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Bad Königshofen im Grabfeld
Profi-Sportler allein zu Haus

Kilian Ort: Cool bleiben in der Krise

Aufgrund der Corona-Pandemie muss Kilian Ort oft im "Kämmerchen" trainieren. Der 23-Jährige verrät, warum ihm dennoch nicht die Decke auf den Kopf fällt.
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Tischtennis-Training der besonderen Art: Kilian Ort (links) und seine Freundin Loan Le spielen an einem Mini-Tisch in seinem Elternhaus in Bad Königshofen. Foto: Martha Ort
Tischtennis-Training der besonderen Art: Kilian Ort (links) und seine Freundin Loan Le spielen an einem Mini-Tisch in seinem Elternhaus in Bad Königshofen. Foto: Martha Ort
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Profi-Sportler sind halt auch nur Menschen. Gerne würde Kilian Ort in diesen Tagen sein "normales" Leben als Tischtennis-Profi führen. Doch in Corona-Zeiten muss natürlich auch der Bundesliga-Spieler des TSV Bad Königshofen mit einer ungewohnten Situation irgendwie klarkommen. Das scheint dem 23-Jährigen allerdings ganz gut zu gelingen. Ein Franke lässt sich halt nicht so einfach aus der Ruhe bringen...

Jeden Tag Corona. Wie intensiv verfolgen Sie die Debatten um die Pandemie?

Kilian Ort: Ich schaue am Abend die Nachrichten im TV und wenn es neue wichtige Infos von Virologen oder Politikern gibt, lese ich im Internet nochmal genauer nach. Ich sitze aber nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher und warte auf das x-te Corona spezial extra.

Dann reden wir an dieser Stelle also auch nicht ausschließlich über einen Virus... Wie viele Tischtennis-Schläger besitzen Sie eigentlich?

In meiner Schlägerhülle befinden sich momentan vier Stück. Zu Hause liegen aber noch ein paar ältere Modelle.

Und bei welchem Erfolg würden Sie einen Schläger in eine Vitrine stellen?

Das wird nicht passieren. Wenn ich mit einem Schläger herausragend gespielt habe, will ich mit diesem weiterspielen.

Sie leben in Düsseldorf und Bad Königshofen. Nennen Sie uns doch bitte mal jeweils drei Vorzüge der Groß- und Kleinstadt?

Düsseldorf hat kulinarisch sicher mehr zu bieten, ist verkehrstechnisch deutlich besser angebunden als Bad Königshofen und die Altstadt ist auch eine nette Option, sofern wir außerhalb der wichtigen Saisonphasen sind. Bad Königshofen hat den Vorteil, einen fantastischen Verein mit sehr vielen bescheidenen Menschen haben, die Zusammenhalt vorleben. Zudem ist es deutlich familiärer und entspannen kann man auf dem Land auch besser.

Geben Sie uns bitte mal einen Einblick in Ihren Trainingsalltag: Wie er eigentlich wäre und aktuell ist...

Im Normalfall trainiere ich unter optimalen Bedingungen im DTTZ, dem deutschen Tischtennis-Zentrum, täglich sechs bis sieben Stunden mit meinen Nationalmannschaftskollegen und ausgewählten Sparringspartnern. Im Moment trainiere ich im heimischen "Kämmerchen" etwa zwei Stunden täglich mit meinem Vater oder meiner Freundin, die selbst in der zweiten Bundesliga spielt. Darüber hinaus halte ich mich mit Stabilisations-Übungen und Joggen fit.

Sie sind Profisportler: Sieht Ihre Ernährung in Düsseldorf anders aus als in Bad Königshofen?

Zuallererst muss man wissen, dass ich kein großartiger Koch bin. Mittlerweile versuche ich mehr und mehr auf Fleisch zu verzichten und eher mal einen Fisch oder pflanzenbasiert zu essen. Da die fränkische Küche nur schwer ohne Fleisch auskommt, gelingt mir das in der Heimat schlechter als in Düsseldorf, wo ich ein paar mehr Möglichkeiten habe.

Mizuki Oikawa hat sich entschieden in Japan zu bleiben und damit den TSV Bad Königshofen zu verlassen. Wie überraschend war dies für Sie?

Für mich war es sehr überraschend. Er hat für den TSV großartige Spiele abgeliefert und ist in Bad Königshofen immer gern gesehen. Für den Verein ist es dennoch nicht optimal, wenn ein Spieler Ende März, wo kaum adäquater Ersatz auf dem Markt ist, seinen Vertrag auflösen will.

Ein guter Grund, ihn irgendwann mal zu besuchen? Besteht aktuell Kontakt?

Er hat sich in unser von uns Spielern in der WhatsApp-Gruppe verabschiedet. Sobald die internationalen Turniere wieder starten, werden wir uns wieder über den Weg laufen.

Ihr Verein ist auf der Tischtennis-Landkarte längst kein weißer Fleck mehr, vielmehr eine richtig gute Adresse. Was macht den Standort zu einem besonderen?

Die Geschichte, wie wir von der Landesliga in die 1. Bundesliga aufgestiegen sind, ist einfach großartig. Mit Christoph Schüller und mir hat es der Verein zudem geschafft, zwei Eigengewächse bis in die 2. Bundesliga zu führen. Der wichtigste Punkt ist aber der Zusammenhalt im Verein und allgemein in unserer Kleinstadt. Da wir keine eigene Halle besitzen, braucht es eine Vielzahl fleißiger Helfer, um die Shakehands-Arena so umzubauen, dass wir Spieler und unsere treuen Fans optimale Bedingungen vorfinden. Unsere erste Mannschaft hat ordentliches Bundesliganiveau, unser Helferteam gehört schon seit langem zur Champions League.

Knackig nachgefragt...

Schon mal von Olympia geträumt?

KilianOrt: Natürlich. Da pro Nation allerdings nur drei Athleten starten dürfen und in Deutschland die Konkurrenz groß ist, ist es kein leichtes Unterfangen, sich zu qualifizieren.

Gegen wen würden Sie gerne mal an der Platte antreten...

Jan-Ove Waldner.

Mein Lieblingsplatz ist gerade...

Jeder Platz in der Natur.

Jetzt finde ich endlich wieder Zeit für...

Italienisch lernen.

Wenn die Corona-Beschränkungen weg sind, werde ich als erstes...

... meine Oma besuchen. Natürlich mit der, falls noch nötig, gebotenen Vorsicht.

Dieses Buch lese ich gerade.

Keines. Ich lese aber gerne Sport-Biografien und kann die von Andre Agassi empfehlen.

Diesen Film/Serie sollte jeder gesehen haben...

Forrest Gump. How I met your mother.

Nach der Pandemie: Welcher Urlaub würde Ihnen gefallen?

Da ich sonst viel unterwegs bin, verbringe ich gern Zeit in meiner fränkischen Heimat. Sonst hat es mir auch in Südtirol super gefallen.js