Windheim
Fußball

Jule Betz und der harte Weg ins Nationalteam

Selbst ein Kreuzbandriss konnte die 14-Jährige aus Windheim nicht stoppen bei der Erfüllung ihres Traums.
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Der große Augenblick: Jule Betz (Nummer 17) wird im U-15-Länderspiel gegen Belgien eingewechselt.Andre Betz
Der große Augenblick: Jule Betz (Nummer 17) wird im U-15-Länderspiel gegen Belgien eingewechselt.Andre Betz
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DFB-Bus. Abgedunkelte Scheiben. Spannend für jeden Fußball-Fan, der so ein Gefährt sieht. Und Jule Betz? Die saß drinnen! Auf dem Weg nach Tubize als Teil der Nationalmannschaft der U-15-Juniorinnen. Auf dem Weg nach Belgien, um sich einen Traum zu erfüllen.

Über das Projekt "Ballbina kickt" kam Jule Betz beim FC Thulba zum Fußball. Bei den Frankonen spielte die 14-Jährige in diversen Mannschaften. Mit Jungs in einem Team zu kicken, sollte irgendwann zur Normalität werden. Einschüchtern von der männlichen Konkurrenz ließ sich das Mädel aus Windheim jedenfalls nicht. Stattdessen folgte ein erster Karrieresprung in die Bezirksoberliga zur U-14 des FC 05 Schweinfurt. Zu einem Zeitpunkt, als die Tochter von Andre Betz, dem aktuellen Trainer des Bayernligisten TSV Großbardorf, schon für die Bayernauswahl spielte unter Trainerin Friederike "Fritzy" Kromp. Für den traditionsreichen FC 05 Schweinfurt auflaufen zu dürfen empfand die Gymnasiastin als "große Ehre".

Viel Lob von den Trainern

"Der Schritt nach Schweinfurt war entscheidend, um den sportlichen Alltag auf ein höheres Niveau zu heben. Jule zeichnet eine große Geschwindigkeit und Lernfähigkeit aus, lernt taktisch schnell dazu", sagt die Verbandstrainerin. Und erinnert sich, "dass Jule vor diesem Schritt gehörigen Respekt hatte, sich aber längst bestätigt fühlt, weil die Leistung und damit die Akzeptanz in der Mannschaft stimmt."

Was Christian Brauner nur bestätigen kann. "Jule hat Tempo in ihrem Spiel, ist dribbelstark, setzt ihren Körper gut im Zweikampf ein, ist spielintelligent und hat einen guten Abschluss", sagt der U-15-Trainer des FC 05, der mit Jule Dickmeis eine weitere talentierte Spielerin in seiner Bayernliga-Truppe hat. "Ob männlich oder weiblich spielt bei mir aber keine Rolle. Aufgestellt wird nur nach Leistung", stellt der 30-Jährige klar, der sich von seiner Spielerin vielleicht noch etwas mehr Selbstvertrauen im Eins-gegen-Eins wünscht, "aber das ist Meckern auf sehr hohem Niveau."

Im Mai 2017 musste Jule Betz einen großen Rückschlag verkraften mit einem Kreuzbandriss, passiert beim Länderpokal in Duisburg gleich im ersten Spiel gegen die Vertretung Nordrhein-Westfalens. "Jule hatte gerade das 1:0 vorbereitet und letztlich nur 20 Minuten gespielt. Aber schon in dieser kurzen Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Umso schöner, wie sich der Kreis jetzt geschlossen hat", freut sich "Fritzy" Kromp. Auch Christian Brauner staunt, wie stark seine Spielerin nach dieser schweren Verletzung zurückgekommen ist, "das spricht für ihren Ehrgeiz."

Länderpokalspiele sind Highlights

Ein Jahr später wurde Jule Betz, soeben erst fit geworden, erneut zu diesem Sichtungsturnier aller Landesverbände an die Wedau berufen. "Das war für mich schon eine positive Überraschung, dass ich wieder dabei war", erinnert sich die Schülerin. Länderpokal-Spiele sind Highlights. Die Spiele werden professionell von Kameras aufgezeichnet, der DFB ist mit großem Trainer- und Betreuerstab vertreten, darunter mit Bettina Wiegmann die Nationaltrainerin der U-15-Juniorinnen und deren Videoanalystin Saskia Bartusiak, beides ehemalige Nationalspielerinnen. Mit Wiegmann steht FC 05-Trainer Christian Brauner übrigens in regelmäßigem Kontakt für ein gegenseitiges Feedback zu den Leistungen von Jule Betz.

