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Fußballer finden Spiele an Fasching "Käse"

Weil ihre Akteure im närrischen Treiben eingebunden sind, passen manchen Vereinen im Fußballkreis Rhön die Wochenend-Ansetzungen nicht.
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Fußball oder Faschingszug? Wie bei anderen im Fußballkreis Rhön beißt sich für die Westheimer Kreisligisten der Spielplan mit dem närrischen Treiben.ssp, Gerd Schaar
Fußball oder Faschingszug? Wie bei anderen im Fußballkreis Rhön beißt sich für die Westheimer Kreisligisten der Spielplan mit dem närrischen Treiben.ssp, Gerd Schaar

Der närrische Frohsinn dauert dieses Jahr ungewöhnlich lange - bis 5. März. Für einige Vereine der Kreisliga und A-Klasse im Fußballkreis Rhön ein ernsthaftes Problem. Beginnt doch für sie am Wochenende der letzten Faschingszüge und Prunksitzungen die Restrunde. Da droht Spielermangel. Für einen Verein geht es um noch mehr.

Peter Haupt von der SpVgg Haard ist gelinde gesagt angefressen. "Ich habe 40 Jahre Fußball gespielt, aber nie um Punkte direkt an Fasching", sagt der Abteilungsleiter des Spitzenreiters der A-Klasse Rhön 2. An diesem Sonntag, 14 Uhr, empfängt seine Mannschaft laut Plan den SV Garitz. Für Haupt eine "bodenlose Frechheit".

Denn am Tag zuvor findet im Sportheim der Kinderfasching statt, ausgerechnet unter dem Motto "Es lebe der Sport". Viele der Spieler sind in Organisation und Ablauf eingebunden; des Weiteren wirken einige bei einer Faschingstanzgruppe mit.

Haupt weiß jetzt schon, dass Haard "notgedrungen mit der Hälfte der Reserve" antreten wird. Er glaubt, dass die SpVgg das Match verlieren und die so wichtige Tabellenführung einbüßen wird. "Wenn es denn so läuft, mache ich mir durch so eine Ansetzung die gesamte Saison kaputt."

Ändern kann der Abteilungsleiter an dem Sonntags-Termin nichts; der SV Garitz habe erklärt, antreten zu wollen. "Sie haben bereits ein Nachholspiel und wollten kein weiteres." Auch auf schlechtes Wetter und einen schlechten Platz, die zur Spielabsage führen könnten, kann Haupt nicht hoffen. Er habe wegen der Ansetzung beim BFV in München angerufen. Dort interessiere der Haarder Fasching nicht, sagt er.

Maximilian Schaub hält die ursprüngliche Ansetzung des Auswärtsspiels seines Rhöner Kreisligisten FC Westheim beim FC Strahlungen am Sonntag für "absoluten Käse". Da steige in Westheim der Faschingszug, "das größte Ereignis im Ort seit zwei Jahren".

Immerhin hätten beide Vereine das Match um einen Tag vorziehen können; am Sonntag wären eh keine Westheimer Zuschauer in Strahlungen erschienen. Dennoch müssten die Spieler in den sauren Apfel beißen. Fasching am Freitag falle für sie aus. Stattdessen heiße es: früh ins Bett gehen und wenig oder keinen Alkohol mehr trinken.

Bei der Wintertagung des Fußballkreises Rhön in Wollbach hatte ein Vertreter des Kreisligisten Bayern Fladungen vorgeschlagen, alle Spiele des Faschingswochenendes zu verlegen. "Das ist so generell nicht möglich" hatte Kreisspielleiter André Nagelsmann geantwortet. Nur im Einzelfall, wenn der Gegner mitspiele.

Im Fall der Fladunger tat der Kontrahent Großbardorf II das - ähnlich wie Garitz mit Haard - nicht. Also spielen sie, obwohl die Spieler laut Abteilungsleiter André Weiß "selber im Fasching aktiv sind" und das Team geschwächt antrete.

Kurzfristige Verlegungsanträge gab es seit der Wintertagung nicht, teilt Nagelsmann auf Anfrage mit. Was nicht heißt, dass sich Vereine nicht langfristig gekümmert hätten. Der TSV Steinach sollte Sonntag gegen Trappstadt antreten. "Das ist ein ungünstiges Wochenende. Beide Orte haben traditionsreiche Faschingsumzüge. Es ist unmöglich, da zu spielen", sagt Sebastian Wehner, Abteilungsleiter Fußball beim Gastgeber. Um eine Vorverlegung von Sonntag auf Samstag habe man sich früh im alten Jahr gekümmert; im November dann den 22. April als neuen Spieltermin vereinbart.

Auch Kreisligist FC Reichenbach wollte laut seinem Abteilungsleiter Jonas Schäfer ursprünglich verlegen. Doch mit Gegner Burgwallbach fand sich kein passender Termin. Also gibt es für das Samstagsspiel einen Kompromiss: "Wir weichen nach Burghausen oder Windheim aus", sagt Schäfer. Hintergrund: Am Samstag- und Sonntagabend steigen im Reichenbacher Sportheim Kappenabende. Und dort sind die Spieler nach ihrem Match voll eingebunden.

Übrigens: Nur weil der Spielplan Verlierer produziert, heißt das nicht, dass es keine Gewinner gibt. Jochen Hesselbach, Pressewart des Kreisligisten SV Ramsthal, freut sich am Sonntagnachmittag auf das Duell gegen spielstarke Gerolzhöfer. Im trüben November sei die Begegnung ausgefallen; jetzt würden angenehmes Wetter und ein guter Platz ein spannendes Match versprechen. Vielleicht gerate der 2. Platz in der Kreisliga Schweinfurt wieder in Sichtweite.

Hesselbach hat gut reden. Findet doch zeitgleich in Ramsthal keine Faschingsveranstaltung statt. Gleiches gilt für den Bezirksligisten FC Thulba, der am Samstag in Altbessingen auflaufen wird. Dort zogen die Narren schon am vergangenen Sonntag durch den Ort.

Bereits vor vier Wochen hat der TSV Rannungen sein Kreisliga-Spiel gegen den TSV-DJK Wülfershausen auf 30. April verlegt. Laut Abteilungsleiter Michael Hobelsberger geschah dies auf Wunsch der faschingsgestressten Gäste.

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