LKR Bad Kissingen
Leichtathletik

Ein Hammelburger Heldenstück

Bei den Bezirksmeisterschaften der U20 und U18 gehen zehn Titel an die Saale. Emmeli Appel und Niklas Amthor gelingt bei der U16 der große Wurf.
Artikel drucken Artikel einbetten
Für die deutsche Meisterschaft qualifiziert: die U18-Staffel des TV/DJK Hammelburg um Lilian Heid, Anna Lukaschewitsch, Lena Weigand und Elisa Eich.Reinhold Nürnberger
Für die deutsche Meisterschaft qualifiziert: die U18-Staffel des TV/DJK Hammelburg um Lilian Heid, Anna Lukaschewitsch, Lena Weigand und Elisa Eich.Reinhold Nürnberger
+13 Bilder

Die weibliche Jugend des TV/DJK Hammelburg präsentierte sich bei den unterfränkischen Leichtathletik-Meisterschaften der U20 und U18 in Top-Form. Nicht weniger als zehn Bezirkstitel holte das erfolgreiche Team in Hösbach. Viviane Heilmann lief über 400 Meter der U20 auf Rang drei der deutschen Bestenliste und sorgte damit für den Höhepunkt der Veranstaltung. Lilian Heid garnierte ihren Sieg im Weitsprung der U18 zusätzlich mit einer neuen bayerischen Jahresbestleistung. Und die Hammelburger U18-Staffel (4 x 100 Meter) qualifizierte sich für die deutschen Meisterschaften.

 Für Viviane Heilmann war der Wettkampf die erste Standortbestimmung. Über die 400 Meter der U20 lief sie in persönlicher Bestzeit von 55,78 Sekunden in die absolute deutsche Spitze der U20. "Das kam doch ein wenig unerwartet, da ich den Wettkampf aus einem harten Trainingsblock heraus bestritt", sagte die Hammelburgerin, die vor einer Woche bereits mit einer 100 Meter-Zeit von unglaublichen 12,10 Sekunden überraschte. Damit ist die 400-Meter-Hürden-Spezialistin zurzeit die schnellste Sprinterin in Bayern.

Nicht ganz zufrieden

Dennoch war die Nationalkaderathletin nicht vollends zufrieden mit ihrem Auftritt. "Über die 400 Meter Hürden verpatzte ich da die erste Hürde dermaßen, dass danach nicht mehr viel ging", beschrieb sie das Rennen auf ihrer Paradestrecke, das in 63,68 Sekunden gestoppt wurde. Aber sie schaut auch über die Hürden schon wieder optimistisch nach vorne. "Jetzt wird es in Jena und Gladbeck so richtig ernst", sagt sie über die nächsten beiden Wochen, in denen sie über die 400 Meter Hürden auf die besten deutschen Athletinnen trifft. Da geht es bereits um die Normen für die U-20-Europameisterschaften, die Mitte Juli im schwedischen Boras ausgetragen werden. Die dafür geforderten 59,75 Sekunden über die 400-Meter Hürden will Viviane Heilmann möglichst frühzeitig unterbieten.

Das Jugend-Team der Hammelburger U18, trainiert von Paul Fella und seiner Frau Angelika, sorgte gleich am Anfang der Veranstaltung für strahlende Gesichter. Bei guten äußeren Bedingungen qualifizierte sich die Staffel über 4 x 100 Meter für die deutschen Jugendmeisterschaften, die Ende Juli in Ulm ausgetragen werden. Im dritten Versuch hat es in Hösbach endlich mit dem Saisonziel geklappt. Lilian Heid, Anna Lukaschewitsch, Lena Weigand und Elisa Eich blieben in 49,40 Sekunden gleich acht Zehntel unter der Qualifikationsnorm und sind damit in Bayern hinter Regensburg momentan die Nummer zwei. Den einen etwas verpatzten Wechsel quittierte Paul Fella mit einem Schmunzeln. "Damit wissen wir, dass wir in diesem Jahr sogar noch schneller sein können."

