Nüdlingen
Leichtathletik

Zwei Herzen schlagen in Nick Przeliorz' Brust

Der Nüdlinger Nick Przeliorz wird mit dem LAC Erfurt Deutscher Meister über 4x200 Meter. Obwohl er eigentlich einen Auftritt bei der Bob-WM gehabt hätte.
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Die neuen Deutschen Meister über 4x200 Meter (von links): Nick Przeliorz, Hans-Arthur Margraf, Jonas Gerlach und Luis Brandner.  Foto: Theo Kiefner
Die neuen Deutschen Meister über 4x200 Meter (von links): Nick Przeliorz, Hans-Arthur Margraf, Jonas Gerlach und Luis Brandner. Foto: Theo Kiefner
Nick Przeliorz feierte bei den Deutschen Hallen-Meisterschaften seinen bisher größten Erfolg. Der langjährige Schützling von Trainer Bernd Neumann wurde mit seinen Klubgefährten vom LAC Erfurt Deutscher Meister der U20 über 4x200 Meter.

In einem packenden Finale setzten sich die Erfurter gegen den SC Magdeburg durch. Eigentlich hätte der Nüdlinger bei den Weltmeisterschaften der Bobfahrer als Anschieber eingesetzt werden sollen, und zwar im Vierer-Team um Jugend-Olympiasieger Jonas Jannusch als sogenannter Spurbob. Vor zwei Wochen verpassten sie zwar in Winterberg bei den Deutschen Junioren-Meisterschaften (U26) als Vierte die Medaillenränge, aber die Thüringer waren im Viererbob das schnellste Team der U23 und wurden dafür zum Königssee eingeladen.


Die drittschnellste Meldezeit

"Obwohl der Auftritt bei der Bob-WM sicherlich äußerst reizvoll gewesen wäre, stand die Entscheidung, für das Leichtathletik-Team des LAC Erfurt bei den Deutschen Meisterschaften in Sindelfingen zu starten, nie in Frage", so der 18-Jährige. Mit der drittschnellsten Meldezeit über 4x200 Meter angereist, wollten die Thüringer im sogenannten Glaspalast auch auf das Podest. Um Kräfte zu sparen, verzichteten sie allesamt auf einen Einzelstart über 200 Meter und nutzten lediglich den Sprint über 60 Meter für einen Auftakt.

Starke 1:29,55 Minuten bedeuteten im Vorlauf die zweitschnellste Zeit hinter dem SCC Berlin und wenige Hundertstel Sekunden vor dem SC Magdeburg. "An einen Sieg im Finale haben wir nicht im Traum gedacht. Wir wollten aber unbedingt eine Medaille", beschrieb Nick Przeliorz die realistische Zielsetzung des Quartetts am Abend vor dem Endlauf. Der zweite Rang im Vorlauf bescherte den Erfurtern aber schon mal die günstige Außenbahn, während Magdeburg mit Bahn zwei und engeren Radien Vorlieb nehmen musste.

Luis Brandner, der großgewachsene Startläufer der Erfurter, nutzte geschickt die gute Bahn und wuchs im Finale über sich hinaus. Bei der Übergabe des Staffelstabes hatte er nur einen ganz geringen Rückstand auf Thomas Barthel vom SC Magdeburg. Jonas Gerlach, der zweite Erfurter Läufer, kam auf der Zielgeraden an dem innen laufenden Magdeburger heran und übergab mit diesem nahezu zeitgleich an Nick Przeliorz, der von der Außenbahn beherzt angriff. "Ich wusste, dass ich da den viel weiteren Weg habe. Aber ich hoffte, dass ich dafür dann den Schwung aus der Steilkurve von der höheren Bahn mitnehmen kann", erzählte er nachher.


Auf den allerletzten Drücker

Als es auf die Gerade ging, war Nick Przeliorz schon sehr nah an seinem Kontrahenten dran und holte auf den folgenden Metern immer mehr auf. Auf der Zielgeraden bekam der Magdeburger noch mal Oberwasser und zog bis zum Wechsel gleichauf. Hans-Arthur Margraf, der Erfurter Schlussläufer, sah zwar, dass Przeliorz auf den letzten Metern die Kraft zunehmend schwand, dennoch musste er beherzt anlaufen, um vorne und damit innen zu bleiben. Auf dem allerletzten Drücker funktionierte dieser sehr riskante Wechsel, der den entscheidenden Vorteil brachte.

Überschwänglich bejubelte der Thüringen-Express den unerwarteten Gewinn der Deutschen Meisterschaft. Dabei war verletzungsbedingt mit Julian Wagner ihr stärkster Sprinter noch nicht einmal dabei. Umso erstaunlicher, dass die Vier in 1:28,19 Minuten eine neue deutsche Jahresbestzeit verbuchten. "Das waren im Schnitt rund 22,05 Sekunden. In Anbetracht unserer Einzelzeiten müssen wir da nicht nur schnell gewesen sein, sondern auch wirklich sehr gut gewechselt haben", lautete Przeliorz' abschließende Fazit.

Für den Abiturienten steht nach all den sportlichen Erfolgen in diesem Winter jetzt erst einmal die Schule wieder im Vordergrund. "Da muss ich mich auch mal beim Münnerstädter Gymnasium bedanken. Ohne die zahlreichen Freistellungstage für Trainingslager und Kadermaßnahmen beider Sportarten wären meine sportlichen Erfolge in dieser Art nicht möglich gewesen." Nach dem Abitur - Sportwissenschaften möchte er danach gerne studieren - muss er sich nun entscheiden, ob er endgültig zum Bobsport wechseln wird.


Schnell in die Weltspitze

Am Beispiel eines anderen ehemaligen sprintstarken Leichtathleten aus Unterfranken sieht man, dass es beim Bobsport durchaus schnell in Punkto absolute Weltspitze funktionieren kann. Am Wochenende wurde der mehrmalige Bayerische Sprintmeister Christian Rasp aus Mainbernheim bei Kitzingen Weltmeister. Er ist als der schnellste Anschieber im Team von Pilot Johannes Lochner auf Position vier - genau wie Nick Przeliorz beim Nachwuchsbob aus Thüringen.
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