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LKR Bad Kissingen
Zwangspause

Fanclubs: Über allem steht die Gesundheit

Der ruhende Fußballbetrieb trifft die Mitglieder der Fanclubs hart. Wie die Betroffenen mit dieser Ausnahmesituation umgehen und Maßnahmen bewerten.
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Als diese Aufnahme entstand, durften die  Kurstadtborussen noch in ihren Dortmunder Fußball-Tempel. Jetzt sind die Fans quasi ausgesperrt.   Foto: Burkhard Karch
Als diese Aufnahme entstand, durften die Kurstadtborussen noch in ihren Dortmunder Fußball-Tempel. Jetzt sind die Fans quasi ausgesperrt. Foto: Burkhard Karch

Mit der gerne von hochrangigen Funktionären vielzitierten Einigkeit von Amateuren und Profis ist es oft ja nicht so weit her. In diesen Tagen schon, denn die Corona-Pandemie lässt den kompletten Fußballbetrieb ruhen. Quasi doppelt betroffen sind die Fanclubs, deren Mitglieder ihrem Bundesliga-Verein die bedingungslose Treue halten - und oftmals selber die Schuhe für einen Verein schnüren. Grund genug, um sich bei den Fanclubs im Landkreis mal umzuhören. Immerhin ein Quartett war bereit, sich unseren Fragen zur aktuellen Situation zu stellen. Und zwar Lukas Karch, Gründungsmitglied der Kurstadt-Borussen (Borussia Dortmund), Bernd Friedrich, Gründungsmitglied und Vorsitzender vom FC Bayern Fanclub Saaletal, Nico Fuchs von der Central Crew MG (VfL Borussia Mönchengladbach) und Alexander Enzmann, Vorsitzender der Rhöngeier (Borussia Dortmund).

Hattet Ihr Fahrten zu Spielen geplant, die nun wegen Corona abgesagt wurden?

Lukas Karch (BVB): Wir hatten Fahrten zu Spielen gegen Bayern München und Hertha BSC geplant.

Bernd Friedrich (FCB): Ja, wir hatten uns sehr auf das Champions League-Rückspiel gegen Chelsea gefreut. Beim Hinspiel in London waren wir dabei und haben das 3:0 gefeiert. Auch Topspiele, wie in Dortmund wollten wir besuchen. Wir fahren zu fast allen Spielen. In der laufenden Champions-League-Saison habe ich alle Auswärtsspiele des FC Bayern gesehen. Bisher hat niemand seine Tickets storniert. Wir haben die Informationen auch auf unsere Webseite gestellt.

Nico Fuchs (BMG): Wir wollten zum Spiel gegen Frankfurt. Die Tickets hätten wir bereits gehabt. In den vergangenen eineinhalb Jahren war ich bei fast jedem Spiel. Lediglich einige Europa-League-Spiele habe ich verpasst, da die Flüge oft teuer sind.

Alexander Enzmann (BVB): Wir haben für jedes Spiel Karten. Sogar nach Paris, was kurzfristig als Geisterspiel ausgetragen wurde, sind Rhöngeier gefahren. Dort mussten sie das Spiel leider in einem Pub verfolgen. Auf das Derby (gegen Schalke) und das Spiel gegen Bayern haben wir uns natürlich besonders gefreut. Unseren Bus für das Spiel gegen Mainz im Mai haben wir bereits abgesagt. Dafür arbeiten wir an den Vorbereitungen für die 25-Jahr-Feier. Ende Juni haben wir eine Fahrt nach Dortmund geplant inklusive Stadionführung.

Wie steht Ihr zu den Spielabsagen?

Lukas Karch (BVB): Ich finde es gut, dass die Spieltage komplett abgesagt wurden. Alles ist besser als die unsäglichen Geisterspiele. Fußball lebt von den Fans.

Bernd Friedrich (FCB): Fußball ist zwar die schönste Nebensache der Welt, aber eben nur eine Nebensache. Die Gesundheit geht vor.

Nico Fuchs (BMG): Die Absagen sind absolut richtig. Geisterspiele finde ich nicht gut. Auch die Spieler haben gesagt, dass sie die Fans im Stadion haben wollen.

Alexander Enzmann (BVB): Es geht nicht anders. Die Gesundheit steht im Vordergrund. Auch Geisterspiele finde ich keine gute Option. Zum Fußball gehören volle Stadien.

Wie vertreibt Ihr Euch die Zeit?

Lukas Karch (BVB): Wir betreiben aktuell keine Fanclubaktivitäten mehr. Für uns steht die Gesundheit der Menschen im Vordergrund. Ich zum Beispiel stehe nur mit ein paar engen Freunden in Kontakt.

Bernd Friedrich (FCB): Das ist gar nicht so schwer. Es gibt auch andere Dinge, die man tun kann. Dass sich Fans bei Geisterspielen vor den Stadien treffen, lehnen wir ab. Das schadet der Gesundheit aller.

Nico Fuchs (BMG): Es ist schön, nun viel Zeit mit der Familie verbringen zu können. Normalerweise bin ich jedes zweite Wochenende in Gladbach.

Alexander Enzmann (BVB): Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie.

Wann hofft/glaubt Ihr, dass der Spielbetrieb fortgesetzt werden kann?

Lukas Karch (BVB): Für mich ist es utopisch, dass die Spiele im April weitergehen können. Man sollte die Saison abbrechen. Dann gibt es eben keinen Meister. Man könnte allerdings überlegen, ob man nicht die Mannschaften auf den Aufstiegsplätzen aufsteigen lässt. Nach der Wiedervereinigung 1991/92 hatte man die Plätze in der Bundesliga auf zwanzig erhöht und ließ in der folgenden Spielzeit nur zwei aufsteigen und vier absteigen.

Bernd Friedrich (FCB): Wir werden den Virus in den nächsten drei Monaten nicht wirklich in den Griff bekommen. Deswegen wird es sicherlich Geisterspiele geben. Klar, wäre es schön noch die Spiele gegen Chelsea oder Dortmund sehen zu können. Doch die Gesundheit ist aktuell das wichtigste.

Nico Fuchs (BMG): Erst wenn die Pandemie komplett vorbei ist, soll es weitergehen, und dann mit Fans im Stadion. Dass es Mitte April weitergeht, halte ich für unrealistisch. Ich denke, man sollte bis Mitte Juni warten und schauen wie es dann aussieht. Die Vorfreude und Euphorie beim ersten Spiel mit Zuschauern wird riesig sein.

Alexander Enzmann (BVB): Ich hoffe nicht, dass die Saison abgebrochen wird, kann mir aber auch nicht vorstellen, dass es demnächst weitergeht. Wenn die Saison nach hinten verschoben wird, gibt es ein Problem, da die Verträge der Spieler zum 1. Juli auslaufen.

FC Bayern Fanclub Saaletal (FC Bayern München). Ort: Saaletal (Steinach). Mitglieder: ca 1000. Gründung: 2002.

Kurstadt Borussen (Borussia Dortmund). Ort: Bad Kissingen und Umgebung. Mitglieder: 26. Gründung: 17.07.2016.

Rhöngeier (Borussia Dortmund). Ort: Bad Kissingen und Rhön. Mitglieder: 112. Gründung: 1995.

Central Crew MG (VfL Borussia Mönchengladbach). Ort: Burghausen. Mitglieder: 15. Gründung: 2018 (offiziell Januar 2019).

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