Dieser Erfolg in der Staffel setzte offenbar Kräfte frei. Zunächst verblüffte Lena Weigand über die 100 Meter Hürden. Vor den längeren Hürden-Abständen und der um 20 Meter längeren Strecke in der U18, gegenüber der Schülerklasse im letzten Jahr, hatte sie vor dem Rennen noch Bammel. Dann gewann sie in 15,22 Sekunden unangefochten.

Im Finale über 100 Meter siegte Elisa Eich, die bei Gegenwind 12,88 Sekunden sprintete und eine persönlicher Bestzeit erzielte. Anna Lukaschewitsch (12,99 Sekunden) und Lena Weigand (13,09 Sekunden) auf den weiteren Rängen sorgten für einen Dreifacherfolg der Hammelburger Sprinterinnen.

Lilian Heid lieferte sich mit Paula Gerhard (LG Karlstadt) ein Weitsprungduell auf allerhöchstem Niveau. Bis zum fünften Versuch führte Paula Gerhard mit 5,46 Metern. Dann sprang Lilian Heid zunächst 5,52 Meter und ihr letzter Versuch wurde gar mit 5,58 Metern gemessen. Noch nie zuvor war die ehemalige bayerische Schülermeisterin so weit gesprungen. Auf den weiteren Rängen folgten mit Elisa Eich (5,09 Meter), Hanna Schmitt (5,06 Meter) und Anna Lukaschewitsch (4,96 Meter) drei weitere Saaletalerinnen.

Auch im Kugelstoßen gab es einen Dreifach-Erfolg für die TV/DJKlerinnen: Elisa Eich (10,33 Meter) vor Hanna Schmitt (10,20 Meter) und Lilian Heid, die die drei Kilogramm schwere Kugel auf 9,74 Meter beförderte. Im Hochsprung der U18 überquerten Anna Lukaschewitsch und Hanna Schmitt jeweils 1,54 Meter. Da dies Anna Lukaschewitsch im zweiten Versuch gelang und Hanna Schmitt erst im dritten und letzten, war Anna Lukaschewitsch am Ende die Gewinnerin.

Dass sich alle Akteure vom TV/DJK Hammelburg zumindest mit einem Titel schmücken durften, dafür sorgte Hanna Schmitt im Diskuswurf. Die Volleyballerin und Mehrkampfspezialistin, die auch weiterhin von ihrem Vater Heiko trainiert wird, beförderte den ein Kilogramm schweren Diskus auf 28,62 Meter und siegte mit einem Vorsprung von einen Zentimeter auf Carmen Hock vom TV Marktheidenfeld.

Am Ende des ersten Tages gab Elisa Eich ihr Debüt über 400 Meter und zeigte bei ihrem Sieg in 62,22 Sekunden, dass sie auch diese Strecke beherrscht. Die Tatsache, dass sie zuvor schon drei Läufe über 100 Meter absolviert hatte, sechs Weitsprünge in die Grube gebracht hat und auch beim Kugelstoßen dabei war, lässt den Schluss zu, dass sie die Stadionrunde sicherlich unter 60 Sekunden laufen kann.

Da war es passiert...

Am zweiten Tag in Hösbach standen die 200 Meter auf dem Programm. Da setzte sich Anna Lukaschewitsch in Szene und gewann in starken 26,42 Sekunden vor ihrer Teamgefährtin Elisa Eich, die in 26,78 gestoppt wurde. Im Speerwurf passierte es dann aber doch: Die Siegerin kam nicht aus Hammelburg. Lena Weigand in sehr guten 32,11 Meter als Dritte und Lilian Heid mit persönlicher Bestleistung von 30,24 Meter auf Rang vier können aber damit sicherlich gut damit leben.

Für die wenigen Podestplätze der Jungs aus dem Kreis sorgte Luka Müller vom TSV Bad Kissingen, der sich im Weitsprung der Jugend U18 auf 5,84 Meter steigerte und damit Dritter wurde. Auch für seine 18,38 Sekunden über die 110 Meter Hürden der U18 stand der dritte Rang zu Buche. Bei den Aktiven war es Felix Hockgeiger, der die 1500 Meter in 4:32,61 Minuten absolvierte und damit überraschend Zweiter wurde.

