Geroda
Schöner umziehen

Beim SV Geroda duscht man wie in den 70ern

Das Sportheim des SV Markt Geroda hat sich seit seinem Bau im Jahr 1975 kaum verändert. Insbesondere der Duschbereich müsste dringend überholt werden.
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Der Charme der 1970er: Natascha Selner und Johannes Wirth vom SV Markt Geroda präsentieren den museumsreifen Duschraum. Foto: Steffen Standke
Der Charme der 1970er: Natascha Selner und Johannes Wirth vom SV Markt Geroda präsentieren den museumsreifen Duschraum. Foto: Steffen Standke
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Grün-gelbe Wandfliesen mit Blumenmuster, Brauseköpfe wie in einer Kaserne: Das Duschgefühl im Sportheim des SV Markt Geroda ist ein besonders nostalgisches. Es versprüht den Charme der 1970er Jahre. Leider. Denn nach finanziell schwierigen Jahren konnte der Verein in der Rhön kaum in sein 1975 errichtetes Gebäude investieren. Dabei war das damals schon ein Provisorium.

Der Ablauf ist seit Jahrzehnten derselbe, ob es draußen regnet oder die Sonne knallt: "Zuerst geht die Gastmannschaft nach dem Spiel duschen und sich zurechtmachen", erzählt Johannes Wirth, eines von drei Vorstandsmitgliedern beim SV Geroda. "Das Heimteam sitzt derweil nebenan in einem Baucontainer zusammen und wartet. Wenn die Gäste nach 15 bis 30 Minuten fertig sind, dann sind wir dran."

Der SV Geroda verfügt an seinem Fußballplatz im Ortsteil Platz nur über eine Duschkabine. In die passen gleichzeitig maximal 15 Mann. Die Warterei stellt nicht immer ein Vergnügen dar. Denn im Sportheim existiert keine fest installierte Heizung. Das heißt, die Jungs sitzen meist durchgeschwitzt oder sogar regendurchtränkt beisammen. Die Gefahr, sich zu erkälten, ist groß. Deswegen finden am Platzer Sportgelände keine Winter-Spiele mehr statt.

In heißen Monaten hingegen ist es umgekehrt: Denn neben Heiz- fehlen vor Ort auch Kühlvorrichtungen.

Als junge sportbegeisterte Leute 1975 den SV Geroda gründeten, konnten sie sich nur gebrauchte Fertigbauteile leisten, die sie zu einem Sportheim, mit den allernötigsten Räumen, zusammenzimmerten. Wegen des Platzmangels konnte nur eine Umkleidekabine mit Duschmöglichkeiten eingebaut werden, daneben ein Gemeinschaftsraum. Die Heimmannschaft musste sich stets woanders umziehen, seit etwa zehn Jahren in einem Baucontainer, der vis-à-vis des Sportheims aufgestellt wurde. Und dann warteten die Spieler eben darauf, bis die Gäste die Umkleide wieder freigaben.

In den Jahren 1989 bis 2009 bestand keine Männermannschaft. Der Sportverein musste auf eine wichtige Einnahmequelle verzichten: die Erlöse aus dem Verkauf bei Heimspielen.

Vor zehn Jahren kam die Wende. Einige noch aktive, an andere Vereine "verliehene" Gerödaer Spieler fanden heim und riefen gemeinsam mit Fußballern aus einem Nachbarort eine Spielgemeinschaft ins Leben.

Fortan ging es voran, auch mit dem Sportheim. Stück für Stück wurde es aufgehübscht. Zuerst wurde der erwähnte Baucontainer aufgestellt - als Umkleide für die Heimmannschaft. Vor fünf Jahren erneuerten Vereinsmitglieder in Eigenregie das Dach. Vergangenes Jahr wurde die Umkleide (ohne Duschbereich) gestrichen, der Boden erneuert. Im Gemeinschaftsraum wurde die Küche aus Ur-Zeiten durch eine neue ersetzt (die allerdings auch gebraucht war).

Doch gerade die größeren Baustellen bleiben: Vorstandsmitglied Natascha Selner nennt als nötigstes die Renovierung der Dusche, der Fliesen, der Armaturen. Auch soll die Fassade aus Holzlatten einem System aus verputzten Platten weichen.

Es wären Investitionen, die sich lohnen. "Wir möchten unseren Verein auch weiterhin am Leben erhalten, das Gemeinschaftsgefühl stärken und den Verein für die Jugend attraktiv gestalten", sagt Ralph Regus, der Dritte im Vorstandsteam. Dazu gehöre natürlich ein modernes und zeitgemäßes Erscheinungsbild des Vereins, mitsamt Vereinsstätte. Es wäre schön, wenn sie zu den vier bis fünf Heimspielen der SG nicht mehr den Charme der 1970er versprühen würde.

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