LKR Bad Kissingen
Fußball

Kreisklasse: Kuriose Fusionen, knackige Derbys

In die beiden Rhöner Kreisklassen ist mächtig Bewegung gekommen. Ganz neue Teams tauchen plötzlich auf der Fußball-Landkarte auf.
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Rückt künftig Kreisklassen-Keepern auf die Pelle: Florian Thurn, hier noch im Trikot des FC 06 Bad Kissingen, wird der neue Spielertrainer des SC Diebach. Foto: Hopf
Rückt künftig Kreisklassen-Keepern auf die Pelle: Florian Thurn, hier noch im Trikot des FC 06 Bad Kissingen, wird der neue Spielertrainer des SC Diebach. Foto: Hopf
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Kurze Wege, knackige Derbys und klangvolle Namen. Die Kreisklasse Rhön 1 ist die klammheimliche Bad Kissinger Landkreisliga und hat an Attraktivität noch lange nichts eingebüßt. Mit der DJK Waldberg stößt nun ein Verein mit schillernder Vergangenheit dazu, der zwar im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld beheimatet ist, aber schon historisch gesehen ganz enge familiäre Verbindungen mit den Dörfern der Marktgemeinde Burkardroth hat. Insofern werden die Duelle mit dem TSV Wollbach und dem BSC Lauter tatsächlich Derby-Charakter haben.

Der SV Aura wollte endlich seinen Ruf als Fahrstuhltruppe der Kreisklasse loswerden, was ihm in der zurückliegenden Spielzeit nach dem Aufstieg eindrucksvoll gelungen ist. Die erfahrenen Fußballcracks Thomas Lutz und Christof Sauer machen als Trainerduo weiter und haben das junge Team ganz offensichtlich sehr gut im Griff. Dass man die Vorjahresleistung am liebsten bestätigen möchte, als der SV Aura doch etwas überraschend auf dem fünften Platz landete, darf durchaus als Kampfansage an die arrivierten Teams der Kreisklasse verstanden werden. Das wichtigste Spiel des Jahres ist für die Auraer auch wieder gesichert: Historisch gesehen ist ein Match gegen den VfR Sulzthal schon seit der Vereinsgründung das Maß der sportlichen Dinge.

Beim FC Bad Brückenau bleiben die beiden Jakobsche-Brüder die tragenden Säulen des Teams. Auch wenn den hundertjährigen Traditionsverein die ein oder andere Nachwuchssorge umtreibt, so zählen die Sinnstädter nach wie vor zu den Teams mit hohem Anspruch an die eigene Spielweise. Dass die erfahrenen Kicker Ronald Kömpel, Florian Vogler und Alexander Latus den Verein verlassen haben, dürfte auch abseits des Platzes eine Schwächung darstellen. Wer den ehrgeizigen Spielertrainer Philipp Jakobsche kennt, weiß allerdings, dass die Bad Brückenauer auch in der kommenden Saison ein unangenehmer Gegner sein werden.

Beim SC Diebach ist so manches im Umbruch. Der bisherige Coach Michael Leiber ist nun beim Kreisligisten SV Riedenberg unter Vertrag. Ihm folgt Florian Thurn nach, der zuletzt beim FC Fuchsstadt und davor beim FC 06 Bad Kissingen kickte, allerdings langfristig von heftigem Verletzungspech verfolgt war. Vom abgestiegenen SV Morlesau/Windheim schließen sich mit Philipp Bold, Marco Möhler, Andreas Möhler, Daniel Doschko, Robby Kuhn, Sebastian Roth und Michael Henning nicht weniger als sieben Kicker dem SC an. Längst backt man bei den Frankonen kleinere Brötchen, möchte in der kommenden Spielzeit möglichst im gesicherten Mittelfeld landen und nichts mit dem Abstieg zu tun haben.

Die SG Gräfendorf/Dittlofsroda/Wartmannsroth hatte in der zurückliegenden Spielzeit deutlich mehr mit der Abstiegszone zu tun, als den Aktiven lieb sein konnte. Andreas Ermisch, der vom Ligarivalen FC Untererthal kommt, soll als neuer Spielertrainer für einen möglichst einstelligen Tabellenplatz sorgen. Christoph Mützel, der bisher im Mittelfeld die Fäden zog, als Coach fungierte und unermüdlicher Antreiber und Motivator seines Teams war, bleibt der SG als Spieler erhalten.

