Bad Kissingen

Das Kissingen-Stadion steht: in Berlin

Die Sportstätte im Stadtteil Pankow ist nicht die einzige historische Verbindung zu der Kurstadt an der Fränkischen Saale.
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Das Kissingen-Stadion steht nicht in der Kurstadt an der Fränkischen Saale, sondern im Berliner Stadtteil Pankow. Foto: Jürgen Schmitt
Das Kissingen-Stadion steht nicht in der Kurstadt an der Fränkischen Saale, sondern im Berliner Stadtteil Pankow. Foto: Jürgen Schmitt
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Durch das schmale Drehkreuz geschlängelt, schon steht man im Kissingen-Stadion. In Berlin, tief im Osten der Bundeshauptstadt. Irgendwie kurios. Bad Kissingen hat den Dr. Hans-Weiß-Sportpark, der Stadtteil Pankow also das Kissingen-Stadion. Mit seiner Tartanbahn ums Grün samt großer Tribüne auf einer Seite. Dazu ein Kunstrasenplatz, auf dem an diesem Samstagmorgen im Januar ein paar Jugendliche bolzen. Großstadt-Idylle. Laut Wikipedia-Eintrag passen 8000 Zuschauer auf die Anlage, die von drei Sportvereinen genutzt wird: dem FSV Fortuna Pankow, dem BSV Heinersdorf und dem Kissingensportverein.

In unmittelbarer Nähe befindet sich das Rosa-Luxemburg-Gymnasium, die Justizvollzugsanstalt Pankow für Frauen sowie die St.-Georgs-Kirche, ein mächtiger Backsteinbau. Auf einem schmalen Grünstreifen steht etwas einsam ein Findling aus rotem Sandstein. Graffitiverschmiert. Die drei Wappen samt Inschrift sind etwas verblasst, aber noch gut erkennbar. Tatsächlich: ein direkter Bezug zu Unterfranken, zum Landkreis und zur Kurstadt an der fränkischen Saale.

Es bleibt bei der Absicht

Rückblende: Am 5. September 2000 wird der Gedenkstein feierlich enthüllt mit reichlich Politprominenz, darunter auf Seiten der unterfränkischen Gäste der aus Münnerstadt stammende Bundestagsabgeordnete Eduard Lintner, Landrat Herbert Neder, Bad Kissingens Oberbürgermeister Christian Zoll sowie viele Kreisräte, die ihre Studienfahrt nach Berlin geführt hat. Anlässlich der 1200-Jahrfeier der Kreisstadt im Jahr 2001 soll Bad Kissingen die Gelegenheit erhalten, sich einen ganzen Tag in der Bundeshauptstadt vorzustellen. Man wolle auf Bad Kissingen und natürlich auch auf den Kreis aufmerksam machen, so Landrat Herbert Neder. "Daraus könnte sich ein Dialog entwickeln", erwidert die Pankower Bezirksbürgermeisterin Gisela Grunwald - es sollte bei der hehren Absicht bleiben.

"Wir waren später nochmal in Berlin, auch bei der dortigen Verwaltung, allerdings ist der Kontakt abgerissen", sagt mit Werner Eberth der Kreisheimatpfleger und Haupt-Initiator dieser Idee. Dass aktuell keine direkten Berührungspunkte existieren, bestätigt Thomas Hack: "Tatsächlich gab es da meines Wissens nach nie wieder Kontakt oder irgendwelche Aktivitäten", so der Pressesprecher der Stadt Bad Kissingen. Auch eine Anfrage an den Kissingensportverein verläuft ins Leere. "Über diese Verbindung ist uns nichts bekannt", teilt KSV-Geschäftsführer Friedhelm Buchmann mit.

Interessante Zufälle

Das Weltbad Bad Kissingen war vor allem durch die 14 Kuraufenthalte des damaligen Reichskanzlers Fürst Bismarck zum bekanntesten Kurort der Berliner geworden. Aufgrund des Bekanntheitsgrades von Bad Kissingen hatten die damals selbstständigen Gemeinden Pankow, Steglitz und Wilmersdorf noch vor dem Ersten Weltkrieg Straßen nach Bad Kissingen benannt. Im Jahr 1906 geschah dies in Pankow. Also exakt in jenem Jahr, in dem an der Fränkischen Saale der 1. FC 06 Bad Kissingen gegründet wurde. Noch ein Zufall: Die Kurstädter spielen ebenso in der Bezirksliga wie Pankows Fortunen oder die Grün-Weißen vom BSV Heinersdorf, während sich der Kissingensportverein vornehmlich der Leichtathletik widmet.

Für das DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion wird es für den FC 06 Bad Kissingen in absehbarer Zeit nicht reichen. Aber vielleicht klappt's ja mal mit einem Freundschaftsspiel im Kissingen-Stadion.

Kissingen-Viertel Das Kissingen-Stadion im Berliner Ortsteil Pankow liegt im Kissingen-Viertel mit der etwa einen Kilometer langen Kissingenstraße. Im Jahr 1930 wurde in dem Bauquartier um den Kissingen-Platz die eine Hälfte nach Städten und Gemeinden in Unterfranken benannt, so dass der Kissingen-Platz und die St. Georg-Kirche gewissermaßen den Mittelpunkt eines unterfränkischen Viertels in Pankow bilden mit Straßennamen wie Dettelbacher Weg, Forchheimer Straße, Gemündener Straße, Haßfurter Weg, Karlstadter Straße, Miltenberger Weg, Obernburger Weg, Retzbacher Weg, Zeiler Weg oder Zellinger Weg.

Gedenkstein Gestaltet wurde der Gedenkstein vom Elfershäuser Bildhauer Lorenz Emmert. Landkreis und Stadt Bad Kissingen sowie der Bezirk Unterfranken hatten auf diesem Findling aus rotem Sandstein die jeweiligen Wappen anbringen lassen mit dem Zusatz "Verbunden mit Berlin". Der rote Sandstein stammt aus der Gemarkung Wartmannsroth und wurde über ein Frachtzentrum nach Berlin transportiert.

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