Bad Kissingen

Kissinger Wölfe: Schicksal in fremden Händen

Für einen Beitrag kam das Bayerische Fernsehen zu den Eishockey-Fans der Kurstadt. Zu erfahren war auch, dass der Verein bald Geschichte sein könnte.
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Beim Besuch des Bayerischen Fernsehens durften die Fans der Kissinger Wölfe diskutieren - und singen. Foto: Jürgen Schmitt
Beim Besuch des Bayerischen Fernsehens durften die Fans der Kissinger Wölfe diskutieren - und singen. Foto: Jürgen Schmitt

Schmuddelwetter draußen, erwartungsvolle Stimmung drinnen bei den Fans der Kissinger Wölfe, viele in den Farben ihres Vereins gekleidet. Die hatten allerdings diesmal die Eishalle links liegen gelassen, waren stattdessen abgebogen in die Sportpark-Gaststätte. Das Bayerische Fernsehen war gekommen - zum Stimmenfang für einen TV-Beitrag. Noch mehr Öffentlichkeit also für den Immobilien-Zankapfel.

Eine vage Resthoffnung auf den Eishockey-Standort Bad Kissingen bleibt bei den Fans, die sich um ein Gemeinschaftserlebnis gebracht fühlen. Und froh waren, Trauer und Wut los werden zu können. Die Faschings-Dekoration an Decke und Wände stand im Gegensatz zur Gemütslage. "Spieler wie Fans, wir waren ein eingeschworener Haufen. Das fehlt. Aber man muss auch an den öffentlichen Eislaufbetrieb denken, der weggefallen ist. Meine Tochter ist in der Grundschule, die kann hier im Landkreis nicht mehr Schlittschuh laufen", sagt Andre Henning. Um die ehemaligen Spieler zu sehen, sind einige Fans nach Schweinfurt, Haßfurt oder Höchstadt gefahren, eine unbefriedigender Alternative zu Heimspielen im Wolfsbau.

Auch der Nachwuchs leidet

Unter der aktuellen Situation leidet auch der Nachwuchs, wie Kati Schmitt bestätigt. "Während die Kinder trainierten, haben sich die Eltern in der Halle getroffen. Jetzt fahren wir unseren Sohn nach Haßfurt, andere sind nach Schweinfurt gewechselt. Der Aufwand ist enorm gestiegen und man sieht sich kaum noch", sagt die Haarderin.

Etwas differenzierter beurteilt Wolfgang Werner die Sachlage. "Unser Thema geht öffentlich fast komplett unter. Für uns stellt sich die Frage, wie lange wir überhaupt noch in den Sportpark gehen können", sagt der Vorsitzende des FC 06 Bad Kissingen. Werners Problem sind nicht die Fußballplätze, die Gerätehalle oder Umkleidekabinen, die Eigentum der Stadt Bad Kissingen sind. Sondern die Sportgaststätte und das benachbarte "Alte Sportheim", die ebenso wie die Eishalle an Alexander Kondrashov verkauft wurden. 5700 Quadratmeter insgesamt, ein Filetstück, das der Ukrainer für den (kolportierten) Schnäppchenpreis von 230 000 Euro erwarb.

"Die Gaststätte ist unser gesellschaftlicher Mittelpunkt, gleichzeitig unsere Geschäftsstelle und unser Treff für die Jugend. Unser Pachtvertrag läuft aber nur noch bis 2022 und danach sind wir raus", sagt Wolfgang Werner. Dessen Verhältnis zu Kondrashov ist dafür deutlich besser als das der Kissinger Wölfe. "Wir haben da ein ganz offenes Verhältnis, sind im regelmäßigen Kontakt und führen vernünftige Gespräche." Eher angespannt sei dagegen die Verbindung zu den Wölfen gewesen aufgrund unterschiedlicher Ansichten zu der Bewirtschaftung in der Halle. Laut Werner ist der gastronomische Part der Eishalle gekoppelt mit dem Pachtvertrag der Gaststätte und somit Sache des FC 06, was im Pachtvertrag klar geregelt sei. "Dann schlossen die Kissinger Wölfe einen Pachtvertrag mit der Eissport GmbH ab und sahen sich offensichtlich an keine Vereinbarungen mehr gebunden." Dabei habe der Fußballverein im Vorfeld großes Entgegenkommen gezeigt. "Unser Motto war: 'Auch die Wölfe brauchen Futter.' Weswegen wir einverstanden waren mit einem zusätzlichen Verkaufsstand in der Halle, eigenverantwortlich betrieben von den Kissinger Wölfen", so Werner.

Komplizierte Gemengelage

Wie kompliziert und vertrackt die Gemengelage ist, davon weiß auch Harry Grundmann zu berichten: Ex-Spieler, Fan und Geschäftsmann mit ausstehenden Forderungen an die Bad Kissingen Eissport GmbH. "Wir haben unsere Forderung mittlerweile an ein Inkasso-Unternehmen übergeben, weil die GmbH sich nicht zuständig gefühlt hat. Dabei umfasste der Auftrag Arbeiten unmittelbar an der Immobilie. Allein die Mahnung zuzustellen war ein Problem."

Zu den Protagonisten gehörte Michael Heinrich an diesem Abend nicht, aber das Schicksal der Kissinger Wölfe ist mit dem Diplom-Finanzwirt und Amtsrat a.D. durchaus eng verbunden. "Wenn Freunde einen um Hilfe bitten, stehe ich gerne bei. Das ist ein Freundschaftsdienst, den ich unentgeltlich mache", sagt der gebürtige Bad Königshöfer, der in Bad Kissingen aufgewachsen ist und im hessischen Obertshausen lebt.

Michael Heinrich ist der Verfahrens-Bevollmächtigte im Insolvenz-Antragsverfahren der Kissinger Wölfe, die "überschuldet und zahlungsunfähig sind". Gut möglich, dass noch in dieser Woche das Insolvenzverfahren eröffnet wird. Was in der Konsequenz heißt, dass der Verein zwangsweise liquidiert wird. Es wäre das traurige Ende eines Traditionsvereins - aber zugleich die Möglichkeit eines Neuanfangs.

TV-Beitrag Mit drei Personen und dem technischen Rüstzeug war das Bayerische Fernsehen nach Bad Kissingen gekommen. Interviews wurden in der Sportpark-Gaststätte, zudem durften die Fans ihr selbstgetextetes Lied vortragen. Und das sogar auf russisch - eine Idee der BR-Leute, die auch für die Übersetzung und das kurze Einstudieren gesorgt hatten. Ausgestrahlt wird der Beitrag am Donnerstag, 20.15 Uhr, im Bayerischen Fernsehen im Rahmen der Sendung "Quer".

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