Steinach an der Saale
Spieler der Woche

Aaron Friedels echte Fußballliebe

Mit seinen drei Toren sicherte der Offensivmann seinem TSV Steinach den Sieg über Herbstadt und die Befreiung im Abstiegskampf. Allerdings sind dem 21-Jährigen andere Dinge wichtiger als diese drei Treffer.
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Aaron Friedel vor der Würzburger Residenz. Der Offensivmann vom TSV Steinach studiert seit kurzem in Unterfrankens Hauptstadt. Tore schießt der 21-Jährige aber weiter für seinen Heimverein. Foto: Steffen Standke
Aaron Friedel vor der Würzburger Residenz. Der Offensivmann vom TSV Steinach studiert seit kurzem in Unterfrankens Hauptstadt. Tore schießt der 21-Jährige aber weiter für seinen Heimverein. Foto: Steffen Standke

Es regnet an diesem Nachmittag in Würzburg. Unterfrankens Bezirkshauptstadt - sie ist die neue Heimat von Aaron Friedel aus Steinach an der Saale. Zumindest unter der Woche. Denn seit kurzem studiert der 21-Jährige an der Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt Betriebswirtschaftslehre. Am Wochenende spielt er für den TSV Steinach in der Kreisliga. So erlebte Friedel eine denkwürdiges 4:3 gegen die Sportfreunde Herbstadt, steuerte drei Tore bei. Der Steinacher über das Spiel und seine Tore, eine praktische Fahrgemeinschaft und welches seine Lieblingsvereine sind.

Aaron, am Wochenende habt ihr gegen die Sportfreunde Herbstadt einen 0:2-Rückstand noch in ein 4:3 gedreht. Da ging es ziemlich turbulent zu.

Aaron Friedel: Das war wirklich ein verrücktes Spiel. Die ersten 20 bis 30 Minuten haben wir absolut verschlafen. Aber dann sind die Jungs aufgewacht, haben viel Moral bewiesen. Und das, obwohl die vergangenen Wochen für uns nicht gut liefen.

Kannst Du Dir die Schläfrigkeit zu Beginn erklären? Hattet ihr als Heimteam zu viel Respekt vor dem Gegner?

Gerade, weil wir zu Hause gespielt haben, wollten wir unbedingt gewinnen. Wir haben auch gut mitgespielt. Doch dann haben wir wieder bei einem Freistoß das 0:1 gefangen, wie viel zu oft in dieser Saison. Dabei sind Standardsituationen doch eigentlich einfach zu verteidigen.

Habt ihr vor der Begegnung nicht über dieses Problem gesprochen?

Standards und dass man sie verhindern muss, werden eigentlich regelmäßig angesprochen. Und auch, dass man sie nutzen sollte, um zu gewinnen.

Dem 0:1 folgte schnell das zweite Gegentor. Das Spiel schien gelaufen. Doch dann gelang Dir das Anschlusstor. War das die Wende?

Nach dem Anschlusstreffer haben wir schon gemerkt, dass noch was drin ist. Allerdings muss ich sagen, dass das 1:2 glücklich zustande kam: Ein Herbstadter Verteidiger schießt mich an; der Ball springt zu Maximilian Hein, der ihn wieder zu mir rüberpasst. Ich muss nur noch einschieben. Dann ging ein Ruck durch die Mannschaft.

Der aber erst mal durch die Halbzeitpause ausgebremst wurde. Was hat euer Spielertrainer Michael Voll euch in der Kabine erzählt?

Er ist noch einmal auf das System des Gegners eingegangen, wie wir in den Sechzehner und vors Tor kommen können.

Und dann ist er mit gutem Beispiel vorangegangen und hat den Ausgleich erzielt.

Das war wirklich bemerkenswert. Da hat man gemerkt, dass er individuelle Klasse und vor allem Ruhe vor dem Tor hat.

Dann begann auch schon Deine Glanzzeit mit den Treffern zwei und drei, gleich hintereinander?

Das war dann mehr oder minder eine Mannschaftsleistung. Wer die Tore schießt, ist doch egal.

Nun mal nicht so bescheiden. Immerhin hast Du mit drei Toren entscheidend zum Sieg beigetragen.

