Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

Jens Feistel: der Fotograf mit schwarzem Gurt

Der 45-Jährige setzt die Hammelburg Volleys auch am Samstag (20 Uhr) gegen den Tabellenführer aus Karlsruhe bildlich in Szene.
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Jens Feistel setzt die Hammelburg Volleys visuell perfekt in Szene. Foto: Sebastian Thums
Jens Feistel setzt die Hammelburg Volleys visuell perfekt in Szene. Foto: Sebastian Thums

Es ist kurz nach Ende des Auswärtsspiels der Hammelburg Volleys in Mainz. Jens Feistel, der zuvor gespannt den Liveticker verfolgt hat, wartet auf das Siegerbild von Dirk Rehmeier, der an diesem Tag live vor Ort ist. Der Spielervater ist quasi ein "Kollege", der bei vielen Auswärtsspielen dabei und ebenfalls leidenschaftlicher Fotograf ist. Feistel kombiniert das Bild mit der von ihm gestalteten Vorlage, um das Ergebnis zeitnah auf Instagram zu veröffentlichen, einem Medium vornehmlich für die junge Gefolgschaft der Hammelburg Volleys.

Es ist 15 Minuten nach Spielende, der MVP soeben verkündet, das Posting online.  "Wir wollen zeitnah über die Spiele berichten, aktuell sein und unsere Community schnell mit Infos versorgen", sagt der 45-Jährige, der mit Pressesprecher Olly Wendt für die Betreuung der sozialen Medien zuständig ist.

Doch viel lieber ist Feistel selbst derjenige, der live vor Ort ist, knipst und damit eine Sportart "in den Fokus" rückt, der sonst nur wenig Aufmerksamkeit zuteil wird. Dass Bilder Emotionen transportieren, haben die Hammelburger PR-Verantwortlichen früh erkannt. "Sobald wir auf unseren sozialen Medien Bilderserien von unseren Spielen posten, explodieren die Klickzahlen", weiß Feistel.

Der richtige Zeitpunkt

Zu seinem "Job" kam der Frammersbacher durch Tochter Hannah, die im Hammelburger Bayernligateam spielte. "Ich habe Olly (Wendt) gefragt, ob er meine Bilder haben wolle. Weil bei den Volleys quasi parallel Fotografen ausfielen, bin ich zunächst sporadisch eingesprungen und irgendwann war ich regelmäßig dabei", sagt Feistel, der mit Wendt ein festes Schema vereinbart hat, wie und wann etwas veröffentlicht wird. "Wir wollen die Marke 'Hammelburg Volleyball' schärfen und für Wiedererkennbarkeit sorgen", erklärt Olly Wendt.   Nach den Spielen gibt's das Ergebnis, dann kommt der MVP, erst auf Instagram, anschließend auf Facebook. Am Sonntagabend geht der Zeitungsbericht vom Spiel online.

Als der Kader der Volleys stand, lud Jens Feistel das Team vor Saisonbeginn zum Fototermin in den Hammelburger Bocksbeutelkeller, um den regionalen Bezug herzustellen. Im Anschluss ging es darum, die Bilder den offiziellen Regularien der Volleyball Bundesliga anzupassen und diese entsprechend zu bearbeiten. Um sich im nächsten Schritt zu fragen, wie und wann man die Bilder am besten einsetzt.

Wenn Feistel mal nicht für die Hammelburger fotografiert, feilt er dank einer entsprechenden Akkreditierung bei Erstligist United Volleys an seiner "Technik". Auch einen Workshop hat er schon besucht, in Berlin mit Besuch beim dortigen Erstligisten Recycling Volleys. "Jens ist Perfektionist und es macht riesen Spaß mit ihm zu arbeiten, weil er immer neue Ideen mitbringt", sagt Wendt über seinen Kollegen, der bei Heimspielen auch mal andere Aufgaben übernimmt, wie den Part des von der Liga vorgeschriebenen Heimspielkoordinators als Schnittstelle von Schiedsrichtern, Gastgeber und Liga.

Beachtliche Erfolge

Die Affinität zum Leistungssport kommt nicht von ungefähr. Der 45-Jährige war von 1982 bis 1996 erfolgreicher Judoka und kämpfte für seinen Heimatverein Lohr sogar in der 2. Bundesliga. "Ich weiß, was die Jungs leisten, wie sie ihren Körper teilweise schinden und wie viel Freizeit man opfern muss, um im Leistungssport erfolgreich zu sein", sagt Feistel, dessen Erfolge im Judo sich sehen lassen können. So wurde Feistel im Jugendbereich mehrfach bayerischer Meister, wurde deutscher Meister der U18 und sogar Vize-Weltmeister mit der Jugendnationalmannschaft.

Mittlerweile ist der Familienvater etwas ruhiger geworden, ist oft auf dem Mountainbike unterwegs und steht eben mittlerweile gerne auf der anderen Seite des Objektivs. So wie am Samstag wieder, wenn seine Jungs in der Saaletalhalle das Team aus Karlsruhe zu Gast haben. "Ich liebe die tolle und familiäre Atmosphäre und den Zusammenhalt der Jungs."

Jens Feistel wird nach dem Spiel wieder der Erste am Smartphone sein, das Bild in die Ergebnisvorlage übertragen, es auf Instagram hochladen. "Morgen bekommst du die Bilder für Facebook, Montag kannst du das neue Titelbild hochladen und denke dran, das neue Spiel zu bewerben. Die Vorlage schicke ich dir", wird Olly Wendt zu hören bekommen. So ist es ritualisiert, und so ist es gut.olly

Der Gegner Mit den Baden Volleys SSC Karlsruhe (1./24) kommt am Samstag (20 Uhr) der Spitzenreiter der 2. Volleyball Bundesliga ins Hammelburger Wohnzimmer, der die Tabellenführung allerdings realistisch einschätzt: "Wir sind megaglücklich, ganz oben zu stehen", sagte Coach Antonio Bonelli nach dem erfolgreichen Doppelspiel-Wochenende gegen Unterhaching und Frankfurt. "Aber es ist auch nur eine Momentaufnahme. In der Liga sind acht Mannschaften mit oben dabei. Wir hatten bislang eine nahezu perfekte Hinrunde." Obwohl die Hammelburger ebenso acht Siege auf ihrem Konto haben wie der Primus, sind die Saalestädter mit 21 Zählern Fünfter aufgrund der Punktverluste bei den Tiebreak-Erfolgen. Ein solcher wurde unlängst in Frankfurt errungen, als das Team erneut großen Kampfgeist zeigte.

Der Plan "Die Stille Nacht muss noch etwas warten", sagt Hammelburgs Teambetreuer Sebastian Becker, der sich neben vollen Rängen noch einmal alles andere als besinnliche Stimmung beim letzten Heimspiel 2019 im heimischen Wohnzimmer wünscht. Und eine Rechnung haben die Saalestädter ja auch noch offen, setzte es doch im Pokalwettbewerb eine deutliche 0:3-Niederlage in eigener Halle.

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