Hammelburg
Motorsport

Glücksmomente für Ralleyfahrer und ihre Fans

Bei der sechsten Auflage der "ADAC Toyo Tires Rallye Fränkisches Weinland Hammelburg" verwies Routinier Rudolf Reindl die Youngsters (noch) auf die Plätze.
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Dabei sein ist nicht alles: Christian Görke/ Daniel Kraus ernteten mit ihrem Studebaker Power Hawk viel Aufmerksamkeit.Karlheinz Franz
Dabei sein ist nicht alles: Christian Görke/ Daniel Kraus ernteten mit ihrem Studebaker Power Hawk viel Aufmerksamkeit.Karlheinz Franz
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Rudolf Reindl gab bei der "6. ADAC Toyo Tires Rallye Fränkisches Weinland Hammelburg" mächtig Gas und fuhr als Gesamtsieger über die Ziellinie. Der 58-jährige Oberbayer mit Co-Pilot Michael Ehrle hatte nach mehr als 35 anspruchsvollen Wertungsprüfungs-Kilometern einen Vorsprung von 19,3 Sekunden herausgefahren. Gesamtrang Zwei ging an den 25-jährigen John Macht samt Co. Felix Kießling (Gefrees). Dritter im Bunde der Tagesschnellsten wurde eine halbe Sekunde dahinter Patrik Dinkel (Rossbach/21 Jahre) mit Co. Hans Peter Wollner. Das Führungstrio vertraute auf die bewährte Technik des Mitsubishi Lancer Evo. Großes Lob und viel Anerkennung von allen Seiten erntete der AMSC Hammelburg als Veranstalter des Motorsport-Events für die Neuausrichtung des Wettbewerbs. Drei statt bisher zwei Wertungsprüfungen, dabei eine an Kompaktheit kaum zu überbietende Gesamtstrecke und das ideale Rallye-Zentrum rund um die Schwedenberghalle haben - gepaart mit einer organisatorischen Meisterleistung - einen hervorragenden Eindruck hinterlassen.

Zum neuen Rallye-Konzept gehört auch die Übernahme von mehr Eigenverantwortung durch den AMSC. Gut ausgebildete WP-Leiter aus den eigenen Reihen und Rallye-Urgestein Gerhard Hochwimmer in seiner neuen Funktion als Leiter der Streckensicherheit haben gemeinsam mit rund 200 Helfern einen tollen Job gemacht. "Wir sind das erste Mal hier und total überrascht von dieser wunderschönen Veranstaltung. Ein großes Kompliment an das Orga-Team!" Diese Worte kamen aus berufenem Munde: Gesamtsieger Rudolf Reindl ist nach getaner Arbeit voll des Loebes. Und sein Co-Pilot Michael Ehrle pflichtet ihm bei. "Diese Rallye sucht ihresgleichen im weiten Umkreis. Glückwunsch zu dieser professionell durchgeführten Veranstaltung." Beide versprachen, bei einer möglichen Neuauflage im kommenden Jahr ihren Gesamtsieg von 2018 zu verteidigen.

Die drei Wertungsprüfungen (WPs) hatten es in sich. Tagessieger Reindl bezeichnete die WPs als "selektiv. Sie beinhalteten alles, was das Rallyefahrerherz begehrt." Bergauf- und Bergab-Passagen, schnelle und langsamere Kurven, Kehren und Beschleunigungsstrecken wechselten sich stetig ab und forderten die Fahrer in ihren leistungsstarken Autos. WP I/IV wurden bei Sulzthal auf der Bergrennstrecke gefahren. WP II/V führten von Machtilshausen aus in Richtung Wasserlosen. WP III/VI fanden auf der Lagerbergstraße oberhalb von Pfaffenhausen statt.


Führung kontinuierlich ausgebaut

Reindl begann von Anfang an, sich von der jungen Konkurrenz abzusetzen. Zwei Sekunden legte er in Sulzthal vor, weitere drei in Machtilshausen, und am Lagerberg war es noch einmal eine Sekunde. Nach der Hälfte der Distanz führte er das Feld mit 10,4 Sekunden Vorsprung an. Ungeachtet dessen gab der 58-Jährige seinem Mitsubishi weiter ordentlich die Sporen. 3,7 Sekunden Vorsprung auf WP Sulzthal II und noch einmal 2,9 Sekunden auf WP Machtilshausen II ließen das Zeitpolster auf komfortable 18,9 Sekunden anwachsen. Erst in der letzten WP lupfte Reindl öfter den Gasfuß begnügte sich hinter Macht und Bernd Michel mit Rang Drei.


