Hammelburg
Volleyball

Hammelburg Volleys nervenstark zum Sieg

In einem aufreibenden Spiel gegen Abstiegskandidat Fellbach zeigten die Hammelburg Volleys neue Qualitäten.
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Trug mit seinen Zuspielen zum Sieg der Hammelburg Volleys bei: Jackson Maris (Mitte), hier beobachtet von Teamkollegen Nils Rehmeier und zwei Fellbacher Spielern.ssp
Trug mit seinen Zuspielen zum Sieg der Hammelburg Volleys bei: Jackson Maris (Mitte), hier beobachtet von Teamkollegen Nils Rehmeier und zwei Fellbacher Spielern.ssp

Hammelburg Volleys - #RotesRudel Fellbach 3:1 (19:25, 25:20, 34:32, 25:23). Es gibt Momente im Volleyball, die bleiben über die Saison hinaus im Gedächtnis kleben. So einer dürfte der 3. Satz werden, den die Hammelburg Volleys und das #RoteRudel Fellbach in der Saaletalhalle ausspielten. Nicht nur, weil er mit 34:32 ungewöhnlich hoch ausging und extrem umkämpft war. Er zeigte Qualitäten, die die Volleys in der Hinrunde vermissen ließen.

War es Überheblichkeit nach zwei gewonnenen Auswärtsspielen in Friedrichshafen und beim TSV Mimmenhausen? Oder der Druck, nach diesen beiden Erfolgen den dritten Abstiegskandidaten daheim besiegen zu müssen? Auf jeden Fall geriet der erste Satz der Volleys - das lässt sich nicht anders sagen - zum Vergessen. Nach ausgeglichenem Beginn verloren die Spieler den (Spiel-)Faden.

Am besten ließ sich das in der Annahme bei Lukas Spachmann beobachten, der Probleme hatte. Aber auch der Kanadier Jackson Maris, der seine Premiere vor Hammelburger Publikum erlebte, agierte nicht optimal. Obwohl seine Zuspiele die Volleys variabler erscheinen ließen, kamen sie oft zu niedrig, was Schmetterer wie Oscar Benner und Moritz Rauber ihrer Wirkung beraubte.

Fellbach wirkte in dieser Phase stabiler, auch spielfreudiger. Auffällig Spielertrainer Thiago Jose Welter mit einigen Monsterblocks. Durch Unkonzentriertheiten geriet Hammelburg mit 7:11 in Rückstand. Eine Aufschlagserie von Moritz Rauber brachte die Volleys zwar wieder heran (10:11). Doch ab da hechelten sie stets einem Rückstand hinterher. So war es typisch, dass Fellbach einen Schmetterball von Benner parierte, so den Satzgewinn klarmachte.

Ganz anders gingen die Hammelburger Satz Nummer 2 an. Endlich einmal stand der Block konsequent; die Spannung im Team und in der Halle war eine ganz andere. Der Lohn: ein zwischenzeitliches 7:2. Doch der brasilianische Spielertrainer Welter, der eigentlich gar nicht mehr so viel mitmischen wollte, führte sein Rotes Rudel wieder heran: 11:11. Nun waren die Volleys wieder verunsichert; schon ausgesehene Bälle des Gegners kratzten die Linie. Oder sie prallten von der Annahme an die Decke.

Doch Fellbach konnte - auch wegen schlechter eigener Aufschläge - die Schwäche der Gastgeber nicht nutzen und davonziehen. Im Gegenteil. Doch als die Hammelburger einen erneuten Drei-Punkte-Vorsprung von 16:13 auf 16:17 verspielten, wechselte Trainer Karl Kaden: Jackson Maris raus, Zuspieler-Kollege Hannes Krochmann.

Der 19-Jährige werde dem Team noch helfen, wenn er reinkomme, hatte Kaden vor dem Spiel orakelt. Und er half. Hammelburg setzte sich auf 23:20 ab - und machte den Satz glücklich zu. Der Schiedsrichter pfiff einen Angriff der Fellbacher wegen unsauberen Spiels zurück: 24:20. Und weil sich ein Rudel-Spieler ungebührlich beschwerte, gleich Rote Karte sowie ein Punkt für den TV/DJK hinterher. 25:20, Satzgewinn und Ausgleich nach Sätzen.