Eine ganz schwere Zeit liegt hinter dem BSC Lauter, der quasi über Monate mit letzter Kraft und dünner Personaldecke gegen den drohenden Abstieg kämpfte und nur mit Hilfe der Relegation zu retten war. Verständlich, dass für die bevorstehende Saison der Klassenerhalt das Maß der Dinge sein soll. Andreas Lindenau steht künftig an der Lauterer Kreuzung auf der Kommandobrücke und soll das Schiff durch weiterhin schwere See führen.

Der SV Obererthal setzt voll auf die eigene Jugend und möchte mit Jonas Greinwald, Julian Brust, Nico Schäfer, Lorenz Lutz sowie Tizian Höfling mindestens fünf junge Nachwuchskräfte im Erwachsenenbereich integrieren. Dass der hochtalentierte junge Keeper Leon Zwickl zum FC Fuchsstadt abgewandert ist, dürfte für die Rot-Weißen ein schwerer Schlag gewesen sein. Für Coach Lukas Heid ist ein einstelliger Tabellenplatz in der kommenden Saison im Rahmen des Möglichen. Und natürlich muss auch wieder in zwei Partien die alles entscheidende Frage geklärt werden, ob Erthal nun eigentlich "grün-weiß" oder "rot-weiß" ist.

Der TSV Oberthulba kehrt als souveräner Meister in die Kreisklasse zurück und will dort auch möglichst verweilen. Beim Team von Thomas Strauch geht es intensiv um die Integration der Jugendspieler in die erste Mannschaft. Mit Enrico Werner, Moritz Lutz, Justin Schmitt, Dennis Gütlein, Bastian Müller, Maximilian Wirth, Nico Dunkel und Arbo Majd sollen gleich acht Junioren den Sprung schaffen. Vom Nachbarverein FC Thulba kommt Markus Kaufmann hinzu, der ein Garant für Emotionalität und leidenschaftlichen Kampf ist. Wenn die Oberthulbaer Buben rund um den genialen Ballverteiler Markus Markert wie im Vorjahr auf erfrischendes Offensivspiel setzen, dürfte dem Klassenerhalt wenig im Wege stehen. Ein komplett neues Konstrukt ist die SG Reiterswiesen I/Arnshausen I/Bad Kissingen II. Schon in der vergangenen Saison waren die Reiterswiesener eine echte Wundertüte, landeten am Ende auf dem sechsten Tabellenplatz und hatten eine kuriose Achterbahnfahrt hinter sich gebracht. Das große Ziel ist nun erst einmal, dass die neue Konstellation überhaupt reibungslos funktioniert. Der bisherige Coach Frank Halbig kümmert sich künftig in erster Linie um die Bezirksliga-Mannschaft der Kernstadt. Dass dort letztlich alle talentierten Kicker gerne spielen wollen, wird eine neue große Herausforderung der großen Spielgemeinschaft werden. In der Kreisklasse jedenfalls soll möglichst ein besserer Tabellenplatz als in der Vorsaison erspielt werden.

Der VfR Sulzthal hatte sich über Monate hinweg berechtigte Hoffnungen auf den Aufstieg in die Kreisliga Rhön machen dürfen. Am Ende wurde sogar noch die Aufstiegsrelegation ganz knapp verpasst. Ein herber Rückschlag für die "Sulzler", die aufgrund mehrerer Langzeitverletzter weiter in einer schwierigen sportlichen Phase stecken. Coach Stephan Penquitt möchte trotzdem das Beste aus der Situation machen, wenn die herbe Enttäuschung über das ziemlich kuriose Saisonfinale erst einmal verdaut ist.

Der FC Untererthal hat in der zurückliegenden Saison nur selten spielerisch wirklich glänzen können und blieb hinter den eigenen Ansprüchen und Möglichkeiten erstaunlich weit zurück. Das soll sich nun aber gewaltig ändern, denn mit dem neuen Coach Sebastian Heinlein, der von der DJK Schwebenried/Schwemmelsbach zu den Viktorianern stößt und lange Zeit für den FC Fuchsstadt in der Defensive eine tragende Säule war, soll das obere Tabellendrittel angepeilt werden. Wie bei kaum einem anderen Verein in der Region leben die Grün-Weißen eine emotionale Symbiose von Mannschaft und Fans. Die Begeisterung für Fußball und Punkrock ist in Untererthal auch nach einer sehr schwierigen Saison völlig ungebrochen.