Wichtig war doch, dass das Selbstvertrauen in der Mannschaft wieder da war. Das hat jeder gemerkt. Außerdem: Das 3:2 fiel wieder glücklich, weil mein Schuss abgefälscht war. Und beim 4:2 hat Michael Voll links zu mir rausgespielt. Dadurch war die Abwehrreihe schon überspielt und der Weg zum Tor frei. Ich musste wieder nur einschieben.

Drei Tore in einem Spiel. Hast Du so etwas schon mal geschafft?

Drei Mal schon, in der Kreisklasse gegen Garitz, dann letzte Saison gegen den TSV Wollbach. Und jetzt gegen die Sportfreunde Herbstadt.

Es war Dein siebter Saisontreffer. Hast Du Dir eine persönliche Bestmarke gesetzt?

Nein, weil die Mannschaft im Vordergrund steht. Da will ich weniger auf mich selbst schauen, sondern mehr das Kollektiv sehen und zuschauen, dass wir die Spiele gewinnen.

Ihr spielt das zweite Jahr in der Kreisliga. Ist es das sprichwörtlich schwere zweite Jahr?

Finde ich nicht. Wir stecken in einer Phase, die es bei jedem Verein gibt. Da muss man weitermachen, trainieren und in jedem Spiel 100 Prozent geben. Wir müssen uns vor niemandem verstecken, der in der Kreisliga spielt. Letzte Saison haben wir als Aufsteiger mit dem fünften Platz erstaunlich gut abgeschnitten. Daran wollen wir anknüpfen. Ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt.

Wer steigt in die Bezirksliga auf, wer aus der Kreisliga ab?

Riedenberg als Absteiger der Vorsaison spielt eine große Rolle. Aber auch der SV Ramsthal hat eine erfahrene Truppe. Sie werden vorne mitspielen. Was mögliche Absteiger angeht, will ich nicht so viel sagen. Das wäre nicht fair irgendeiner Mannschaft gegenüber.

Mal ein paar Fragen zu Dir selbst: Seit kurzem studierst Du in Würzburg BWL?

Genau. Seit 1. Oktober. Vergangenen Dienstag war Einführung, Freitag die erste Vorlesung.

Da ist es sicher schwierig mit dem Training in Steinach, oder?

Wir trainieren zweimal pro Woche, mittwochs und freitags. Dadurch, dass noch drei andere aus der Mannschaft in Würzburg das Studieren angefangen haben, bilden wir jeden Mittwoch eine Fahrgemeinschaft nach Steinach und wieder zurück. Und freitags bin ich eh wieder in der Heimat, weil am Wochenende Spiel ist.

Überlegst Du Dir nicht, künftig in Würzburg Fußball zu spielen?

(Entrüstet) Darüber mache ich mir gar keine Gedanken.

Viele in der Region stehen auf den FC Bayern oder den Club aus Nürnberg. Für welchen Verein - neben dem TSV - schlägt Dein Herz?

Ich bin Fan des FC Liverpool, weil Jürgen Klopp die Mannschaft trainiert. Er gibt viel Acht auf die Werte eines Menschen, nicht nur auf das Fußballerische. Aber auch die Tradition, die Liverpool besitzt, finde ich beeindruckend.

Hast Du Liverpool schon live gesehen? Und welchen Stellenwert hat die Bundesliga für Dich?

Leider noch nicht. Ich finde, dass die Bundesliga mit Bayern als Dauermeister ihren Reiz in den letzten Jahren verloren hat. Wenn ich Fußball schaue, dann die englische Premier League. Wobei: Zuletzt ist die Bundesliga etwas spannender geworden. Borussia Dortmund hat gut eingekauft; sie spielen unter den Erwartungen. Es wird noch eine spannende Runde geben.

Abschlussfrage: Wo kommt der TSV Steinach am Saisonende ein?

Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz. Dafür war der Sieg gegen Herbstadt wichtig. Dadurch, dass uns in den letzten sechs Partien das Spielglück fehlte, war es bemerkenswert, dass das Team das Spiel rumgerissen hat. Wir wollen den Erfolg mitnehmen und das nächste Spiel selbstbewusst bestreiten.

Das Gespräch führte Steffen Standke

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