Hammelburg
Volleyball

Hammelburg Volleys: "Mission Wohnzimmer" ist geglückt

Nach drei Heimniederlagen in Folge wollten die Hammelburg Volleys zum Start der Rückrunde wieder einen Sieg einfahren. Das gelang, auch wenn das 3:2 gegen Aufsteiger TuS Kriftel einige Mängel offenbarte.
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Moritz Zeitler war im Heimspiel gegen Aufsteiger TuS Kriftel einer der besten Hammelburger. MVP wurde aber überraschend Mannschaftskamerad David Baden. Links Zuspieler Laurentiu Vinatoru. Foto: Jens Feistel
Moritz Zeitler war im Heimspiel gegen Aufsteiger TuS Kriftel einer der besten Hammelburger. MVP wurde aber überraschend Mannschaftskamerad David Baden. Links Zuspieler Laurentiu Vinatoru. Foto: Jens Feistel

Hammelburg Volleys - TuS Kriftel 3:2 (23:25, 25:19, 22:25, 25:23, 19:17).

Hallensprecher Oliver Wendt appellierte vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger Kriftel in Donald-Trump-Manier an Team und Publikum: "Make our 'Wohnzimmer' great again" (extrem frei übersetzt: Macht die Saaletalhalle wieder zur Heimfestung). Das gelang. Auch wenn die Hammelburg Volleys in einem turbulenten Spiel fünf Sätze und viel Glück brauchten.

Luca Dierks oder Janick Sill: Wen würde Trainer Cornel Closca als Mittelblockers spielen lassen? Das war die Frage vor dem Match. Die Antwort: beide. Wobei Sill begann und insgesamt mehr Spielzeit bekam, als der aus einer Verletzung kommende Dierks. Dafür fehlte Nils Rehmeier erkältet. Oscar Benner ging geschwächt aufs Feld.

Im 1. Satz gerieten die Hammelburg Volleys gegen den Aufsteiger auch durch Pech in Rückstand (3:6), kämpften sich zurück und legten vor. Mit Moritz Zeitlers Dusel-Angabe-Ass mit Netzroller zum 9:7 schien der Satzgewinn auf den Weg gebracht. Denn die Volleys fanden immer eine Antwort, wenn Kriftel sich heranarbeitete; sie hielten immer mindestens einen Zwei-Punkte Vorsprung.

Bis zum 20:17. Da brachte Kriftels Felix Blume eine stolze Sechs-Punkte-Aufschlagserie durch. Die Angaben waren hart, ja. Doch die Hammelburger schlugen oder blockten den Ball ins Aus oder das eigene Feld.

So lag plötzlich Kriftel mit 20:23 vorn. Und auch wenn danach Blumes Serie endete und sich die TV/DJKler dank eines wütenden Moritz Zeitler auf 23:24 heransaugten, hatten die Gäste nach langem Ballwechsel das bessere Ende für sich.

So standen die Gastgeber schon im 2. Satz unter Druck. Der verlief zunächst ähnlich dem ersten. Nach ausgeglichenem Beginn spielte sich Hammelburg ein 11:8 heraus. Beim Stand von 13:11 kam David Baden für Oscar Benner, dem an diesem Abend vor allem bei seinen Aufschlägen wenig gelang.

Die Rechnung ging auf: Badens erster Aufschlag legte die Grundlage für das 14:11. Wenig später sein erster direkter Punkt zum 18:14. Zuvor hatten die Volleys eine Aufschlag-Miniserie des immer besser werdenden Zeitler durchgebracht. Der Vorsprung hielt. Zeitler war es vorbehalten, den Satz erfolgreich zu beenden. Ausgleich geschafft.

Doch den psychologischen Vorteil nahmen die Gastgeber nicht in den 3. Satz mit. Wieder schlug Felix Blume für die Gäste auf; wieder kamen die Hammelburger nicht zurecht, machten viele "Eigenfehler". Erst mit dem 1:4 stoppten sie Blumes Serie. Und liefen fortan einem Rückstand hinterher. Spektakulär der Punktgewinn zum 7:9, als bei einem langen Ballwechsel nach mehreren Rettungsaktionen Moritz Rauber einen Krifteler Ball blockte und der im gegnerischen Feld landete.