Komplett neu orientieren muss sich die DJK Waldberg, die in die Kreisklasse 1 umgruppiert worden ist. Das Team von Mirko Kleinhenz peilt daher zunächst einmal einen Platz im gesicherten Mittelfeld an. Dass die DJK mit ihrer legendären Waldsportanlage nach einer bewegten und ziemlich einmaligen Vergangenheit immer noch mit einem eigenständigen Team im Rennen ist, spiegelt den großen Zusammenhalt im Walddorf wider.

Auf dem Sprung in die Kreisliga Rhön war TSV Wollbach vor einigen Wochen, doch eine dramatische 5:7-Niederlage nach Elfmeterschießen in der Relegation gegen die SG Urspringen ließ alle Träume vom Aufstieg jäh platzen. Logischerweise zählen die meisten Vereine der Kreisklasse den TSV Wollbach neben dem VfR Sulzthal zu den heißen Titelanwärtern. Das Team von Michael Jahns hat sich selbst einen Platz unter den ersten Fünf zum Ziel gesetzt. Im fußballverrückten Wollbach hat man die schmerzliche Niederlage in der Relegationsrunde längst verdaut. Der TSV setzt seine Philosophie mit groß angelegter Jugendarbeit in familiärem Umfeld unbeirrbar fort.

Neu auf der Landkarte

Komplett neu auf der Fußball-Landkarte ist der FC WMP Lauertal, der mit seiner ersten Mannschaft in der Kreisklasse Rhön 2 und mit seiner zweiten Mannschaft in der Kreisklasse Rhön 1 an den Start geht. Hervorgegangen sind beide Teams aus dem FC Poppenlauer, der DJK Weichtungen und dem TSV Maßbach. Dass der neue FC WMP nun gleich zwei Mannschaften in die Rhöner Kreisklassen entsenden darf, liegt daran, dass der FC Poppenlauer aus der A-Klasse aufgestiegen und die DJK Weichtungen nicht aus der Kreisklasse abgestiegen ist. Der FC WMP Lauertal II wird von Gary Huntoon und Ansgar Iff trainiert, die als großes Saisonziel den Klassenerhalt ausgegeben haben. Martin Schendzielorz fungiert als Coach des FC WMP Lauertal I und möchte auf Anhieb unter die Top Drei der Kreisklasse 2 kommen. Geplant ist, dass die erste Mannschaft ihre Heimspiele am Sonntag und die zweite Mannschaft ihre Heimspiele samstags austragen wird. Beide Teams sollen eine feste Stammformation bekommen, die über die gesamte Saison hinweg besteht. Ein Durcheinanderwürfeln von Spielern beider Mannschaften soll möglichst ausgeschlossen werden.

Ebenfalls zwei Mannschaften entsendet die DJK Waldberg in die Kreisklassen. Während die erste Mannschaft der Waldberger in die Kreisklasse 1 umgesiedelt ist, geht die SG Sandberg I/Waldberg II als frisch gebackener Meister der A-Klasse Rhön 3 künftig in der Kreisklasse 2 ins Rennen. Florian Knüttel trainiert die SG, die als oberstes Saisonziel den Klassenerhalt ausgerufen hat. Dass es diese Spielgemeinschaft der beiden Rhöner Walddörfer überhaupt gibt, zeigt überdeutlich, auf welchem Weg sich der regionale Amateurfußball befindet. Denn ein gemeinsames Team mit Sandbergern und Waldbergern Seite an Seite war vor Jahren noch genau so wahrscheinlich und naheliegend wie eine Fusion von Borussia Dortmund mit dem FC Schalke 04.

Auch bei der SG Haard/Nüdlingen haben uralte Rivalen ein gemeinsames Trikot übergezogen. Nach der überraschenden Meisterschaft der Haarder in der A-Klasse 2 will Spielertrainer Christoph Then zusammen mit den Mannen vom Wurmerich erst einmal den Klassenerhalt sicherstellen. Wie viele andere Vereine tippt auch die Spielgemeinschaft auf den TSV Aubstadt II als ganz heißen Anwärter auf den Titel. Aubstadts Spielertrainer Matthias "Matze" Gerhardt sieht das ein wenig anders. Sein Ziel ist ein besseres Abschneiden als in der vergangenen Saison, als für die Regionalliga-Reserve der vierte Platz heraussprang. Die Aubstädter wiederum trauen der SG Unsleben/Wollbach und der brandneuen SG WMP Lauertal im Titelkampf gute Möglichkeiten zu. Außer der SG Haard/Nüdlingen und der SG WMP Lauertal sind alle weiteren Teams der Kreisklasse 2 im Nachbarlandkreis Rhön-Grabfeld beheimatet.

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