Das Unmögliche geschafft

Hinter Reindl entbrannte ein harter Kampf um die Plätze. Der 21-jährige Patrik Dinkel lag hinter Reindl bis nach WP V mit 5,2 Sekunden auf Rang zwei der Tageswertung. John Macht wollte es auf der letzten WP wissen, ließ den Evo 6 förmlich fliegen und schaffte noch das Unmögliche. Im Ziel hatte der Gefreeser eine halbe Sekunde Vorsprung vor Dinkel, der den sicher geglaubten zweiten Platz noch abgeben und mit Gesamtrang Drei vorlieb nehmen musste.
Organisationsleiter Sven Hochwimmer, der großes Lob für die perfekte Vorbereitung der Rallye erntete, griff zugleich als Lokalmatador ins Geschehen ein. Gemeinsam mit Co-Pilot Marco Hartung bewegte der Trimberger den Opel Astra GSi 16V absolut am Limit und ließ mit sehr guten WP-Zeiten aufhorchen. Trotz eines Schaltfehlers, einer kurzzeitigen Stromkreisunterbrechung und einer beschädigten Auspuffanlage kam das Duo auf Gesamtrang 14 ins Ziel. Mit beherztem Einsatz gewannen sie zugleich die starke Wertungsgruppe der Classic Touring Cars (CTC).
Mit der Wahl-Untererthalerin Nadine Herold startete eine weitere Amazone aus dem Raum Hammelburg. Die geborene Thüringerin saß neben Marcel Schuhej im Honda Civic R und wollte dem Fuldaer eigentlich das "Gebetbuch" vorlesen. Eigentlich deshalb, weil die Antriebswelle des Civic bereits in der ersten Kurve der ersten WP ihren Dienst quittierte und die Rallye damit gelaufen war. "Die Organisatoren haben sich so eine Mühe gegeben. Wir hätten diese schöne Rallye gerne zu Ende gefahren. Leider hat uns der technische Defekt einen Strich durch die Rechnung gemacht", bedauerte Herold sehr.


Erste Erfahrung gesammelt

Und noch ein junges Team aus und um Hammelburg griff ins Geschehen ein. Mit dem 24-jährigen Michael Mathes aus Diebach und seinem 21-jährigen Co. Henrik Koch aus Oberthulba könnte sich alsbald ein neues Team im hiesigen Rallyesport etablieren. Beide fuhren mit ihrem VW Golf II in der so genannten Retro-Wertung und damit nicht auf Bestzeit. Vielmehr war es ihre Aufgabe, die vorgegebene Sollzeit einzuhalten. Das schafften beide auch mit einer Genauigkeit von 4,23 Sekunden. "Für unsere erste Veranstaltung überhaupt ist das vollkommene in Ordnung", bilanziert "Michel" Mathes am Ende der Rallye. Der junge Diebacher ist schon seit vielen Jahren Motorsportfan. "Vor einem Jahr habe ich den VW Golf gekauft, jetzt können wir endlich Wettbewerbe fahren."


Jetzt muss der Papa ran

Kleiner Wermutstropfen für den bereits Rallye-Zukunftspläne schmiedenden Diebacher: "In der letzten WP ist der Motor kaputt gegangen, vermutlich ein Lagerschaden. Wir haben uns gerade noch so ins Ziel nach Elfershausen gerettet. Jetzt muss erst mal Papa ran und den Motor reparieren." Der Ramsthaler Dietmar Seufert war an der Seite von Rainer Weiß (Poppenhausen) im Peugeot 205 GTi unterwegs. Beide wurden gute Neunte in der Retro-Wertung.
Bei der Siegerehrung in der Schwedenberghalle dankte AMSC-Vorsitzender Ralf Deinlein der Marktgemeinde und dem FC Elfershausen für die Gastfreundschaft. Zweiter Bürgermeister Jürgen Englert sieht in der mittlerweile vierten Veranstaltung vor Ort eine gut gewachsene Beziehung zwischen Marktgemeinde und AMSC. Danach gab es Pokale und Bocksbeutel für Sieger und Platzierte.

Rallye 35 1. Rudolf Reindl/ Michael Ehrle (Lohkirchen/ Schmalkalden), Mitsubishi Lancer Evo, 20:48,9 Minuten; 2. John Macht/ Felix Kießling (Gefrees), Mitsubishi Lancer Evo 6; 21:08,2; 3. Patrik Dinkel/ Hans Peter Wollner (Rossbach/ Ebensfeld), Mitsubishi Lancer Evo 9 RS; 21:08,7; 4. Bernd Michel/ Bernd Hartbauer (Schwarzenbach a.W/ Sargans), Subaru Impreza WRX, 21:13,6; 5. Reinhard Honke/ Melanie Kalinke (Himmenkron/ Passau) Mitsubishi Lancer Evo 9, 21:24,8; 6. Kai Otterbach/ Nico Otterbach (Wimsheim), BMW 320 IS, 21:43,3; 7. Max Schmid/ Melanie Schmid (Leonberg), Peugeot 306 RS, 22:00,4; 8. Philip Schwarz/ André Riedl (Wolfhagen), Mitsubishi Lancer Evo 6, 22:04,5; 9. Franz Negratschker/ Daniel Scharf (Wiesau/ Kemnath), VW Golf 1,4 G60, 22:09,6; 10. Wolfgang Stopfer/ Sabine Heinzel (Tirschenreuth/ Hof), 22:12,3; 14. Sven Hochwimmer/ Marco Hartung (Trimberg/ Schlitz), Opel Astra GSi 16V, 22:34,2.

Retro 1. Bernd Lutz/Stefan Sawinsky (Zell /Eggolsheim), VW Golf 1 GTI, 0,86 Sekunden Differenz zur Idealzeit; 2. Martin Bernhardt/ Carolin Bernhardt (Nidda), Opel Manta B, 0,97; 3. Wolfgang Michalsky/ Fabian Michalsky (Schutterwald), Alfa Romeo Giulia Rallye, 1,67.

Statistik 93 Nennungen insgesamt; 11 Absagen; Rallye 35: 64 Nennungen, 53 Startberechtigte, 50 Starter, 37 Teilnehmer in Wertung, 13 Teilnehmer außer Wertung; Retro: 29 Nennungen, 25 Startberechtigte, 25 Starter, 25 Teilnehmer in Wertung.


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