Poppenlauer
Spieler der Woche

Christopher Schneiders Liebe auf den zweiten Blick

Der Poppenläurer hat diese Saison schon für die 1. und die 2. Mannschaft des neu gegründeten FC WMP Lauertal in der Kreisklasse gespielt. Nach anfänglicher Skepsis findet der 29-jährige Polizeibeamte das Fußball-Experiment gelungen.
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Christopher Schneider vom FC WMP Lauertal findet, dass die Spieler der drei beteiligten Vereine aus Weichtungen, Maßbach und Poppenlauer gut miteinander klarkommen und sich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickelt hat. Foto: Steffen Standke
Christopher Schneider vom FC WMP Lauertal findet, dass die Spieler der drei beteiligten Vereine aus Weichtungen, Maßbach und Poppenlauer gut miteinander klarkommen und sich ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickelt hat. Foto: Steffen Standke
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Christopher Schneider schnürte die Kickstiefel für den FC Poppenlauer seit seinem sechsten Lebensjahr. Diese Saison nimmt der 29-jährige Polizeibeamte an einem Experiment teil, das es so im Fußballkreis Rhön nicht gab: Der FC WMP Lauertal, ein Zusammenschluss der ewigen Rivalen aus Maßbach und Poppenlauer sowie der DJK Weichtungen, spielt mit zwei Teams in der Kreis- und einem in der B-Klasse. Schneider hat in dieser Spielzeit schon in der 1. und 2. Mannschaft gespielt. Im Interview berichtet er, wie die neue SG funktioniert, warum die Trikotwahl oft nicht ganz einfach ist und wo der FC WMP künftig hin will.

Christopher, wenn Dich einer fragt, für welchen Verein Du jetzt spielst, was sagst Du spontan?

Christopher Schneider: Dann antworte ich natürlich: "Für den FC WMP Lauertal". In unserem Verein - da gibt es kein Maßbach, Poppenlauer und Weichtungen mehr, nur noch den FC Lauertal.

Aber als Ur-Poppenläurer war es für Dich sicher ungewöhnlich, mit dem Erzrivalen eine Spielgemeinschaft einzugehen, oder?

Mittlerweile habe ich mich an die SG und ihren Namen gewöhnt, auch wenn es anfangs schwierig war.

Warst Du ein Befürworter oder Kritiker der großen SG?

Ich gebe zu: Ich war anfangs skeptisch, ob es gut läuft. Plötzlich bildet sich eine SG aus Mannschaften, die sich vorher nur als Gegner gekannt haben. Da gab es Derbys mit viel Aufregung, versteckten groben Fouls und Platzverweisen. Noch im Hinspiel in der vergangenen Saison zwischen Maßbach und Poppenlauer zeigte der Schiri zwei rote Karten.

Warst Du der einzige Zweifler?

Da gab es einige. Aber ab der ersten Trainingseinheit der Saison hat jeder mitgezogen und keiner hat gegen den anderen geschossen. Wir wussten, worum es geht. Aus drei Vereinen ist einer geworden. Da muss jeder mitmachen; sonst funktioniert die Sache nicht. Aber das ist inzwischen der Fall.

Wie muss man sich die Aufteilung der drei Lauertal-Mannschaften vor der Saison vorstellen. Wurden einfach die alten Teams aus den drei Orten hergenommen und ihnen neue Namen verpasst?

Die neuen Mannschaften haben mit den ursprünglichen nichts zu tun. Da wurde wild durcheinandergewürfelt. In den ersten Trainingseinheiten standen um die 50 Spieler auf dem Platz. Unser Trainer Martin Schendzilorz, der auch höherklassig gespielt hat, pickte sich die Besten für die Erste raus und sagte auch, wer sich wo in die anderen Teams eingliedert. Nach drei Wochen Vorbereitung wusste jeder, in welche Mannschaft er gehört. Wobei anfangs noch viel durchgewechselt wurde.

Wie meinst Du das?

Im Sommer waren einige Spieler von der 1. Mannschaft im Urlaub oder anderweitig verhindert. Dann wurde die Erste mit Spielern aus der Zweiten aufgefüllt. Was wiederum zur Folge hatte, dass dieser zeitweise die Leute ausgingen, obwohl aus der Dritten Spieler nachgezogen wurden.

Wie lief das mit den Spielerpässen? Die müssten doch bei der Tauscherei wild durcheinander geraten sein.

Das System lief so: Weil Weichtungen letzte Saison die Kreisklasse gehalten hat, wurde die DJK als Lauertal I federführend. Das heißt, wer 1. Mannschaft spielen wollte, musste seinen Pass nach Weichtungen geben. Das habe ich getan. Hätte ich das nicht gewollt, wäre mein Spielerpass in Poppenlauer geblieben, das ja erst in der vergangenen Spielzeit in die Kreisklasse aufgestiegen ist. Allerdings wäre ich dann nicht für die Erste spielberechtigt gewesen.

