Hammelburg
Volleyball 2. Bundesliga

Dezibelgrenze in Gefahr beim Derby gegen Eltmann

Die Hammelburger Ballkinder müssen während der Bundesliga-Spiele viel beachten. Finn Jansen verrät, was wichtig ist.
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Die Hammelburger Ballkinder mit Heimspielkoordinator Frank Jansen im Einsatz gegen Unterhaching: (hinten, von links) Leon Greinwald, Jonathan Baden, Lukas Greinwald, Nelson Haase, Finn Jansen und Hannah Heßdörfer (vorne).Jens Feistel
Die Hammelburger Ballkinder mit Heimspielkoordinator Frank Jansen im Einsatz gegen Unterhaching: (hinten, von links) Leon Greinwald, Jonathan Baden, Lukas Greinwald, Nelson Haase, Finn Jansen und Hannah Heßdörfer (vorne).Jens Feistel

Diesen Platz dürfte so mancher Volleyball-Fan gerne mit Finn Jansen tauschen wollen. Während Spielen der Hammelburg Volleys sitzt der 13-Jährige direkt an der Spielfläche. So nah, dass ihm die Bälle um die Ohren fliegen. Um genau diese Bälle geht es bei Finns Job. Der Hammelburger ist Ballholer. Als solcher muss er viel mehr beachten, als man vermutet. Einfach mal so die Bälle holen - das kann man in der Zweiten Volleyball-Bundesliga getrost vergessen. Denn auf diesem sportlichen Niveau darf nichts dem Zufall überlassen werden. Dementsprechend ausgefeilt das Regelwerk.

Vorgeschrieben sind fünf Ballholer, am besten selbst aktive Volleyballer, weil sie die Situationen auf dem Spielfeld schnell und richtig einschätzen können müssen. Je einer von ihnen postiert sich an den äußeren Ecken des Spielfeld, insgesamt also vier. Der fünfte steht hinter dem ersten Schiedsrichter, also etwa auf Höhe des Netzes.

Gespielt wird in den Bundesligen mit dem Drei-Bälle-System, um die Unterbrechungen zwischen den Ballwechseln zu verkürzen. Im Spiel sieht das so aus: Einen Ball benutzen die Mannschaften auf dem Spielfeld; die Ballholer an den Ecken halten die beiden anderen bereit. Sie sichern die Kugel, wenn sie aus dem Spiel segelt. Und sie werfen den Ball dem nächsten aufschlagenden Spieler zu. Das geschieht nicht irgendwie, sondern indirekt, sobald Ballholer und Aufschlagspieler Sichtkontakt zueinander haben. In der Praxis sieht das so aus: Der Ballholer schleudert das Spielgerät kräftig vor sich auf den Boden, so dass er anschließend dem Spieler in die Hände springt. Von Holer zu Holer hingegen darf der Ball nur gerollt werden. Und zwar außerhalb des Spielfeldes und nie während der Ballwechsel.

Finn Jansen startete seine Karriere als "Ballkind", wie es in Hammelburg heißt, in der ersten Zweitliga-Saison der Volleys - also 2015. Damals war er voller Vorfreude, wollte keinen Fehler machen, erinnert er sich. Denn sich zwei bis drei Stunden auf die Bälle zu konzentrieren, kann sehr anstrengend sein. "Später wurde das alles normal." Finns Vater Frank Jansen ist der Heimspielkoordinator der Hammelburg Volleys. Das heißt, bei ihm laufen alle Aktivitäten rund um ein Bundesliga-Spieltag zusammen: vom Aufbau der Geräte in der Halle am Morgen, über die Betreuung der Schiedsrichter bis zu dem Zeitpunkt, an dem abends das Licht ausgemacht wird. Auch die Ballkinder einzuweisen, gehört zu Jansens Aufgaben. Das tut er gewöhnlich eine halbe Stunde vor Spielbeginn. Dann bringt er die Regeln und Abläufe zur Sprache - auch wenn die meisten Ballkinder sie eigentlich kennen. "Handys sind zum Beispiel während des Spiels überhaupt nicht erlaubt." Die Schiris verdeutlichen das kurz vor Anpfiff auch noch einmal.

