Bad Kissingen
Eishockey Bayernliga

Kissinger Wölfe verlieren Derby unglücklich

Ärger rund um die Eishalle und weiter keine Punkte in der Liga: Nemirovsky und Co. bleibt in diesen Tagen nichts erspart.
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ERV Schweinfurt - EC Bad Kissingen 6:5 (3:1, 1:1, 2:3).

Derbys haben eigene Gesetze. Zum Beispiel, dass selten ein Team klar dominiert, weil das andere spielerische Hänger durch Kampf ausgleicht. Und dass das Spielglück mehrfach wechseln kann. Ein solches Match haben die Kissinger Wölfe im Schweinfurter Icedome knapp verloren. Zur Krise um die eigene Eishalle kommt die sportliche hinzu.

Was für eine Startphase: Wer als Zuschauer nach Anpfiff noch schnell Nachrichten auf dem Handy abrufen wollte, verpasste schon das 1:0. Aggressive Mighty Dogs luchsten den um ruhigen Aufbau bemühten Wölfen in der 1. Minute den Puck ab und konterten. Den Schuss von Schweinfurts Marcel Grüner parierte Goalie Benni Dirksen noch; den Abpraller versenkte Jonas Manger. Nach dem Schock mühten sich die Kissinger, spielten aber fehlerhaft; die Dogs wirkten bissiger.

Dennoch gelang schnell der Ausgleich, weil auch der ERV nicht übermäßig sicher in der Abwehr stand. Nachdem es kurz zuvor vorm Tor von Kevin Keßler brenzlig wurde, kam die Scheibe nach Schuss von Matthias Kohl über den Torwart zu Anton Seewald, der ähnlich gut reagierte wie Manger zuvor (6.).

Die Spielkontrolle erlangten die Kissinger Wölfe nun nicht; immer wieder funkten gallige Schweinfurter dazwischen. Und sie taten, was sie in den ersten beiden Saisonspielen zu wenig getan hatten: von der blauen Linie abziehen. So prallte ein Schuss von Ex-Wolf Domantas Cypas, abgefälscht durch Lukas Fröhlich, wieder ab; Daniel Tratz stand richtig: 2:1 (7.).

Es kam noch schlimmer. Manger probierte es von halblinks direkt, wieder drin (9.). Sein zweites Tor zum 3:1. Es war nicht so, dass Schweinfurt Kissingen an die Wand spielte. Aber bei den Gästen ging im Spielaufbau und in der Rückwärtsbewegung bei Kontern wenig zusammen. Und sie schwächten sich durch nervige Zwei-Minuten-Strafen. Zeitweise saßen drei Wölfe auf der Strafbank. So erspielte sich im rasanten Hin und Her nur noch das Heimteam Chancen.

Der zweite Abschnitt geriet halb so temporeich, aber insgesamt ausglichen. Die Kissinger dominierten plötzlich. Was sich auszahlte. Eine "Belagerung" des Schweinfurter Tores schloss Jamie Akers zum 3:2 (27.) ab. ERV-Stürmer Grüner saß gerade zwei Minuten ab.

Die Wölfe drängten auf den Ausgleich, schafften ihn nicht. Ab der 35. Minuten wendete sich das Blatt wieder. Allein vier Chancen der Mighty Dogs wehrten die Gäste in Unterzahl mit Glück ab. Doch gerade, als Zwei-Minuten-Sünder Anton Zimmer aufs Eis zurückeilte, schrien die meisten der 1004 Zuschauer im Icedome "Tooor!". Lucas Kleider hatte zum 4:2 getroffen (37.). Kurz darauf Riesenaufregung in der Halle, als ein Schweinfurter Spieler auf dem Boden lag und Anton Seewald zwei Minuten für "unnötige Härte" kassierte. Manch einer hatte da einen Faustschlag gesehen.

Im letzten Drittel lief es eigentlich perfekt für die Wölfe. Nach einem Tohuwabohu in der Schweinfurter Abwehr stocherte Mikhail Nemirovsky den Puck ins Netz zum Anschluss (41.). Den psychologischen Vorteil machten sich die Gäste gleich wieder kaputt durch Zeitstrafen: zwei Minuten für Matthias Kohl wegen Behinderung, zwei für Pascal Kröber, weil er einen Gegenspieler abheben ließ. Die Schweinfurter nutzten das nicht, im Gegenteil: Die Kissinger schafften tatsächlich das 4:4 - eiskalt herauskombiniert durch Eugen Nold, Nemirovsky und schließlich Seewald (48.).

Die endgültige Wende? Wieder nicht, weil nun die wohl entscheidenden 90 Sekunden des Spiels folgten. Schweinfurts Goalie Keßler kratzte - wohl mit dem Stock - einen strammen Wölfe-Schuss von der Linie. Kurz drauf übertölpelten Grüner und Manger die Gästeabwehr erneut (51.). Ersterer setzte stark nach und legte zu Letzterem quer: 5:4 statt 4:5. Irgendwie typisch für diesen Abend. Exemplarisch aber auch, dass die Führung wieder nicht lange hielt: Schweinfurt bekam den Puck nicht vom Tor weg; Jona Schneider dankte (53.).

Dass die Mighty Dogs doch noch 6:5 siegten, lag an dem Quäntchen mehr Willen und der wieder schwachen Abwehr der Wölfe (59.). Nach Jonas Mangers drittem Tor kam keine Kissinger Antwort mehr zustande. In einer hektischen Szene neben dem Dirksen-Tor kassierten Jona Schneider und der aufgebrachte Goalie noch Zeitstrafen. Während die Schweinfurter Zuschauer erleichtert die ersten drei Punkte der Saison feierten, kleben die Wölfe punktlos am Tabellenende fest.

Vorsitzender Michael Rosin beschönigte in seinem ultrakurzen Statement nach dem Spiel nichts. Was das Team gezeigt habe, damit könne er definitiv nicht zufrieden sein. Wenn man vor dem eigenen Tor nicht eng genug bei den gegnerischen Stürmern stehe und die die Abstauber reinmachten, " dann passiert genau so etwas". Mighty-Dogs-Coach Michael Dippold sagte, sein Team habe verdient gewonnen, habe Kissingen den Schneid mit aggressivem Forechecking im ersten Drittel abgekauft, schön schnell nach vorne umgeschaltet und später kämpferisch nicht nachgelassen. Trotzdem habe es eine kritische Phase nach dem Nemirovsky-Treffer zum 3:4 gegeben, als das Spiel hätte kippen können.

Spielertrainer Nemirovsky schob die Niederlage auch auf die Müdigkeit, die nach der mangelhaften Vorbereitung ohne viel Eiszeit und mit viel "Trockentraining" bestehe. Auch er war enttäuscht von der Abwehr. Man müsse weitermachen. Ob das möglich ist, steht in den Sternen. Erstmals sprach Michael Rosin mit Blick auf die fehlende Halle ganz klar vom Einstellen des Spielbetriebs: "Entweder, wir finden jetzt schnell eine Lösung oder es ist vorbei."

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