Demnach bist Du in der Ersten gelandet?

In der Anfangszeit habe ich vermehrt für die Erste gespielt, in den letzten Wochen berufsbedingt in der Zweiten. Als Polizist im Schichtdienst kann ich nicht zu jeder Trainingseinheit und jedem Spiel kommen. Zudem sehe ich mich als Stürmer, der auch auf den Außen eingesetzt werden kann. Die Erste hat ja Stefan Denner, der alles reinmacht, was kommt. Von daher sehe ich mich eher als Spieler der 2. Mannschaft.

Bist Du Dir dafür nicht zu schade?

Warum? Es ist ja die selbe Spielklasse, nur eine andere Staffel. Auch die Zweite benötigt ihre Punkte, um die Klasse zu halten. Das wäre ein Riesenerfolg.

Wenn Dich einer fragt: Würdest Du auch für WMP Lauertal III in der B-Klasse spielen?

Wenn ich da gebraucht werde, würde ich das tun. Ohne lange zu überlegen.

Anfangs hatten die Wechselspielchen zwischen 1. und 2. Mannschaft für Dich unangenehme Folgen. Worum ging es dabei?

Das hat damit zu tun, dass sowohl die Erste, als auch die Zweite in der Kreisklasse antritt. Weil ich in der Partie gegen Aubstadt II in der ersten Halbzeit eingewechselt wurde und bis zum Schluss durchspielte, war ich die nächsten zwei Matches in der Zweiten nicht spielberechtigt. Da ist die Regel, finde ich, ein bisschen hart.

Aber Du hättest doch in dieser Zeit wieder für die 1. Mannschaft auflaufen können, oder?

Schon. Allerdings konnte ich an dem Sonntag, an dem das Spiel der Ersten angesetzt war, wegen meines Schichtdienstes nicht dabei sein. Am Samstag davor bei der Zweiten hätte ich gekonnt...

Welche Saisonziel haben sich die einzelnen WMP-Mannschaften gestellt?

Die Erste will oben angreifen, auch wenn das Wort Aufstieg offiziell nicht fällt. Aber über kurz oder lang soll die 1. Mannschaft Kreisliga spielen. Für die Zweite hat der Klassenerhalt in der Kreisklasse oberste Priorität. Die acht Punkte, die wir derzeit haben, sind das, was wir im Moment verdient haben.Wenn wir am Ende auf dem selben Tabellenplatz stehen wie jetzt und mit dem Abstieg nichts zu tun haben, wäre ich sehr zufrieden.

Unternehmen Du und die anderen Poppenläurer Spieler auch privat etwas mit denen aus Weichtungen und Maßbach?

Ja. Als die Erste in Burglauer gespielt hat, ist jeder, der wollte, mit nach Bad Kissingen gefahren. Wir sind dort gemeinsam essen gewesen und sind danach ausgegangen. Am Anfang gab es durchaus noch Grüppchenbildung. Aber inzwischen versteht man sich mit Spielern aus den anderen Vereinen wirklich gut. Da ist etwas zusammengewachsen.

Was meinst Du: Wird sich dieses Gefühl der Zusammengehörigkeit irgendwann abkühlen?

Bei der 1. Mannschaft läuft es ja derzeit richtig gut. Sie stehen zusammen mit Salz an der Tabellenspitze. Ich könnte mir vorstellen, wenn das nicht mehr so sein sollte, dass man die Schuld vielleicht bei den anderen aus dem anderen Ort sucht. Aber ich bin guter Dinge, dass das nicht passiert und es so harmonisch bleibt.

Noch spielt ihr nicht in einheitlichen WMP-Lauertal-Trikots. Du selbst trägst eine FC-Poppenlauer-Trainingsjacke. Wie löst ihr dieses Problem auf dem Platz?

Bei Heimspielen schlüpfen wir in die Trikots von dem Verein, auf dessen Platz die Partie stattfindet. In Maßbach zum Beispiel tragen wir Maßbach-Kleidung, in Poppenlauer die des dortigen FC. Auswärts werden die Trikotsätze durchgetauscht, damit jeder Verein mal drankommt und keiner benachteiligt wird. Außerdem: Es gibt schon für alle Trainingsshirts und Poloshirts mit den Initialen der Spieler und dem Schriftzug "FC WMP Lauertal" drauf.

Also bist Du die Saison in den Farben aller drei Clubs aufgelaufen.

Es war schon ein komisches Gefühl, meine Mannschaft als Kapitän im Maßbach-Trikot aufs Feld zu führen. In der Jugend haben die wenigsten von uns zusammengespielt, weil Maßbach seine eigene Nachwuchsarbeit hatte. Und aus Weichtungen waren nur ein paar Spieler dabei. Aber mittlerweile denke ich nicht mehr daran. Wie gesagt: Ich hätte nicht gedacht, dass so schnell eine Gemeinschaft entsteht. Das Gespräch führte Steffen Standke

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