"Wenn man auf dem Platz steht, spielt keine Rolle, wer da alles zuschaut. Da will ich immer nur meine beste Leistung abrufen, zeigen, was ich kann und dem Team helfen", sagt Jule Betz, die ihr fußballerisches Profil zusätzlich schärft bei den regelmäßigen, gewöhnlich über drei Tage gehenden Lehrgängen, meistens an der Sportschule in Oberhaching. Kein Wunder, dass die Leichtathletik keine so große Rolle mehr spielt. "Wettkämpfe bestreite ich nicht mehr, aber trainieren tue ich hin und wieder noch,, weil es Spaß macht und auch für den Fußball etwas bringt."

Von ihrer ersten Berufung ins Nationalteam hatte die Schülerin von einer Teamkollegin erfahren, die die entsprechende E-Mail des DFB schneller gelesen hatte. "Ich konnte das erst gar nicht glauben und habe mich unglaublich über diese Chance gefreut. Das war das, was ich schon immer wollte", spricht Jule Betz immer noch mit großer Begeisterung.

Vier Tage vor dem Testländerspiel gegen Belgien stieg die Windheimerin in Würzburg in den Zug nach Mönchengladbach, wo ein mehrtätiger Lehrgang im Kreis der Nationalmannschaft angesetzt war, ehe am Mittwochfrüh der DFB-Bus vorfuhr. Noch am selben Tag stand für Jule Betz, inzwischen mit allerlei DFB-Textilien neu eingekleidet, das Spiel der Spiele auf dem Programm im "National Football Center" in Tubize.

Nach der sogenannten Aktivierung ging es in die Kabine, in der Bettina Wiegmann die Aufstellung bekanntgab. Jule Betz saß zunächst auf der Bank. "Natürlich hätte ich gerne von Anfang an gespielt. Aber ich war ja das erste Mal dabei; da war die Hoffnung auf die Startelf natürlich nicht so groß", erinnert sich die 14-Jährige, die eine von nur zwei Spielerinnen war, die nach dem Sichtungslehrgang drei Wochen zuvor im nordrhein-westfälischen SportCentrum Kaiserau kurzfristig in den Kader aufgenommen wurden. Eine knappe halbe Stunde war noch zu spielen, als Jule Betz das Zeichen zur Einwechslung bekam - und kurz darauf Nationalspielerin war. Drei Minuten später erzielte das deutsche Team den 2:1-Siegtreffer durch Hadil Larbaoui. Und inmitten der ausgelassen jubelnden Spielertraube war ein stolzes Mädchen aus der unterfränkischen Provinz.

"In dem Moment denkt man nicht daran, für die Nationalmannschaft zu spielen. Man macht halt sein Ding; das war irgendwie ganz normal. Erst als das Adrenalin wieder aus dem Körper war, habe ich das alles realisiert", sagt Jule Betz, die ihre Geschichte natürlich inzwischen schon oft erzählt hat im Freundes- und Bekanntenkreis. Und in der Schule. Am Hammelburger Frobenius-Gymnasium wird die junge Sportlerin im Rahmen des Möglichen unterstützt, was gerade in Zeiten von Schulaufgaben an seine Grenzen stößt. "Das alles ist manchmal ganz schön stressig, aber in jedem Fall zu machen", sagt Jule Betz, zumal bei Fußball-Lehrgängen der Verband eigens Lehrer zur schulischen Unterstützung abstellt.

Eine Bestätigung

"Dass Jule Nationalspielerin ist, macht auch uns stolz, denn es ist eine Bestätigung für unsere Arbeit im Verein", sagt der Schwemmelsbacher Christian Brauner, der Jule Betz und einige andere Spielerinnen regelmäßig von einem Treffpunkt zum Training und zurück bringt.

Im neuen Jahr wird bei Jule Betz alles wieder seinen gewohnten Gang nehmen. Schule, Vereinsfußball mit mindestens drei Trainingseinheiten in der Woche, Lehrgänge und Auswahlspiele. Jetzt wird mit der Familie aber erst einmal Weihnachten gefeiert. Einen Wunsch möchte sich das Mädchen aus "Winne" selbst erfüllen: "Beim nächsten Länderspiel will ich unbedingt wieder dabei sein."

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