Römershag
Interview

Für wen "Jimmy" Galloways Herz schlägt

James Gallowy spielt gerne beim SV Römershag und ist dort Spielertrainer. Im Interview spricht er über den Fußball und wofür sein Herz schlägt.
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James Galloway spielt gern beim SV Römershag, trägt aber seinen Heimatort Wildflecken im Herzen.Sebastian Schmitt
James Galloway spielt gern beim SV Römershag, trägt aber seinen Heimatort Wildflecken im Herzen.Sebastian Schmitt

Auf dem Fußballplatz ist James Galloway ein Allrounder, fühlt sich aber im Sturm am wohlsten. Im Interview erzählt der 33-jährige, verheiratete Verpackungsmittelmechaniker, warum das so ist und erklärt die Umstellung vom Spieler zum Spielertrainer. Zudem plaudert "Jimmy" über die aktuelle Saison mit dem SV Römershag, bei dem er sich sehr wohlfühlt. Die Vorrunde ist fast absolviert. Der SV Römershag belegt derzeit Platz sieben und führt eine Mittelfeldgruppe an, die zu den Spitzenplätzen schon ein bisschen Abstand hat. Wie bewertest Du den bisherigen Saisonverlauf? James Galloway: Der Rundenverlauf war für uns bisher recht unglücklich. Es waren zu viele Unentschieden dabei, die wir hätten gewinnen müssen. Von diesen sechs Remis war lediglich eine Partie dabei, wo ich mit dem Punkt zufrieden war und das war das 2:2 in Schondra. Nur wenn man die zahlreichen Chancen nicht nutzt, die wir uns erarbeitet haben, steht man im Mittelfeld und nicht da, wo ich uns gerne sehen würden. Hätten wir nur drei Tore mehr geschossen in den Spielen, würde unser Rückstand auf Platz zwei nur zwei Punkte betragen. Vor Wochenfrist habt ihr beim Tabellenzweiten Obereschenbach bereits 2:0 geführt, am Ende aber noch 2:3 verloren. Was war da los? Die 2:0-Führung war verdient, denn wir haben dem Gegner das Leben echt schwer gemacht. Aber wie sagt man so schön: Das Spiel dauert 90 Minuten. Ab Minute 46 hatte der Gegner gefühlt 70 Prozent Ballbesitz und konnte seine starke Offensive mehr und mehr ins Spiel bringen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie Kapital daraus schlugen. Dank unseres Tormanns ging das Spiel nicht höher aus. Gegen Obereschenbach muss man das Spiel in ihre Hälfte verlagern, denn ihre Abwehr stand nicht so gut. Dies ist uns leider in der zweiten Hälfte nicht gelungen. Euer Ziel lautete vor der Saison: "oben mitspielen". Auf Platz eins ist Mitabsteiger Oberthulba weit enteilt. Geht noch was nach vorne, zum Beispiel auf Platz zwei? Der Zug ist fast abgefahren, würde ich sagen. Nur wenn wir einen Lauf hinlegen und unsere direkten Konkurrenten schlagen, sehe ich noch eine Chance auf Platz zwei. Oberthulba wird das Ding aus meiner Sicht machen. Sie waren bisher auch die einzige Mannschaft, gegen die wir kein Land gesehen haben. Am Sonntag empfangt Ihr zum Derby den TSV Volkers. Auf eigenem Platz habt Ihr in fünf Spielen fünf Mal Unentschieden gespielt. Wie ist die Marschroute gegen den TSV, der auswärts selbst nur einmal gewonnen hat? Meine Marschroute ist, wie meine persönliche Marschroute immer war beim Fußball und immer sein wird: 'Alles Opfer außer der FC Bayern' (lacht). Damit meine ich, man sollte nie vor irgendeinem Gegner Angst haben, egal auf welchem Platz er in der Tabelle steht oder wie viele Tore er diese Saison geschossen hat. Alle Teams kochen nur mit Wasser und jeder ist schlagbar, außer eben der FC Bayern München. Und dies versuche ich meiner Mannschaft zu vermitteln. Also werden wir mit breiter Brust auftreten und ganz klar auf Sieg spielen. Letzte Saison kickte der SV Römershag nach längerer Zeit wieder mal in der Kreisklasse. Warum hat es am Ende nicht gereicht, die Klasse zu halten? Ich glaube, dass die Mannschaft noch nicht so weit war für die Kreisklasse. Wir haben über die gesamte Runde zu viele blöde Gegentore bekommen. Dieses Jahr hätten wir aus meiner Sicht dort besser abgeschnitten. Es war vergangene Runde Deine erste Saison als Spielertrainer. Wie meisterst