liegt. "Es ist der einzige Stützpunkt für Para-Radsportler bundesweit", sagt Vater Jäger. Die Förderung sei exzellent.

Das nächste große Ziel

Nach der WM ging es am vergangenen Sonntag zurück nach Cottbus. Montag war wieder Schule. Und Training.

Das nächste Mal besucht Maximilian Jäger seine Eltern am 2. Oktober. Danach arbeitet der 19-Jährige an seinem nächsten großen Traum: die Olympischen Spiele in Tokio 2020. Dafür muss Jäger ab dem Frühjahr in Weltcups und bei der nächsten WM in Belgien bestehen.

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