Neben den Aktiven und der Jugend U20/U18 kürten in Hösbach auch die Altersklassen U16  ihre Bezirksmeister. Emmeli Appel vom TV Bad Brückenau gewann den Titel im Weitsprung der W15 und Niklas Amthor vom TSV Bad Kissingen wurde über 80 Meter Hürden unterfränkischer Meister der M15 . Dazu gab es reichlich Podestplätze durch die jungen Vertreter aus dem Kreis Bad Kissingen.

Emmeli Appel machte es im Weitsprung ihrem Trainer nicht leicht. Obwohl Thomas Dill mehrmals den Anlauf korrigierte, gelang es seinem Schützling nicht, das Absprungbrett richtig zu treffen. So verschenkte sie jedes Mal etwa 20 Zentimeter. Dass Emmeli Appel am Ende einer tollen Serie dennoch 4,96 Meter zu Buche stehen hatte, freute den Trainer des TV Bad Brückenau ungemein. Zumal sie mit dieser Weite den Wettkampf mit einem Zentimeter Vorsprung auch noch gewann.

Im Diskuswurf kam Amelie Appel auf 19,17 Meter und wurde damit genau so Zweite wie im Kugelstoßen der W15 mit ihren dort erzielten 7,94 Metern. Mit Platz drei im Finale über die 100 Meter, die sie in guten 13,45 Sekunden sprintete, rundete Emmeli Appel ihren äußerst erfolgreichen Tag ab.

Niklas Amthor vom TSV Bad Kissingen zeigte einmal mehr, dass er ein Wettkampftyp ist. Über die 80 Meter Hürden der M14 galt er nicht unbedingt als Favorit. Aber wenn wichtige Meisterschaften anstehen, dann läuft bei ihm alles rund. Die Hürden wurden im Vergleich zum Vorjahr in der M13 auf 83,4 Zentimeter erhöht, der Abstand zwischen den Hürden ist um mehr als einen Meter gewachsen und die Strecke wurde 20 Meter länger. Dennoch gelang es ihm, die Hürden flott und in einem tollen Rhythmus zu überlaufen. Niklas Amthor gewann trotz starkem Gegenwind in 12,77 Sekunden und ist damit sicher für die bayerischen Meisterschaften qualifiziert. Der Schüler aus Bad Bocklet wagte sich auch über die 300 Meter und erzielte als Zweiter mit seinen 43,53 Sekunden eine recht achtbare Zeit.

Ähnlich hohes Potenzial

Sein Teamgefährte Moritz Fischer, der ähnliches Potential über die 80 Meter Hürden besitzt, kam da in 13,63 Sekunden auf Rang drei. Im Hochsprung wollte Moritz Fischer offensichtlich zu viel. Als Bester der Meldeliste war sein Ziel der Sieg. Als der Schweinfurter Tobias Benz die 1,50 Meter übersprang und dadurch in Führung ging, wurde er nervös, schaffte zwar noch diese Höhe im dritten Anlauf, aber danach war mit Rang zwei Schluss für den Nüdlinger, der in diesem Jahr bereits 1,56 Meter schaffte. Dritter wurde Moritz Fischer zudem über 100 Meter in 13,12 Sekunden. Zuvor wurde er im Vorlauf mit guten 12,93 Sekunden gestoppt. Auch im Weitsprung wurde es für den TSVler mit 4,91 Meter der dritte Rang.

Charlotte Haase vom TSV Bad Kissingen musste sich in 13,95 Sekunden für die 80 Meter Hürden der W15 lediglich Miriam Jachnik (LG Karlstadt) geschlagen geben. Maxima Maiwald vom TV/DJK Hammelburg kam über 800 Meter der W14 auf den Silberplatz. Sie benötigte für die zwei Stadionrunden 2:38,03 Minuten. Auch im Weitsprung platzierte sich Maxima Maiwald mit ihren 4,66 Metern auf Rang zwei. Nelly Kleinhenz absolvierte die 80 Meter Hürden der W14 in 13,81 Sekunden und wurde mit Rang drei belohnt. Teamgefährtin Eva Metz überwand im Hochsprung der W14 1,40 Meter und kam ebenfalls auf den Bronzerang.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren