Hammelburg

Die Hachinger Palastrevolte wird gestoppt

Mit einem überzeugenden Sieg reagieren die Hammelburg Volleys auf die Diskussionen um eine mögliche Heimschwäche.
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Mit Gefühl überwindet Hammelburgs Moritz Zeitler den Unterhachinger Block, beobachtet von (von links) Luca Dierks und Zuspieler Laurentiu Vinatoru, der später zum besten Spieler seiner Mannschaft gewählt wurde. Foto: Dirk Rehmeier
Mit Gefühl überwindet Hammelburgs Moritz Zeitler den Unterhachinger Block, beobachtet von (von links) Luca Dierks und Zuspieler Laurentiu Vinatoru, der später zum besten Spieler seiner Mannschaft gewählt wurde. Foto: Dirk Rehmeier

Hammelburg Volleys - AlpenVolleys Unterhaching II 3:0 (25:15, 25:16, 28:26).

Giftgrün sind die Trikots der Hachinger. Nicht zu übersehen also in ihren Signalfarben, die an ein gefährliches Reptil erinnern. Und zubeißen können die Oberbayern auch. Aber es war kein Würgegriff, in dem sich die Hammelburger zu Beginn befanden angesichts ihrer 8:4-Führung zur ersten technischen Auszeit. Nach der jüngsten und sehr ernüchternden 0:3-Niederlage gegen den SV Schwaig ein passabler und für das Selbstvertrauen enorm wichtiger Start. Diskussionen um eine vermeintliche Heimschwäche nerven schließlich, vor allem mit diesen sensationellen Fans im Rücken.

Das engagierte Spiel der Saalestädter hatte seine Höhepunkte wie den bockstarken Block von Oscar Benner zum 13:8; ein Vorsprung, der bis zur nächsten technischen Auszeit gehalten wurde. Der mitangereiste Hachinga Hammerblock war damit freilich nicht ruhig gestellt. Warum auch? Die Münchner Vorstädter wissen Erfahrung und jugendlichen Elan gleichermaßen in ihren Reihen. In Summe waren es aber die Unterfranken, die eine Spur aggressiver und kompromissloser auftraten. Die 21:13-Führung bedeutete die Vorentscheidung im letztlich souveränen Auftaktsatz.

Der Benner-Hieb zum 1:0 war die Bestätigung für den Gegner, dass diese Hammelburger nicht nachlassen würden. Dies auch nicht taten und schnell mit 8:3 führten. Kurz und knackig fielen die Anweisungen von Coach Cornel Closca aus, der in entspannte, dennoch fokussierte Gesichter blickte. Gut so, weil gewonnen war noch lange nichts (11:8). Ein Ass im Ärmel des Trainers war sicher die Rückkehr von Nils Rehmeier ins Team, der auf der Mittelblocker-Position mit Gardemaß Abwehr- und Schlagstärke gleichermaßen garantiert. Erstaunlich abgezockt wurde der Zwischenspurt der Gäste akzeptiert, die nur kurz an einen Umschwung glauben durften. Auf 21:15 zogen die Saalestädter davon, die nicht viel später den nächsten Teilerfolg verbuchten. "Wir haben im Training am Aufschlag und Block gearbeitet, das hat sich ausgezahlt. Wir hatten aber auch etwas Glück, dass beim Gegner zwei wichtige Spieler fehlten", analysierte Cornel Closca.

Gleich dreimal führten die Hachinger zu Beginn des dritten Satzes, aber halt nur immer mit einem Punkt. Zu wenig, um die Closca-Cracks zu beeindrucken, die mit vier Punkten in Serie wieder im Rhythmus waren (6:3). Im Gästeblock wurden weiter die Gummi-Hämmer geschwungen, aber auf dem Feld waren es die Hammelburger, die ihr Handwerk beherrschten und über 8:5 auf 12:8 stellten, ehe die Hachinger beim 13:12 tatsächlich wieder dran waren und zum 14:14 ausglichen.

Nur gut, dass Nils Rehmeier und Moritz Rauber die angezettelte Revolte in den Griff bekamen (16:14) - aber nicht lange (16:17). Jetzt drehte Oscar Benner auf, ließ mit drei Punkten die Giftgrünen nicht davonziehen (19:19), sodass der Punkt von Luca Dierks endlich wieder eine Hammelburger Führung bedeutete. Beim 22:22 war zur Samstags-Primetime erstmals Spannung im Wohnzimmer. "Im dritten Satz wollten wir ohne Druck spielen, wollten Spaß haben, nachdem wir schlecht angefangen hatten. Ich weiß gar nicht warum. Vielleicht hat die ungewohnt niedrige Hallenhöhe eine Rolle gespielt", sagte Gäste-Trainer Stan Pochop. Zuspieler und spätere Gold-MVP Laurentiu Vinatoru sorgte mit seinem verrückten Punkt für Ekstase, Haching glich allerdings aus, hatte Satzball - und vergab. Der vierte Hammelburger Matchball saß schließlich, weil ein Hachinger Akteur das Spielgerät nicht mehr übers Netz brachte. "Sobald wir gut gespielt haben, haben wir einige dumme Fehler eingestreut. Hammelburg war auch nicht ohne Fehler, hat aber konstanter als wir gespielt", wusste Stan Pochop.

Oder war es doch der Hallensprecher, der die Gäste in die Verlierer-Rolle gedrängt hatte? Verschiedene Trikots hatte Olly Wendt in der Vergangenheit als Glücksbringer am Körper - mit überschaubarem Erfolg. Gegen Unterhaching wechselte der Mann am Mikro in seiner (gespielten) Verzweiflung zur Ansage vor dem Spiel die Hallenseite. Kleiner Kniff, große Wirkung.

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