Bad Kissingen
Eishockey

Die Kissinger Wölfe treten definitiv an

Der Spielbetrieb des Bayernligisten ist trotz fehlender Eissporthalle dank der Kompromisse mit Verband und Gegnern erst einmal gesichert.
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Show-Effekte  gehören zu den Spielen der Kissinger Wölfe um ihren Goalie Benni Dirksen (im Bild). Aktuell ist wieder Feuer unter dem Dach der Bad Kissinger Eishalle - allerdings nicht so, wie es sich der Bayernligist von der Saale zum Saisonstart wünschen würde. Foto: Hopf
Show-Effekte gehören zu den Spielen der Kissinger Wölfe um ihren Goalie Benni Dirksen (im Bild). Aktuell ist wieder Feuer unter dem Dach der Bad Kissinger Eishalle - allerdings nicht so, wie es sich der Bayernligist von der Saale zum Saisonstart wünschen würde. Foto: Hopf

Im Streit um die Eissporthalle zwischen Eigner Alexander Kondrashov und dem EC Bad Kissingen bewegt sich aktuell nichts. Dennoch wirkt Vereinsvorsitzender Michael Rosin einigermaßen entspannt, als diese Zeitung bei ihm anfragt. Die gute Nachricht: Die ersten Spieltage der neuen Saison sind für die Kissinger Wölfe gesichert. Die schlechte: Ab November wird's wieder kritisch.

Die Wölfe starten am Freitag, 19.30 Uhr, gegen den TSV Peißenberg in die Bayernliga-Spielzeit 2019/20. Eine unkomplizierte Sache, ist das doch ein Auswärtsspiel. Doch schon am Sonntag, beim Heimmatch gegen Pfaffenhofen, stellt sich die Frage nach der fehlenden Spielstätte.

Kompromisse verschaffen Luft

Laut Michael Rosin ist das Problem gelöst. Allerdings müssen Mannschaft und Fans nach Haßfurt reisen, wo das erste Bully um 18.30 Uhr sein wird. Das Derby gegen die Mighty Dogs steigt in der Woche drauf in Schweinfurt (11. Oktober, 20 Uhr).

Für die folgenden (Heim)Spieltage hat Rosin mit Eishockey-Verband und -Vereinen Kompromisse aushandeln können: "Bei den Spielen gegen Königsbrunn und Klostersee haben wir die Heim- mit den Auswärtspartien getauscht; die Begegnung gegen Landsberg wurde in den Januar verlegt."

Heißt also: Anders als es Gerüchte besagen, stießen die Kissinger Wölfe auf Verhandlungsbereitschaft und treten in der neuen Saison definitiv an. Dafür dankt Rosin allen Beteiligten. Der Vereinschef macht aber klar, dass die Überbrückungstaktik keine Dauerlösung sein kann. "Ab November brauchen wir die Kissinger Eishalle definitiv."

Rosin setzt weiter auf ein Gespräch zwischen Alexander Kondrashov, einem potenziellen Käufer aus der Region und eventuell Vertretern des Vereins. Diese Woche soll der ukrainischstämmige Besitzer der Eissporthalle nach Deutschland kommen. Würde es zu einer wie auch immer gearteten Einigung kommen, bräuchten die Kissinger Wölfe zwei Wochen, um in der Halle alles fit für den Eishockeybetrieb zu machen.

Der frühere Eishockeyspieler verhehlt nicht, dass an der Spielstätte das Schicksal des Vereins hängt. Zum einen würden die Einnahmen aus den Heimspielen wie dem gegen Pfaffenhofen fehlen. Zum anderen koste es Geld, die Männer-Mannschaft als auch den Nachwuchs stets in Haßfurt trainieren lassen zu müssen. "Es steht sogar das Gesamtkonstrukt Eishockey in Bad Kissingen auf dem Spiel", sagt Rosin. Denn neben dem EC gebe es noch den Skiclub und die öffentliche Nutzung, die derzeit nicht möglich sei.

"Wir werden wegen der Unsicherheit den Kopf nicht in den Sand stecken", gibt sich Michael Rosin kämpferisch. Das gilt übrigens auch für die Mannschaft, die sich von dem Trubel im Umfeld nicht beeinflussen lassen soll. Die Vereinsverantwortlichen und Spielertrainer Mikhail Nemirovsky haben an einer spielstarken Truppe gefeilt, versichert Rosin. "Sonst bräuchten wir gar nicht antreten."

Der Kader passt

Für die Abwehr wurden Tilman Pfister (Black Dragons Erfurt), Pascal Kröber (Rostock Piranhas) und Kristaps Millers (JLSS Zemgale) verpflichtet; für den Sturm kamen Jamie Akers, Lukas Haack (beide ERV Schweinfurt), Pascal Heps (EHC 80 Nürnberg Young Ice Tigers U20), Lukas Lenk (Höchstadt Alligators), und Matthias Kohl (Bad Muskau Bombers).

Laut Vorstandsmitglied Daniel Wehner gestaltete sich die Zusammenstellung des Kaders "relativ entspannt und einfach". Das habe unter anderem daran gelegen, dass man mit einigen Kandidaten vor der vergangenen Saison im Gespräch war, ein Wechsel damals aber nicht zustande kam. So bei Tilman Pfister, für den sich die Wölfe schon früher interessierten. "Eine andere Erfahrung dieses Jahres war, dass viele Spieler anriefen, die zu uns kommen wollten." Wehner führt das auf den sportlichen Erfolg der Kissinger Wölfe der vergangenen zwei bis drei Jahre und die dadurch größere Bekanntheit des EC zurück. "Wir hätten auf noch mehr Spieler zugreifen können. Aber da wirkte schon der Streit um die Eissporthalle mit rein." Die gravierende Frage nach der Spielstätte lege dem Verein in letzter Zeit "schon sehr viele Steine in den Weg".

Trotzdem sei der Kader mit mehr Spielern besetzt als zuletzt. Eine Erkenntnis vom Ende der vergangenen Saison, als den Kissinger Wölfen in den Playoffs wichtige Akteure verletzt fehlten. Gerade die Abwehr wurde mit zwei Oberliga-erfahrenen Verteidigern (Pfister und Kröber) besetzt. Das sei insofern positiv, weil dafür nicht wie in der vergangenen Spielzeit beide Kontingentstellen geopfert werden mussten. Eine dieser Stellen ist sogar noch offen. Es laufen Gespräche.

Wichtig für das Team war nach Wehners Worten auch, dass Anton Seewald bei den Wölfen geblieben ist. Und das trotz höherklassiger Angebote. Die Ex-Schweinfurter Jamie Akers und Lukas Haack sieht Wehner als Investitionen in die Zukunft.

"Die Mannschaft wirkt an sich gefestigt. Die meisten waren schon letztes Jahr da", sagt das Vorstandsmitglied. Leider habe man in Haßfurt nicht so viel Eiszeit buchen können, wie es vielleicht bei einer Vorbereitung in geöffneter Halle in Bad Kissingen möglich gewesen wäre.

Trainiert wurde laut Michael Rosin im Schnitt zweimal pro Woche. Drei Vorbereitungsspiele wurden bestritten. "Wir fangen die Saison ganz normal an und schauen, wohin das führt", sagt Rosin. Natürlich seien die Playoffs zur Oberliga das Ziel, wie in der vergangenen Spielzeit. Aber noch viel lieber - fügt der Vereinsvorsitzende noch an - sei ihm die Kissinger Eissporthalle als sichere Spielstätte.

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