Dennoch: Erst nach einer starken Phase des wieder eingewechselten Benner glichen die Volleys aus (13:13). Und führten kurz darauf mit 16:14. Zwar schlug wieder Blume auf; doch Benner beendete den Spielzug humorlos für Hammelburgs.

Was folgte, war der zweite unerklärliche Einbruch der Gastgeber. Aus einem komfortablen 20:17 wurde ein 21:23 - auch weil Cornel Closcas Team nicht mit drei Wechseln von Kriftels Trainer Tim Schön zurechtkam. Auch die Einwechslungen von Zuspieler Hannes Krochmann und David Baden halfen nicht. In der Saaletalhalle herrschte Ernüchterung ob des einen verlorenen Matchpunktes.

Hammelburg unter Druck

Und wieder lag der Druck bei den Hammelburgern, diesmal nicht sogar das ganze Spiel zu verlieren. Den 4. Satz brachten sie aber vergleichsweise sicher über die Bühne. Wobei es durch teils haarsträubende Fehler und verwunderliche Schiri-Entscheidungen eng wurde (21:21). Wieder konnte Zeitler den Satzball zum 25:23 "finalisieren". Ein Matchpunkt gewonnen.

Über den zweiten und damit das Wohl und Wehe der "Mission Wohnzimmer" musste der Tie-Break entscheiden. Hier lagen die Volleys bis zum 10:11 stets zurück - um gerade noch so die Kurve zu bekommen und tatsächlich 14:12 zu führen.

Doch es passte zu diesem Spiel, dass die Gastgeber den Matchball nicht verwerteten. Plötzlich stand es 16:17 für Kriftel. Das jetzt richtig Pech hatte. Denn einen Ball, der haarscharf an der hinteren Linie des Hammelburger Feldes aufkam, gaben die Schiris "Aus": 17:17 statt 16:18 und Sieg für Kriftel, dessen Spieler heftig protestierten.

Es war die entscheidende Szene. Mit einem guten Block, dessen Abpraller die Gäste nicht mehr ins Spielfeld zurückbrachten, legten die Gastgeber zum 18:17 vor. Und als ein Krifteler die Hammelburger Angabe nur an die Hallendecke lenken konnte, war das Spiel spektakulär für den TV/DJK entschieden. "Mission Wohnzimmer" gerettet, auch wenn spielerische Mängel den Eindruck trübten.

Überraschend verlief die Wahl des wertvollsten Spielers des Matches (MVP). Der wurde nicht etwa der starke Moritz Zeitler, sondern David Baden. Gäste-Trainer Tim Schön begründete seine Wahl: "Er war einer der jüngsten Spieler, der auf dem Feld stand. Er kommt rein und macht keinen Fehler. Er hat Ruhe ins Spiel reingebracht, hat clever gespielt. In einem so hitzigen Spiel seinen Mann zu stehen; da hat er verdient, die Medaille zu kriegen". Schön war mit dem einen Punkt zufrieden. "Man hat gesehen, dass beide Teams noch fehlerhaft spielen und in engen Situationen gern mal einen Fehler mehr einstreuen. So war das Quäntchen Glück auf Hammelburger Seite."

Baden selbst war über seine Wahl überrascht. Zumal er mit Oscar Benner einen starken Konkurrenten auf der Position des Diagonalspielers habe. Gerade im Aufschlag habe sein Team viele Fehler gemacht und den starken Konkurrenten ins Spiel zurückgebracht. Auch im Angriff habe es Schwächen gegeben. Ihm selbst sei vieles gelungen, weswegen er gut ins Spiel gekommen sei.

Trainer Closca fand die Wahl Badens als MVP passend. Die Leistung seines Teams "gegen einen sehr guten Gegner" sei nach der Pause, wo man nicht viel habe trainieren können, gut gewesen. Den Unterschied habe in dieser Partie der Aufschlag gemacht.

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