LKR Bad Kissingen
Frauenfußball

Annika Graser und Leonie Kreil bleiben im Paradies

Für das Duo aus dem Landkreis Bad Kissingen ist der Aufstieg mit Jena in die Bundesliga ein Happyend, das lange auf der Kippe stand.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mädels feiern mit Sekt: Leonie Kreil (links) und Annika Graser bejubeln nach dem 4:0-Sieg im letzten Saisonspiel beim 1. FC Saarbrücken den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Foto: privat
Mädels feiern mit Sekt: Leonie Kreil (links) und Annika Graser bejubeln nach dem 4:0-Sieg im letzten Saisonspiel beim 1. FC Saarbrücken den Aufstieg in die 1. Bundesliga. Foto: privat

Ein Platz im Paradies ist reserviert für Annika Graser und Leonie Kreil. Für die beiden Fußballerinnen aus dem Landkreis Bad Kissingen fühlt sich das alles immer noch ein bisschen an wie der Himmel auf Erden. Glücksgefühle nach Monaten der Ungewissheit. Aufstieg mit dem FF USV Jena in die Bundesliga statt Insolvenz, die wie ein Damoklesschwert über Verein und Spielerinnen hing.

Die Rückkehr ins nationale Fußball-Oberhaus war ein Muss für die Thüringer, entsprechend hoch der Druck vor dem letzten Saisonspiel der 2. Frauen-Bundesliga beim 1. FC Saarbrücken, das unbedingt gewonnen werden musste, um im Fernduell mit dem SV Meppen die Nase vorne zu behalten. Im eigenen Stadion unbesiegt waren bis dato die Saarländerinnen, die an diesem Tag erstmals als Verlierer vom Platz gehen mussten: Mit 4:0 hatten die Jenaer Kickerinnen ihr Alles-oder-nichts-Spiel gewonnen, Meppens 6:1 gegen die U20 der SGS Essen damit bedeutungslos geworden.

Im Endklassement war dies der vierte Platz, der deshalb zum Aufstieg reichte, weil die Reserven des FC Bayern München und VfL Wolfsburg auf den Plätzen 1 und 2 nicht aufstiegsberechtigt waren. Der 1. FC Köln als Tabellendritter stand als erster Aufsteiger bereits fest.

Eine erfolgreiche Kampagne

Rückblick: Der in finanzielle Schieflage geratene Verein hatte insbesondere dank seiner erfolgreichen Kampagne "Rette uns, wer kann" den Spielbetrieb für die aktuelle Runde sichern können. Sponsoren, Vereine und insbesondere die Fans des FF USV Jena bewiesen mit zahlreichen Aktionen eine beeindruckende Solidarität. "Das alles hat eine Aufbruchstimmung ausgelöst. Auch unsere Sponsoren haben gemerkt, dass der Aufstieg gelingen kann. Und dass die Vorstandsmitglieder in dieser schwierigen Phase an Bord geblieben sind, hat für zusätzliches Vertrauen gesorgt", sagt Pressesprecher Robert Schmiedel. Ein Nicht-Aufstieg wäre wohl gleichbedeutend gewesen mit einem sportlichen Neuanfang in der Regionalliga. "In der 2. Bundesliga schüttet der DFB an jeden Verein etwa 30 000 Euro aus. In der 1. Bundesliga sind es nicht zuletzt dank eines Hauptsponsors 310 000 Euro. Geld, auf das wir angewiesen sind", sagt Schmiedel. Und erinnert sich gerne an die feuchtfröhliche Rückfahrt. "Der Busfahrer dachte erst, wir hätten verloren. Aber was er hörte, war der Jubel unserer Fans, die für Heimspiel-Atmosphäre gesorgt haben."

Spielerinnen werden den Verein verlassen, auch Trainer Steffen Beck. Neuer Übungsleiter ist Christopher Heck vom Zweitliga-Absteiger FSV Hessen Wetzlar. "Wir wollen die Mannschaft gezielt verstärken, aber der Stamm der vergangenen Saison soll bleiben", sagt Schmiedel. Und zu diesem dürfen sich Annika Graser und Leonie Kreil allemal zählen, die sich ab dem 23. Juni auf die neue Saison vorbereiten. Berufliche Veränderungen gehen mit einher, denn Frauenfußball in Jena ist kein Profisport. Annika Graser hat erfolgreich ihr Abitur gemacht und beginnt ein freiwilliges soziales Jahr am Uni-Klinikum in Jena. "Ein Medizinstudium lässt sich eher schlecht mit Erstliga-Fußball vereinbaren", sagt die 19-Jährige aus Aura an der Saale, die aktuell auf Wohnungssuche ist, wahrscheinlich mit einer Mitspielerin eine Wohngemeinschaft bilden wird. In der Vorsaison gehörte Annika Graser zu den Stützen der Mannschaft im defensiven Mittelfeld. Und erlebte den Aufstiegskampf entsprechend intensiv mit. "Die Pause jetzt habe ich gebraucht, um das alles zu verarbeiten. Auch wenn der Druck da war, hat die Endphase der Saison unheimlich viel Spaß gemacht. All die Vorkommnisse haben die Mannschaft zusammengeschweißt. Außerdem haben wir den Fans viel zu verdanken, die uns regelrecht durch die Saison getragen haben."

Leonie Kreil studiert im zweiten Semester Sportmanagement an der Jenaer Universität, wohnt ebenfalls in einer WG - und scheut auf ihrer Position keinen Konkurrenzkampf. "Die Vorsaison habe ich ja quasi durchgespielt. Und ich denke schon, dass ich auch in der Bundesliga meine Einsätze bekomme", sagt die 21-Jährige, die sich eher im Mittelfeld auf den Flügeln sieht, zuletzt aber dank ihrer Schnelligkeit im Sturm eingesetzt wurde. "Ich spiele da, wo mich der Trainer aufstellt. Ich weiß, was ich machen muss", sagt die Poppenrotherin, die von ihrem zweijährigen USA-Aufenthalt eine gewisse Stress-Resistenz mit nach Thüringen brachte. "Ein anderes Land, eine andere Sprache, ohne die Eltern. Das war teilweise hart, aber fürs Leben habe ich da viel gelernt, weshalb ich die schwierige Situation des Verein nicht als Belastung empfunden habe. Was ich beeinflussen kann, ist meine Leistung, in dem ich gut trainiere und die Mädels mitziehe."

Die WM-Spiele genau im Blick

Natürlich ist auch die Weltmeisterschaft der Frauen aktuell ein Thema. "Da spielen ja genügend mit, die nächste Saison unsere Gegnerinnen sind. Vor allem das Freilauf- und Abschluss-Verhalten interessieren mich. Zuletzt wurde ich zwar immer wieder für meine Laufwege gelobt, aber Tore habe ich keine gemacht. Das war schon frustrierend."

In Pensacola hatte die Rhönerin an der University of West Florida studiert und von 2016 bis 2018 für das College Team, die West Florida Argonauts, gespielt. Und den Wechsel nach Jena bislang nicht bereut. "Mir gefällt es hier super. Sport und Studium lassen sich prima vereinbaren. Und obwohl ich erst ein Jahr hier bin, komme ich mit allen Spielerinnen bestens aus", sagt Leonie Kreil.

Ein Platz im Paradies halt. Im Paradies-Park der 111 000-Einwohner-Stadt genauer gesagt, wo sich das Sportzentrum des Universitätssportvereins (USV) befindet. In unmittelbarer Nähe der Saale übrigens - auch das passt.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren