Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

Für Christian Pampel hätte es Handschellen gebraucht

Die Qualitäten des ehemaligen Nationalspielers setzen Hammelburg schachmatt. Am Sonntag gelingt beim Schlusslicht ein knapper Sieg.
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Keinen Zugriff auf Mimmenhausens Spielertrainer Christian Pampel (rechts) bekamen die Hammelburg Volleys. Auch dieser Block von Nils Rehmeier (links) und Moritz Rauber beeindruckt den Ex-Nationalspieler nicht die Bohne. Foto: Jens Feistel
Keinen Zugriff auf Mimmenhausens Spielertrainer Christian Pampel (rechts) bekamen die Hammelburg Volleys. Auch dieser Block von Nils Rehmeier (links) und Moritz Rauber beeindruckt den Ex-Nationalspieler nicht die Bohne. Foto: Jens Feistel

Hammelburg Volleys - TSV Mimmenhausen 0:3 (22:25, 18:25, 24:26).

Eine Tatort-Länge war's in der Saaletalhalle, aber kein Krimi. Etwas mehr Spannung hätten sich die Fans in den 90 Minuten jedenfalls gewünscht. Die fehlte, weil der "Täter" schnell überführt war. In Person von Christian Pampel nämlich, der sich allen Hammelburger Festnahme-Versuchen erfolgreich widersetzte. Handschellen hätte es gebraucht, um den 202-fachen Ex-Nationalspieler unter Kontrolle zu bekommen. Der 40-Jährige wurde vollkommen zu Recht zum Gold-MVP gewählt unter dem gewohnt fairen Applaus des Publikums, das zu Beginn des Spiels erwartungsfroh sein durfte ob des guten Starts der Volleys mit prima Angriffsaktionen.

Aber die Truppe vom Bodensee blieb gelassen und spielte ihren Stiefel blitzsauber herunter, mit mannschaftlicher Geschlossenheit und einer extrem niedrigen Fehlerquote. Aus einem 3:5-Rückstand machten die Gäste eine 11:7- und 16:11-Führung, auf die die Hammelburger nur partiell eine Antwort hatten. Eine Initialzündung hätte der irre Hecht-Lob von Luca Dierks zum 16:18 sein können, aber sobald der Ausgleich in Reichweite war, streuten die Saalestädter in verhängnisvoller Zuverlässigkeit Fehler ein mit schwachen Angriffsbällen und einer Reihe von verschlagenen Angaben. "Wir haben anfangs kaum Fehler gemacht. Das bringt unheimlich viel Druck auf den Gegner, wenn der keine einfachen Punkte machen kann. Im letzten Satz haben wir uns zwei, drei Fehler in der Mitte erlaubt, prompt war es wieder eng", analysierte Pampel.

Chronisch weite Streuung

Die weite Streuung im Hammelburger Spiel wurde im zweiten Satz mitunter chronisch. Was dazu führte, dass der Funke eher selten aufs eigentlich gut gestimmte Publikum übersprang. Der Monsterblock von Kapitän Oscar Benner inklusive Urschrei hätte einen Funkenflug entfachen können, aber Glaube und Selbstvertrauen waren an diesem Abend kaum abzulesen aus den Gesichtern des Heimteams. Der (angedeutete) Biss in den Ball von Moritz Zeitler war Bildsprache genug, um den Verlauf des Satzes zu beschreiben.

"Unsere Annahme war stabiler als zuletzt gegen Freiburg. Und die Angaben-Fehler wurden weniger, als wir mehr Float-Aufschläge eingestreut haben. Das Manko war diesmal der Angriff", konstatierte Hammelburgs Trainer Cornel Closca, der auf der Zuspiel-Position dem jungen Hannes Krochmann den Vorzug vor Routinier Laurentiu Vinatoru gegeben hatte, nicht zuletzt aufgrund der guten Trainingseindrücke. "Seine Leistung war gut, aber als Mannschaft haben wir nicht unsere gewohnte Leistung abrufen können", so Closca.

Weil mit Christian Pampel "Mr. Zuverlässig" weiter ablieferte, wurde es zunächst wieder nichts mit einer Hammelburger Führung. Aber das Match sollte noch seine dramatischen Momente haben, als ausgerechnete der Gästetrainer menschelte, sich eine kleine Schwächephase leistete. Tolle Punkte von Luca Dierks, Nils Rehmeier, Moritz Rauber und Oscar Benner machten nicht nur Fehler wett, sondern sorgten endlich für eine Führung - sowie einen Satzball (24:23). Pures Pech, dass der Angriffsball von Oscar Benner um Zentimeter das Spielfeld verfehlte. Zwei Punkte später bejubelten die Baden-Württemberger ihr Happyend im Unterfränkischen. "Manchmal läuft es einfach, erklären kann man das nicht. Vom Kopf her war es ein angenehmes Spiel für uns, weil wir nicht der Favorit waren. Wir sind nie von unserem Plan abgewichen, haben nicht mehr gemacht, als wir im Training einüben. Und Hammelburg war heute sicher nicht an seinem Maximum", bilanzierte Pampel, der nach dem knappen Klassenerhalt im Zweitliga-Premierenjahr als Saisonziel 38 Punkte ausgegeben hat, "mit denen man sicher in dieser sehr ausgeglichenen Liga bleiben sollte."

Die Lockerheit der Bodensee-Truppe hätten sich die Hammelburger allemal erlauben können nach dem tollem Saisonstart, an dem die Niederlage der Vorwoche nichts ändert. "Die Jungs haben sich aber zu viel Druck selbst gemacht", wusste Closca. Ein ungelöster Fall für Oscar und die Detektive. Fortsetzung folgt.

VI Frankfurt - Hammelburg Volleys 2:3 (25:23, 18:25, 25:11, 23:25, 10:15).

Gegen das bis dato punktlose Frankfurter Volleyballinternat war den Saalemännern nach der Niederlage vom Vorabend klar: "Hier müssen drei Punkte her." Wie gegen Mimmenhausen, waren es in Durchgang eins vor allem Aufschlagserien des Gegners, die einen Spielfluss verhinderten. Den Gastgebern gelangen zweimal drei Punkte und einmal fünf Punkte in Folge, sodass sich die Internatler über den erst vierten Satzgewinn der Saison freuen konnten. Vielleicht hatte es genau diesen Weckruf benötigt, denn ab dem zweiten Durchgang wirkten die Volleys frischer, entdeckten ihren Ehrgeiz wieder - und dazu die Sicherheit im Aufschlag. Auch wenn das Team von Dominik von Känel sich immer wieder als unbequem erwies, waren es vor allem die Aufschlagserien von Zuspieler Laurentiu Vinatoru sowie Moritz Rauber, die am Ende den fast erlösenden Satzausgleich bescherten.

Die Wende lässt auf sich warten

War das die erhoffte Wende? Fehlanzeige! Nach vier Aufschlägen in Folge vom Frankfurter Kapitän Ben Bierwisch, musste Hammelburgs Headcoach beim 3:7 bereits zum Mittel der Auszeit greifen. Beim 5:10 kam Hannes Krochmann für Vinatoru und David Baden für Oscar Benner. Der kurzzeitige taktische Wechsel sorgte zumindest etwas für frischen Wind, ließ die Gäste auf drei Punkte verkürzen. Beim 14:18 brachte Closca Ben Stoverink für Moritz Zeitler auf der Außen-Annahmeposition. Doch Frankfurt spielte seinen Vorsprung souverän nach Hause und sorgte damit bereits zu diesem Zeitpunkt für eine faustdicke Überraschung. Hammelburg wirkte verunsichert, ließ schon wieder Serien von Aufschlägen zu. Beim 6:9 drehte Closca noch einmal das Personalkarussell: Ein Schachzug der sich auszahlen sollte dank jugendlicher Unbekümmertheit - Tie-Break!

Im Entscheidungssatz vertraute Cornel Closca wieder der Startformation. Mit drei Aufschlag-Winnern sorgte Nils Rehmeier für die Mini-Führung, die Hammelburgs Kapitän Oscar Benner ausbaute (8:5). Beim 10:7 entschied sich Closca nochmals für einen Doppelwechsel. Halbwegs souverän wurde der Vorsprung ins Ziel gebracht, sodass es mit einem tiefblauen Auge und zwei Punkten im Gepäck auf die Heimreise ging.

"Es ist immer schwer, gegen eine Mannschaft zu spielen, die frei aufspielen kann. Nicht zuletzt durch die Wechsel wurden wir sicherer. Ben hat nach seiner Einwechselung viel Herz gezeigt und verdient von Oscar die MVP-Medaille übertragen bekommen. Schade, dass es kein Heimspiel war, sonst hätten die Kritiker gesehen, wie viel Herz und Mumm die Mannschaft hat", bilanzierte Co-Trainer Klaus Baden.olly

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