Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

Hammelburg Volleys stellen Karlsruhe kalt

Die Saalestädter lassen auch deshalb dem Gast keine Chance, weil der Gegner selbstverschuldet ohne Libero antreten muss.
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Schlag mit Schmackes: Luca Dierks platziert das Leder quasi ohne Gegenwehr im Karlsruher Feld.Sebastian Schmitt
Schlag mit Schmackes: Luca Dierks platziert das Leder quasi ohne Gegenwehr im Karlsruher Feld.Sebastian Schmitt
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Hammelburg Volleys - SSC Karlsruhe 3:0 (25:13, 25:18, 25:22).

Den Luxus einer noch warmen Pizza hatten sich die Spieler der Hammelburg Volleys redlich verdient. Gegen 22 Uhr ist Liefertermin, doch da wird gewöhnlich noch um Sätze und Sieg geblockt und geschmettert. Diesmal genügte eine Tatort-Länge zum unerwartet klaren Erfolg über den zuletzt durchaus überzeugenden SSC Karlsruhe, der viermal in Serie gewonnen, auch das Hinspiel gegen die Unterfranken im Tiebreak für sich entschieden hatte. Die Chancenlosigkeit der Gäste hatte eine nicht unerhebliche Vorgeschichte. "Auf diesem Niveau ist das entscheidend. Der Fehler ist mir unterlaufen. Und damit habe ich Unruhe in meine Mannschaft gebracht, die personell eh schon geschwächt war", sagte Stefan Bräuer. Der SSC-Trainer hatte nämlich in der vorgegebenen Zeit vergessen ("Da war ich mit dem Kopf woanders"), auf dem elektronischen Spielberichtsbogen das "Häkchen" beim Libero zu setzen. Was zur Folge hatte, dass Defensivspezialist Benjamin Dollhofer seinen eigentlichen Job nicht ausüben durfte. "So war ich zu vielen Umstellungen gezwungen, und die mit dem Libero war eine zu viel. Das muss alles ja erst einmal greifen, was uns eigentlich erst im dritten Satz gelungen ist."

In die Karten gespielt

Ein Fehler, der den Saalestädtern natürlich in die Karten spielte. Die aber eine derart starke Vorstellung ablieferten, dass auch ein Karlsruhe in Bestbesetzung einen schweren Stand gehabt hätte. Es passte einfach an diesem Abend, zumal auch die über 600 Fans zur Höchstform aufliefen. "Die Jungs haben die ausgegebene Taktik voll eingehalten. Und der Gegner hat so gespielt, wie wir es nach Videoanalyse und Scouting erwartet haben", sagte Volleys-Trainer Karl Kaden, der diesmal kaum Wechsel vornahm, um den Lauf seiner Mannschaft nicht aufs Spiel zu setzen. "Das ist sicher nicht schön für die Spieler, die draußen sind. Andererseits ist das ein gutes Gefühl zu wissen, jederzeit mit Qualität nachlegen zu können."

Im ersten Satz konnten die Badener bis zur ersten technischen Auszeit das Spiel offen gestalten, lagen bei der zweiten aber bereits mit 9:16 zurück, weil insbesondere Oscar Benner und der spätere MVP Moritz Rauber verlässliche Punktesammler waren. Nicht zuletzt dank der bockstarken Zuspiele von Jackson Maris, der selbst für mitunter spektakuläre Punktgewinne sorgte. Beim 21:11 war die Vorentscheidung in diesem Satz gefallen, der zur Demonstration Hammelburger Stärke geriet. Verwöhnt wurde das Publikum auch danach gegen offensichtlich verunsicherte Karlsruher, die erneut relativ fix abgeschüttelt wurden (16:10). Nur wenige Unkonzentriertheiten leisteten sich die Hammelburger, die dafür diverse Schmankerl servierten wie den Trickball von Nils Rehmeier oder den Monsterblock von Luca Dierks. Das Selbstvertrauen der beiden jungen Neuzugänge steht stellvertretend für den unübersehbaren Formanstieg der Saalestädter.

Beeindruckende Punktgewinne

Nach dem Show-Auftritt der "Blauen Funken" der Hammelburger Karnevalsgesellschaft in der obligatorischen Pause sollte es erstmals spannend werden. "Der Gegner hatte nichts mehr zu verlieren und bei den Aufschlägen mehr riskiert. Das war nicht einfach für uns, aber wir haben dann wieder unser Spiel gefunden", analysierte Karl Kaden den dritten Satz, in dem die Gäste immer wieder knapp führten. Erneut waren es beeindruckende Punktgewinne, die das Pendel zu Gunsten der Hammelburger ausschlagen ließ. Wie der fabelhaft platzierte Ball von Felix Bendikowski zum 15:15 oder der mit zwei herausragenden Aktionen von Libero Lukas Spachmann eingeleitete Block zum 20:17. Wirkungstreffer, die beispielsweise dazu führten, dass ein Bendikowski-Ball nicht verteidigt wurde, der von einem SSC-Akteur im Aus gesehen wurde, aber deutlichst im Feld aufschlug. "Im dritten Satz haben wir unsere Chancen liegen gelassen, trotzdem Kompliment an meine Mannschaft, wie sie mit all den Rückschlägen umgegangen ist", sagte Stefan Bräuer, während sich sein Trainerkollege darüber freute, "mit jetzt 25 Punkten erst einmal beruhigt schlafen zu dürfen." Aber etwas Grundsätzliches wollte Karl Kaden noch loswerden vor dem anstehenden Derby gegen Eltmann in der Brose-Arena in Bamberg. "Nicht nur das Spiel macht mich stolz. Sondern auch die Arbeit der Jungs im Training, sodass wir uns Stück für Stück verbessern konnten." Der Libero beim Volleyball - eine besondere Position Hintergrund Seit dem Jahr 1999 gibt es im Volleyball die Position des Liberos. Dieser Eingriff in das Regelwerk hatte den Sinn, eine Stärkung der Abwehr herbeizuführen und die Spiele auf diese Weise zu verlängern und spannender zu gestalten.

Regeln Anders als die Zuspieler, Außenangreifer, Mittelblocker und Diagonalspieler, trägt der Libero der Mannschaft kein einheitliches Trikot. Es muss sich farblich von denen der anderen unterscheiden. Es darf immer nur ein Libero auf dem Feld stehen. Häufig werden die Liberos sehr spezifisch eingesetzt. Das heißt, es gibt einen Annahmespezialisten und einen Abwehrspezialisten. Da der Libero nur auf den hinteren Spielpositionen eingewechselt werden darf, sind ihm auch nur in diesem Bereich Aktionen möglich und erlaubt. Das Ausführen eines Angriffs ist ihm nicht gestattet, wenn der Volleyball im Moment der Berührung, komplett oberhalb der Netzoberkante ist.

Anforderungen Der Libero sollte sich in allen Positionen des Volleyballs gut auskennen, da er so die Aktionen des Gegners besser einschätzen kann. Allerdings sollte seine deutliche Stärke im Bereich der Abwehr liegen. Dazu sollte der Spieler besonders schnell und über gute Reflexe verfügen. Seine Funktion gleicht ein wenig der eines Dirigenten, der seine Mitspieler lenkt, daher ist ein gewisses Geschick in der Koordination und Organisation notwendig. Quelle: www.volleyballfreak.de

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