Du den Spagat, die Mannschaft zu coachen, gleichzeitig aber auch selbst auf dem Platz zu stehen? Zu Beginn war es schon eine größere Umstellung als ich dachte, mal auf der anderen Seite zu stehen - als Trainer. Über das Sportliche machte ich mir keine Sorgen, nur dieses dann auch der Mannschaft richtig zu vermitteln und in welchem Ton, während man selber gerade auf dem Platz steht und an seine Grenzen geht, dass ist nicht ganz so einfach, wie man es sich vorstellt. Mittlerweile habe ich da schon eine Routine gefunden und man gewöhnt sich daran. Als Spieler bist Du schon etwas rumgekommen, warst vor Deinem Engagement in Römershag unter anderem beim SV Riedenberg in der Bezirksliga am Ball. Wo war es bisher am schönsten? Sportlich gesehen ganz klar beim SV Riedenberg, da man neben sich einige bessere Spieler hatte als man selbst. Und der damalige Aufstieg in die Bezirksliga ist auch ein Highlight meiner Fußball-Karriere. Aber im Herzen bleibe ich immer ein Wildfleckener! In Riedenberg galtest Du als Allrounder und wurdest auf verschiedenen Positionen eingesetzt. In Römershag standest Du sogar schon im Tor. Was ist Deine Lieblingsposition? Das ist ganz klar der Stürmer. Ich durfte in meiner ganzen Jugend nie im Angriff spielen und bin erst mit 26 Jahren in Riedenberg als Stürmer aufgelaufen. Der Grund war nicht, dass ich vorne so schlecht war, sondern ich war einfach immer nur besser im Verteidigen als die Anderen. Spielen wollte ich in der Defensive nie. Ich habe mal als Libero in der A-Klasse 23 Tore in der Saison geschossen. Das sagt, glaube ich, einiges über meinen Drang, nach vorne zu spielen und Tore schießen zu wollen, aus. Gab oder gibt es einen Gegenspieler, der für Dich besonders unangenehm zu bespielen war? Thomas Vorndan aus Riedenberg. Wenn der am Ball ist, kann man ihn, wegen seiner langen Beine, schwer davon trennen. Welcher Trainer hat Dich am meisten gefördert in Deiner Karriere? Artur (Arek) Trebacz. Der hat mich mit 16 Jahren in der Ersten Mannschaft eingesetzt und auch sechs Jahre trainiert. Er kann einen richtig fit machen und das war immer eine meiner Stärken. Wenn Du am Wochenende Zeit hast, für welches Spiel beziehungsweise für welche Mannschaft würdest Du Dich interessieren? Ich würde mir ein Spiel vom SV Riedenberg anschauen, um zu sehen, was aus meinem alten Team geworden ist. Ich habe sie schon länger nicht mehr auf dem Feld gesehen. Das letzte Mal war gegen Großbardorf in der Sommervorbereitung. In der Bundesliga hat der FC Bayern München gerade eine Krise. Was meinst Du, woran liegt denn das? Es liegt am zu alten Kader vorne. Sie spielen nicht mehr so wie in den besten Zeiten und sind auch nicht mehr so hungrig wie noch vor einigen Jahren. Ribbery, Robben, Müller sowie Lewandowski, vor allem Müller und Lewandowski taugen nichts mehr. Der FC Bayern müsste mal wieder ein bisschen Geld in die Hand nehmen, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Zudem sollten sie mehr junge Wilde einsetzen wie Coman, der aber leider wieder mal verletzt ist. Aber als Krise würde ich es nicht bezeichnen, eher als Formtief. Der neue Trainer Nico Kovac kann nichts dafür. Wie schätzt Du die Bundesliga im Vergleich zu den anderen europäischen Ligen in England, Spanien, Italien und Frankreich ein? Ich finde, sie ist besser, als die meisten sagen. Nur Geld schießt bekanntlich auch Tore und mit England und Spanien können wir da nicht mithalten. Für die englischen Fans ist es aber schade, dass es günstiger für sie wäre, nach Deutschland zu fliegen und hier ein Top-Spiel zu schauen, als bei ihrem Heimatverein eine Eintrittskarte zu kaufen für 300 Euro. Was hat es mit dem Ort auf sich, den Du fürs Foto gewählt hast? Das Sportgelände vom SV Römershag. Da fühle ich mich gerade sehr wohl und fand es angebracht, bei meinem aktuellen Verein das Foto zu schießen. Das Gespräch führte Stephan Penquitt



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