Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

Karl Kaden und sein Team brauchen die Fans

Mit Heimspielen gegen Aufsteiger TSV Mimmenhausen und die YoungStars vom VfB Friedrichshafen starten die Hammelburg Volleys in die Saison.
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Hat sich in Hammelburg bestens eingelebt: Volleys-Trainer Karl Kaden am Weiher vor dem Roten Schloss.Jürgen Schmitt
Hat sich in Hammelburg bestens eingelebt: Volleys-Trainer Karl Kaden am Weiher vor dem Roten Schloss.Jürgen Schmitt

Mit dem 3:1-Sieg über den TSV Unterhaching II endete am 21. April dieses Jahres die Amtszeit von Tado Karlovic, der das Hammelburger Volleyball über viele Jahre geprägt und den Verein in der 2. Bundesliga etabliert hat. Sein Nachfolger ist kein Unbekannter, schließlich war Karl Kaden zuletzt Co-Trainer der Hammelburg Volleys. Wir baten den 46-Jährigen kurz vor dem Ligastart mit den Heimspielen gegen Aufsteiger TSV Mimmenhausen (Samstag, 20 Uhr) und die Youngstars Friedrichshafen (Sonntag, 14 Uhr) zum Interview. Wir haben uns auf ein "Du" verständigt". Daher zum Einstieg: Was ist Volleyball für Dich? Das ist meine Leidenschaft. Im Volleyball habe ich viel erlebt, das alles hat mein Leben irgendwo geprägt und Einfluss genommen. Auch wenn es mein Beruf ist, habe ich Volleyball nie als Arbeit empfunden. Kannst Du uns etwas zu Deiner Vita berichten? Ich lebe in Pforzheim, bin aber in Siebenbürgen in Rumänien geboren, habe dort auch noch eine deutsche Schule besucht. Als Siebenjähriger bin ich mit meiner Familie nach Deutschland gekommen, wo schon Verwandte gelebt haben. Was machst Du beruflich? Was sind Deine Hobbys? Nach dem Abitur habe ich über ein Fernstudium Sportmanagement studiert. Und jetzt bin ich hauptamtlicher Volleyballtrainer. Ich habe eine Wohnung in Hammelburg, bin dort in Sachen Volleyball an den Vormittagen in den Schulen beschäftigt, trainiere an den Nachmittagen verschiedene Jugendmannschaften und an den Abenden natürlich die Zweiliga-Volleyballer. Mein Hobby? Das ist meine Familie, also meine Frau und unser zehnjähriger Sohn. Der Montag ist dann mein Sonntag. Beim Pendeln zwischen Hammelburg und Pforzheim, das sind einfach über 220 Kilometer, bist Du zwangsläufig viel auf der Autobahn unterwegs. Welche Musik läuft bevorzugt? Um die Zeit möglichst sinnvoll zu nutzen, telefoniere ich auf dem Weg nach Hammelburg ziemlich viel, natürlich mit Freisprechanlage. Auf dem Rückweg bleibt mehr Zeit zum Entspannen. Ich höre querbeet, aber aktuell vor allem klassische Klaviermusik vom südkoreanischen Komponisten Yiruma. Die Eltern meiner Frau sind beide Musiker, die haben mir den Tipp gegeben. Wie kam es dazu, voll auf die Karte Volleyball zu setzen? Über den Schulsport bin ich zum Volleyball gekommen und war schon als 17-Jähriger Trainer im Jugendbereich. Irgendwann haben Knie und Körper mir so viele Probleme bereitet, dass ich nur noch Trainer war mit Stationen in Pforzheim, beim TV Lienzingen oder VC Bitterfeld. Vor meinem Wechsel nach Hammelburg war ich Co-Trainer beim MTV Stuttgart. Vor allem in Stuttgart habe ich wertvolle Erfahrungen sammeln können mit Top-Leuten aus dem Volleyballsport. Der Kontakt nach Hammelburg kam über Sportdirektor Jochen Hauke, der mir das Konzept hier vorgestellt und schmackhaft gemacht hat. Das klang schon alles sehr interessant. Wie fit geht die Truppe in die ersten beiden Spiele? Vor einer Woche noch waren die Jungs sehr müde, die Vorbereitung war schon sehr hart. In den vergangenen Tagen haben wir mehr Wert auf die Regeneration gelegt, um uns pünktlich zum Saisonauftakt mit der nötigen Frische präsentieren zu können. Es sind auch alle Spieler an Bord. Bei den Wolf-Brüdern muss ich die Belastung allerdings etwas dosieren, weil Peter und Georg ja erst vor Kurzem ihre Beachvolleyball-Saison beendet haben. Euer Saisonziel? Ganz klar der Klassenerhalt. Wir haben die Mannschaft deutlich verjüngt, sind damit unerfahrener. Aber ich denke, wir haben die richtige Mischung im Team, damit es für den Klassenerhalt reicht. Peter Wolf ist der neue Kapitän. Stimmt. Was daran liegt, dass Felix Bendikowski als Lehrer in Estenfeld nicht mehr bei jedem Training sein kann. Er ist aber der Stellvertreter von Peter und auch im Mannschaftsrat, der