Was nun folgte, war an Ausgeglichenheit und Spannung kaum zu überbieten. Keines der Teams ließ das andere, bis auf einmal kurz, mehr als zwei Punkte davonziehen. Ständig wechselte die Führung.

Das blieb so bis kurz vor Satzende, wobei sich lange, umkämpfte Ballwechsel mit leichten Punktgewinnen (Angaben ins Netz, Ball rutscht über die Finger) abwechselten. Die 514 Zuschauer standen hinter ihrem Team, bejubelten jeden abgewehrten Satzball (davon gab es für den Gegner einige) und jede eigene Führung.

Die Entscheidung läutete der wieder mitwirkende Jackson Maris ein, als er bei 31:32 einen Ball auf Höhe Netzmitte etwas überraschend im Fellbacher Feld versenkte und ausglich. Beim 33:32 stand der Hammelburger Mittelblock goldrichtig. Und schließlich blockte Moritz Rauber einen Rotes-Rudel-Angriff geschickt und glücklich: 34:32. Unbändiger Jubel.

Dieser gewonnene Krimi sollte den Hammelburgern doch Selbstvertrauen für den 4. Satz geben. Und sie legten tatsächlich gut los: 3:0, der Block stand und Oscar Benner schmetterte.

Doch die Volleys wären nicht die Volleys, wenn sie derlei Vorsprünge souverän verwalten könnten. Allerdings ließen sie sich durch den 3:3-Ausgleich nicht mehr schocken und legten wieder vor: 6:3. Der bei Fellbach vorher so präsente Brasilianer Thiago Welter spielte keine so überragende Rolle mehr. Einmal rutschte ihm der Ball bei der Annahme über die Finger und er ließ sich auswechseln.

Zwar wurden die Hammelburg Volleys beim Stand von 17:11 noch einmal unkonzentriert; Fellbach kam auf 20:18 heran. Doch dann hatten die Gastgeber vier Satzbälle. Den letzten verwandelten sie endlich - wie so oft im Spiel durch einen einfachen Fehler des Gegners. Welters Angabe landete im Aus.

Wieviel Nerven das Match gekostet hatte, zeigte sich an Trainer Karl Kaden. Der schnaufte auf einem Stuhl neben dem DJ-Pult erst einmal durch. "Diese drei Punkte waren enorm wichtig. Die Kulisse zuhause und das Gewinnenmüssen haben uns ein wenig gehemmt und uns zu relativ leichten Fehlern gebracht. Wir haben anfangs die Taktik nicht ganz eingehalten. Am Ende des 1. und im 2. Satz haben wir uns nach und nach besonnen und wieder an unsere Stärken geglaubt. Im 3. Satz haben wir eindrucksvoll bewiesen, wie nervenstark wir sein können. Riesenkompliment ans Team."

Seinen neuen Zuspieler Maris sah Kaden am Beginn des Spiels recht nervös. Er habe es am Anfang schwer gehabt, weil durch den Fellbacher Druck jeder in der Annahme gewackelt habe und die Bälle nicht perfekt zu ihm kamen. Schritt für Schritt sei das Team stabiler geworden. Dann habe Maris ins Spiel gefunden und phasenweise gezeigt, was er kann. Kaden glaubte nie daran, den 3. Satz zu verlieren. Dort habe sich die mentale Stärke seiner Jungs gezeigt.

Jackson Maris war nach seinem ersten Heimspiel für Hammelburg von der Atmosphäre begeistert. "Sie war unglaublich. Die 500 Fans haben sich angehört wie 2000." Nervös sei er zu Beginn nicht gewesen, habe aber wie die ganze Mannschaft gebraucht, ins Spiel zu finden.

Thiago Welter beklagte, dass vor dem Spiel sein Mittelblocker ausgefallen sei. Daher habe man meist über eine Seite kommen müssen, was anfangs gut funktionierte. Doch die Volleys hätten sich bald darauf eingestellt. "Bei Hammelburg sieht es jetzt, auch mit dem neuen Zuspieler, viel besser als als in der Hinrunde." Er, der eigentlich kürzer treten wollte, wolle fitter werden, um seinem Team helfen zu können.

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