Sieben Ballkinder sind in Hammelburg pro Spieltag im Einsatz - neben den genannten fünf am Spielfeldrand zwei, die gegebenenfalls das Spielfeld wischen müssen. Die Wischer dürfen aber nicht nach Lust und Laune aufs Feld. Auch dafür wurden bestimmte Zeiten und Situationen festgeschrieben. Finn Jansen empfand das Wischen immer als anstrengender als das Ballholen - weil man eben genau auf diese Momente achten muss.

Die Ballkinder sind in Hammelburg nicht immer dieselben. Sie rekrutieren sich aus den Jugendmannschaften von der U12 bis zur U18 - insgesamt zwischen 100 und 130 Kinder. "Die Trainer tragen diejenigen ein, die dann erscheinen. Darauf kann ich mich verlassen", sagt Frank Jansen. Gezwungen werde niemand; das wäre auch nicht nötig. "Ballkind zu sein, ist für viele ein Traumjob." Allerdings gelte: Je jünger die Kinder seien und je weniger sie vorher mit der Bundesliga zu tun gehabt hätten, umso attraktiver sei für sie der Dienst. So war es auch beim mittlerweile 13-jährigen Finn.

Heute trainiert er selbst bei den Ersten Herren mit. Ein Umstand, der ihm auch als Ballholer nutzt. "Ich kenne ja die Spieler. Manche haben bestimmte Rituale, wie zum Beispiel das Schuheabwischen oder das Händeabtrocknen. Da weiß ich: Er fordert gleich den Ball."

In dieser Saison saß der 13-Jährige erst einmal bei einem Bundesliga-Spiel am Rand - gegen die AlpenVolleys aus Unterhaching. Ansonsten überlässt er den Service gerne den Jüngeren. Die kennen ja die Atmosphäre am Spielfeldrand noch nicht. Der Gegner Neuer Hauptsponsor, neue Spieler, neuer Headcoach und hochgesteckte Ziele: Zwar geben die Heitec Volleys Eltmann in dieser Saison die Favoritenrolle an Meister Grafing ab, Sie sind aber für die meisten Teams der 2. Bundesliga der Top-Meisterschaftsfavorit. Manager Rolf Werner formuliert die ehrgeizigen Ziele so: "Unser Ziel ist natürlich der sportliche Aufstieg in die erste Liga". Dafür verstärkte sich der letztjährige Tabellendritte und Vorjahresmeister mit dem zukünftigen Trainer Marco Donat und den drei Neuzugängen Clay Couchman, Mittelblocker aus Kanada (spielte zuletzt in der kanadischen One Volleyball Premiere League), dem Bulgaren Georgi Stoyanov (kommt aus der 1. bulgarischen Liga) als Außenangreifer und dem Polen Mariusz Wacek (ehemals Schwaig), ebenfalls Mittelblocker. Blickt man auf den bisherigen Saisonverlauf, klafft da noch eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Verlor man doch gegen Grafing glatt mit 0:3 und musste sich gegen die derzeitigen Überflieger aus Mainz eine 0:3-Heimniederlage gefallen lassen.

Die Lage Bei den Hammelburg Volleys hätte man sich sicher erhofft, etwas mehr als einen Punkt aus den letzten beiden Spielen mitzunehmen. Somit dürften sich beide Teams vor dem Derby am Samstag (20 Uhr) sicher einiges vorgenommen haben. Und das verspricht auch, ungeachtet von Tabellenständen, wieder hochklassige Stimmung. "Vielleicht werden ja wieder alle erlaubten Dezibelgrenzen überschritten", freut sich Hallensprecher Oliver Wendt auf einen heißen Tanz gegen die Heitec Volleys aus Eltmann.olly



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