diese Personalie entschieden hat. Die Erfahrung von Peter wird uns sicher helfen. Meine Wahrnehmung aus der vergangenen Saison ist, dass die Mannschaft eher aus introvertierten Spielern besteht. Wird die Truppe mit der Verjüngung noch ruhiger und kann das zum Problem werden? Wir haben ja noch ein paar erfahrene Spieler, die eine tragende Rolle spielen. Im Testspiel gegen Bitterfeld haben wir tatsächlich Sätze verloren, was einer gewissen Unerfahrenheit geschuldet war. Aber wir haben mit der nötigen Ruhe und Kontrolle auch wieder in die richtigen Bahnen gefunden und das Match doch noch gewonnen. Wie würdest Du Deinen Führungsstil der Mannschaft gegenüber bezeichnen? Mein Führungsstil ist dem angepasst, was die Mannschaft braucht: Das ist mal der verständnisvolle, mal der etwas lautere Trainer. Im Moment braucht die Mannschaft die Mischung. Ich möchte, dass die Kreativität des Spielers gefördert wird. Ein Spieler soll auch einen Fehler machen dürfen, wenn er versucht, eigene Entscheidungen zu treffen, auch wenn ich selbst eine andere Entscheidung lieber gesehen hätte. Es gibt eine gemeinsame taktische Ausrichtung, innerhalb derer jeder kreativ sein und sich mannschaftsdienlich einbringen kann. Wird der vorgegebene Rahmen verlassen, muss ich eingreifen. Hast Du vor den Spielen eine Marotte oder bist Du abergläubisch? Zugegeben, da gibt es was. Das will ich aber nicht verraten. Die Hammelburg Volleys hatten den besten Zuschauerschnitt der Liga mit etwa 600 Fans pro Begegnung. Dieses Niveau zu halten, ist ebenfalls eine Herausforderung. Klar wünschen wir uns wieder einen ähnlich großen Zuspruch. Das wird nur mit attraktivem Volleyball möglich sein. Vor solchen Kulissen zu spielen, macht natürlich Spaß. Und war für den ein oder anderen Spielern mit ein Grund, nach Hammelburg zu kommen. Was gibt es von der Volleyballakademie zu berichten? Am Ligabetrieb nehmen wir mit einem weiblichen und einem männlichen Team als Stützpunktmannschaft teil, inklusive Spielern aus den Auswahlmannschaften anderer Vereine. Diese Teams können weder auf- noch absteigen. Hier sollen sich die Spieler ohne Druck entwickeln können. Einige Akteure trainieren bereits in unserem Zweitliga-Team. Ich selbst trainiere und betreue die Stützpunktmannschaften. Die Spieltage wurden extra so gelegt, dass das möglich ist. Wofür soll der Volleyball-Standort Hammelburg stehen? Mit der Zweitliga-Mannschaft wollen wir uns stabilisieren und unserem Publikum ein junges, freches und variantenreiches Volleyball bieten. Natürlich wäre es schön, den Klassenerhalt etwas früher zu schaffen als das in der vergangenen Saison der Fall war, auch wenn am Schluss ja doch noch ein guter Mittelfeldplatz mit Rang sechs heraussprang. Und Hammelburg muss wieder für eine sehr gute Jugendarbeit stehen, wie dies in der Historie der Fall war, mit erfolgreichen Auftritten auf bayerischer und gerne auch nationaler Ebene. Die Gegner Groß ist die Euphorie beim TSV Mimmenhausen nach dem Aufstieg in die 2. Liga. Das entscheidende Spiel um die Drittliga-Meisterschaft gegen Friedrichshafen II hatten in der Sporthalle der 3100-Seelen-Gemeinde 870 Zuschauer verfolgt. Gute Bekannte sind die Jungs aus der Talentschmiede des VFB Friedrichshafen, die am Sonntag in der Saaletalhalle eine gute Figur abgeben wollen. Bekanntlich können die "Häfler" weder auf- noch absteigen, sollten von der Qualität her auch keine echte Herausforderung sein - ganz im Gegensatz zu der Truppe aus der Gemeinde Salem, die ebenfalls am Bodensee liegt - keine 25 Kilometer von Friedrichshafen entfernt. Christian Pampel Der Trainer des TSV Mimmenhausen, Jahrgang 1979, ist eine Volleyball-Ikone mit 212 Einsätzen für die deutsche Nationalmannschaft. Der Diagonalangreifer ging nach drei Jahren am Volleyballinternat Frankfurt 1999 zum VfB Friedrichshafen. Danach wechselte der 1,98 Meter große Sportler nach Italien mit einem kurzen Gastspiel 2006 in Griechenland, um anschließend noch einmal für eine Saison zum VfB Friedrichshafen zu wechseln. Nach Stationen in Sibirien, erneut Italien und Südkorea ließ Pampel seine Profi-Karriere in Doha und Katar ausklingen. Seit 2016 ist der zweifache Familienvater Spielertrainer beim TSV Mimmenhausen.



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